Ausgabe 
(17.7.1896) 29
 
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für welche der Verfasser durch die Neubearbeitung der Böhmcr-scken Regelten die Grundlage geschaffen hat, ist bisbew ncch keinGelehrter bereit gesunden worden.

Für die Jahrbücher des Reichs unter Otto II. und Otto III. hat Dr. Ublirz die Sammlung und Sichtungdes gesammten Quellensloffs beendigt und wird jetzt an dieAusarbeitung gehen. Die Arbeit für die Jahrbücher unterHeinrich IV. und HeinrichV. hat Professor Meyer vonKnonau wieder ausgenommen und wird, wenn auch neuer-dings durch die Geschäfte dcS NcctcratS der Züricher Hochschulebehindert, nach Möglichkeit den dritten Band des Werkesfördern.

Die Geschichte der Wissenschaften in Deutsch-land hat in diesem Jahre einen erfreulichen Fortschritt zuverzeichnen. Von den drei noch immer ausständigen Werkenist eines, die Geschichte der Geologie und Paläontologie vcmGeheimen Ratb von Zittel, dem Abschluß nahe gerückc. Dasdruckscrtige Manuskript reicht bis 1820, die Vollendung desGanzen glaubt der Verfasser für den Mai 1807 in Aussichtstellen zu dürfen.

Die Allgemeine deutsche Biographie , unter derLeitung des Freiherrn von Lilicucron und des GeheimenRaths Wegele, nimmt ihren regelmäßigen Fortgang. DerSckluß des 41. Bandes ist bald nach Ablauf des Geschäfts-jahrs (1. Juli) zu erwarten. Die Redaction beschäftigt sichbereits mit den Vorbereitung für die NachtragSbände sowie fürdas allgemeine NamenSregister zum ganzen Werk.

Die ReichStagsakten der älteren Serie, unterLeitung des Professors Quidde, sind endlich zum Beginn derDrucklegung eines neuen Bandes gelangt, nämlich des vonDr. Beckmann bearbeiteten elften Bandes, der den Schlußder Regierung Sigmunds, die Zeit nach der Kaifcrkrönung,enthalten soll. Dr. Beckmann hat nach der vorigen Plcnar-versammlung noch das Venetianische Staatsarchiv besucht, dortdie Arbeit für die Jahre 1433 1439 abgeschlossen, dann nachseiner Rückkehr die Fertigstellung deS Manuskripts unternom-men, eine Arbeit, die längere Zeit in Anspruch nahm, als imvorigen Jahr vorausgesehen war, indem die Behandlung deSspröden Materials der kirchenpolitischen Verbandlungen nnddie Anordnung der für den Zusammenhang unentbehrlichenAkten, die sich in den Rahmen der ReichStagsakten nickt recktfügen wollten, große Schwierigkeiten verursachte. Ende Aprilwurde das Manuskript der ersten großen HaupiabtheilungEntwicklung der Kirchenfrage von Sigmunds Kaiserkiönnngbis zum Reichstag von Basel Juni bis Oktober 1433" demDruck übergeben. Im Fortgang deS Drucks, der keine Unter-brechung erfahren soll, wird sich deutlicher herausstellen, ob eSzweckmäßig sei, vie letzten Reichstage Sigmunds als einen be-sonderen zwölften Band abzutrennen.

Der zehnte Band, die Nomzugszeit umfassend, von Dr.Herre bearbeitet wird voraussichtlich noch vor Erscheinen deselften Bandes drnckfertig werden. Dr. Herre hat im vorigenSommer zuerst zur Unterstützung Dr. Beckmanns in Venedig,dann in Mailand gearbeitet, darauf die Bearbeitung der Con-cilSakten für seinen Land durch Benützung der Pariser Hand-schriften, die nach München gesandt worden sind, abgeschlossenund neben der Bearbeitung der Texte seine weit ausgreifendenUntersuchungen über die Vorgeschichte des Romzugö dermaßengefördert, daß die Einleitung im Sommer druckfertig werdenwird, die Vollendung des ganzen Bandes aber bis zur nächstenPlenarvenammlnng in Aussicht gestellt werden kann.

In München wurden außer den Pariser Handschriften auchnoch solche aus den Bibliotheken zu Wien, Trier , Wvlsenbüttelund München, Archivalicn von Nördlingen, Würzburg undMünchen benutzt. Hervorzuheben ist die Ausbeute, welche daöfür die ReichStagsakten bisher noch nicht benutzte Geheime Haus-archiv zu München gewährt hat. Nothwendig wird für Band 10noch eine Nachlese an Ort und Stelle in Wien , vielleicht auchin DreSden sein.

