Kirchberg bei Volkach , welche einen Christus am Kreuz,Maria, Johannes, Maria und Stifter darstellen, fernervon Glasmalereien in der sogenannten gothischen Ka-pelle in Greifenstein bei Bamberg . Die ersteren standenin der Kirche Naria intsr vitsg auf dem Kirchberg, wosie Theile der Chorfenster ausfüllten, im Jahre 1880aber bei der Renovation der Kirche durch neue Glas-gemälde ersetzt wurden. Die alten Fenster stehen inVolkach zum Verkauf. Letztere bestehen aus Wappenund den Evangclistenbildern.
Ein erfreulicheres Bild bietet die St. Jakobskirche imbenachbarten Nothenburg ob der Tauber. Mögeauch der nicht kunstverständige Besucher dieser ehemaligenfreien Reichsstadt unter dem Eindruck, welchen dasreizende Tauberthal sowie der mittelalterliche Charakterder Stadt mit ihren alten Mauern, mit ihren zahlreichenThürmen und Thürmchen, mit ihren malerischen Thoren,mit ihren Erkern und Giebeln auf ihn ausübt, nicht dieKunstschätze übersehen, welche die stattliche, gothische St.Zakobskirche in sich birgt; es ist fast ein Wunder zunennen, daß sich dieselben gerade in dem harjgeprüftenNothenburg trotz all den Stürmen der Zeit erhaltenhaben.
Dem Hauptaltar Friedrich Herlen's aus dem Jahre1466, sowie den beiden Seitenaltären Tillmaun Niemen-schneider's kann man die drei großen Glassenster desOst-Chors würdig zur Seite stellen. Es ist unbegreiflich, daßdiese Fenster in den bisher erschienenen Werken über dieGlasmalerei nicht besser hervorgehoben wurden; mancheandere, in Wirklichkeit nicht mehr vorhandene Denkmälerfindet man als noch bestehend beschrieben, und diese wirklichgroßartigen Kunstwerke müssen sich im günstigsten Fallmit einer bloßen Erwähnung begnügen. Die genaueBesichtigung und eingehende Würdigung dieser Pracht-leistungen mittelalterlicher Meister kann nicht genug em-pfohlen werden. Vielen Besuchern mag die Pracht dieserfärben- und figurenrcichen Glasmalereien entgangen sein,da wegen des zu starken Vordcrlichtcs — die übrigenFenster sind nur mit weißen Bntzen ausgefüllt — dieFenster gegen Mittag vollständig ihre leuchtende Farben-wirkung verlieren. Um so großartiger, ja geradezu über-wältigend ist ihr Farbenspiel in den frühen Morgen-stunden. Nach vorhandenen Resten in dem Maßwerkzweier weiterer Chorfenster ist wohl zu schließen, daß ur-sprünglich alle Fenster, wenigstens die Chorfenster, mitGlasmalerei versehen waren; auch zeigt das Fensteran der Epistelseite einzelne Theile, welche vielleicht früherin einem anderen Fenster gestanden haben. Die Technikund die Ausarbeitung der Fenster, wenigstens des mitt-leren und desjenigen der Evangelieuseite, entsprechen denArbeiten aus dem Ende des 14. Jahrhunderts; so ver-missen wir auch noch die Anwendung des Silbergelb;nur an den kleinen Engeln im zweiten Medaillon desrechten (vom Beschauer aus linken) Fensters (Evangelien-seite) scheinen Spuren von Silbergelb angebracht zu sein;vielfach findet man die Haare eingebleit. In der An-ordnung, in der Komposition sind die Fenster sehr ver-schieden; es besteht nicht der geringste Zusammenhang,nicht die geringste Ähnlichkeit, nicht einmal in der Farben-stimmung. Hier und da, besonders an dem Fenster derEpistelseite, begegnen uns Versuche besserer Modellirungund perspektivischer Darstellung. Die eingebleiten Buch-staben erinnern neben einigen anderen Einzelheiten andie Fenster von St. Martha in Nürnberg ; die Fensterkönntest tvM derselben Werkstätte entstammen; ob aus
Nürnberg ? Oder vielleicht aus Nothenburg selbst, wodie Dominikaner die Künste pflegten? Treffen wir dochhier in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts MartinSchwarz, welchem auch der Schwanenordensaltar zu Ans-bach zugeschrieben wurde.