Für die Reichstagsakten der jüngeren Seriewar wie bisher Dr. Wrcde mit Unterstützung von Seiten deSDr. Bernays thätig. Der zweite Band der ReichStagsaktenunter Kaiser Karl V. ist der Plenarvcrsammlung überreichtworden. Neben dem Druck desselben hat die Redaction desdritten Bandes begonnen, dessen Material im wesentlichen vor-liegt. Derselbe wird die Ansänge des NegimentS und den erstenReichstag zu Nürnberg März und April 1522, den Städtetagzu Eßlingen voni Juni 1522, den zweiten Reichstag zu Nürn-berg November 1522 bis Februar 1523, den neben diesemReichstag hergebenden Städtetag und womöglich auch noch

den Städtetag zu Speyer vom März 1523, der eine un-mittelbare Folge deS Reichstags ist, umfassen. Der ersteReichstag von Nürnberg gestattet eine knappe Behandlung.Die Städtetage hereinzuziehen ist unerläßlich, da es sich ausihnen ganz vorwiegend um die gemeinsame Stellung der Stävtezu den gefaßten oder zu fassenden Neichtagsbcschlüsscn handelt;übrigens ist daS für sie vorhandene Material gering, mit Aus-nahme des Tags von Speyer . Den breitesten Platz im drittenBand wird der zweite Reichstag von Nürnberg einnehmen. Daüber diesen viel weniger veröffentlicht ist als über den WormserReichstag , wird der dritte Band mehr Neues bringen können,als der zweite. Aus dem, was bisher noch gänzlich unbekanntwar, mag hervorgehoben werden ein ausführliches, aus derMainzer Kanzlei stammendes Protokoll über die erste HälftedeS Reichstags, und eine ausführliche Gegenschrift der Erz-bischöfe und Bischöfe gegen die Gravamina.

(Schluß folgt.)

Recensionen nnd Notizen.

Im Verlage der F. I. Ebenhöcb'schen Buchhandlung (Heinr.Korb) in Linz a. d. D. erschien soeben: Eben hoch, Dr. Alfred,ReichSraths-Abgeordneter, Wände runaen durch die Ge-sellschaftspolitik. 8°. 280 S. Pr. brosch.fl. 1.80-M. 3.20.

Dieses mit Spannung erwartete zeitgemäße Werk enthältfolgende Capitel: 1) Ursprung und Ende; 2) Die Gesellschaft;3) Die Staatsgewalt; 4) Die Menschcnrechte; 5) Bilder ausvergangener Zeit; 6) Am Ende des 19. Jahrhunderts; 7) DieArbeitcrschntz-Gcsetzgebung Oesterreichs ; 8) Rück- und Ausblick.Im erste» Capitel schildert der Verfasser daS Weltall undden Menschen. Das zweite Capitel entrollt ein Bild dermenschlichen Gesellschaft, bewein die sociale Natur des Menschen,verbreitet sich über das Wesen nnd die Bedeutung der sccialenFrage und bespricht die Institution der Ehe und Familie. Dasdritte Capitel bandelt vom Ursprünge der Staatsgewalt,deren verschiedenen Formen und insbesondere vom ständischenStaate und vom heurigen ConstitutioiialiSmus. Im viertenCapitel werden die wahren Menschenrechte geschildert. Dasfünfte Capitel führt uns in die Zeilen dcS Mittelaltcrszurück. DaS sechste Capitel gibt ein Bild des heutigen Zu-standes der Gesellschaft. Das siebente Capitel gibt denWortlaut der österreichischen Arbeiterschutzgesetze und reiht darandie neuesten Daten, wie sie in den Berichten der Gewcrbe-Jn-spectoren u. s. w. officicll niedergelegt sind. Das letzteCapitelgibt einen kurzen Rück- und Ausblick. Das Buch dürfte, ins-besondere da es nickt im Stile eines LcbrbucheS, sondern popu-lär gehalten ist, ein willkommenes Hilfsbuch sein für Alle, welchein die Lage kommen, in politischen Vereinen u. s. w. die socialeFrage mit Allem, was d'rum und d'ran hängt, zu besprechen.

Jbo, Küchen-Poesie. Kocbrccepte in Versen. Preis M. 150.

Augsburg, Lampart u. Comp.

». Vor uns liegt ein kleines, nett ausgestattetes Büchlein.Es betitelt sichKücken-Poesie". In viele» munteren Versenbietet es Anleitung zur Herstellung unserer Leibgerichte. Jeden-falls ist es ein guter Gedanke, all die Kücken-Prosa mit demanmuthigen Mantel der Poesie zu umkleiden, und vielleicht ge-lingt es auch noch, manchen jungen Damen, die vor der Kücheund allem, was damit zusammenhängt, zurückschaudern, durchdiese sinnige Art ihren Schrecken zu benehmen, wofür vielleichtspäter mancher Ehemann dem Autor Dank wissen wird.

R.WasjederWählerwissen soll!" Unter diesem Titelhat der bekannte Arbcitcr-Nedncr vom letzten Münchner Katholiken-tag, Herr Carl Schirmer , Schlosser, eine Zusammenstellungder wichtigsten Bestimmungen über Reichstags-, Landtags-, Ge-meinde- und GewerbegericktSwablen mit einem Anhang: dasVersammlungs- und Vercinsrccbt, Plakate, Flugschriften, Geld-sammlungen betreffend, im Selbstverläge (Adalbertstr. 19) er-scheinen lassen. Das dankenswerthc Schriftchen bringt in ge-meinverständlicher Sprache unter Benützung amtlicher QuellenAlles, was thatsächlich jeder Wähler wissen sollte, und kostetnur 20 Pfg. _

Bimetallistische Monatsschrift. Berlin , Verlag vonHerm. Walter. Preis per Jahr (12 Hefte) 10 Mark;einzeln 1 Mark.

II. Jahrg. 1. Heft enthält u. A.: Zur Lage. Die Haupt-versammlung der französischen Bimetallistenliga. WichtigeAeußerungen, die Währungsfrage betr. Die Währungsfrageund die Vereinigten Staaten .

Vetantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von HqaS L Grabherr in Augsburg .