Das Fenster der Epistclseitr scheint, wie schon obenangedeutet, jünger zu sein; mehrere Reparaturen an diesemFenster fallen unangenehm auf.
Die St. Jakobskirche wurde 1373—1453 gebaut»der Ostchor ist der älteste Theil; der Westchor wurde erst1453—1471 gebaut; Verwechselung beider Choranlagenhat wohl zur falschen Datirung der Fenster verleitet.Das dreitheilige Fenster der Evangelicnscite, welches leiderschon sehr früh am Morgen die richtige Beleuchtung ver-liert, enthält in seinen unteren Feldern unter einer ein-fachen, in den Seitenfeldern weißen, im Mittelfeld kräftiggelben Architektur den englischen Gruß; in den Mittel-feldern auf grünem und braun-violettem, durch weißeNosettchen unterbrochenem Hintergründe die heilige Maria,rechts (vom Fenster aus) den Erzengel Gabriel mit einemBuche, welches in gothischen Minuskeln die Worte: „avsUrri'ia, gratirr pisna ävinimrs tsourrr" enthält; linksdie Gestalt des hl. Joseph; der Hintergrund der Seiten-theile zeigt ein blau und rothes, durch zwischengesetzteweiße Nosettchen belebtes Muster. Ueber der Figur desHI. Joseph sehen wir Gott Vater, welcher durch ein großesRohr den HI. Geist und seinen eingebornen Sohn zur hl.Maria hinabsendet; Gott Sohn ist dargestellt als nacktesKindlein mit dem Kreuze auf der Schulter. Ueber demErzengel Gabriel ist die Gestalt des hl. Johannes miteinem Buche angebracht, aus dessen Blättern die Wortsstehen: „st vsrduva oaro taetuva sst". In diesenFeldern besteht der Hintergrund aus abwechselnd grünenund blau-violetten Rauten. Hinter den Architekturenblauer Grund, in der Mitte einfach gewischt, in denSeitenfeldern mit Blattmuster versehen. Ueber der Archi-tektur ein Teppich aus hellblauen und dunkelblauenQuadern, auf den Ecken dieser Quadern kleine, rotheNosettchen.
Fünf große, durch Ornament mit einander ver-bundene Medaillons nehmen die obern 30 Felder desFensters ein; unten die Anbetung der hl. drei Könige,dann die Auferstehung Christi , die Himmelfahrt desHeilandes, die Sendung des hl. Geistes und der Todder bl. Maria auf abwechselnd blauem oder grünemHintergrund: auch die Einfassungen der Medaillonswechseln, bei dem einen breiter gelber Streifen undweißer Perlstreifen, bei dem anderen umgekehrt. DerTeppich, auf welchem die Medaillons aufliegen, ist inden seitlichen Feldern rothgrün mit weißen Nosettchen,in der Mitte roth-hellblau mit weißen oder gelblichenNosettchen. Jedes Medaillon nimmt 6 Felder ein, wirdalso nicht nur durch das Quereisen, sondern auch durchdie Steinpfosten durchschnitten; die Medaillons selbst, wieauch die einzelnen Gestalten der Gruppen sind sehr ge-schickt in den gegebenen Raum eingepaßt. DaS ganzeFenster zeigt sehr gute, harmonische Wirkung; „weiß"ist mit Vorsicht angewandt; die Arbeit ist streng mnsivisch.Auffallend ist die Aufhellung des Roth beim Gewändeder hl. Maria in der unteren Gruppe; noch stärker trittdiese Abtönung bei einem Krieger im II. Medaillonhervor; vielleicht spätere Reparaturen.
(Schlug solzt.)