Wer sich von der Wahrheit entfernt, begibt sich in dieSklaverei, und jede Freiheit ohne Wahrheit ist nur einSchall, ein Rauch, ist nur morZaira,, über derenBetrachtung uns schon der Staub der modernen Geistes-wüste um die Sinne fliegt. Nietzsche und Christus t —Christ und Antichrist! Welch ein Unterschied; ein Himmelund eine Hölle liegt zwischen Beiden.
Wir können ruhig die Welt ihre Feste feiern undhernach ihre Todten begraben lassen; auch ein Nietzscheist nur Werkzeug Gottes, der unselige Zeuge eines gott -entfremdeten und darum unglücklichen Menschenlebens.
Ueber Glasmalerei im Frankenlande und dieGlasgemälde der St. Jakobskirche zu Notheu-bnrg o. d. Tauber.
Von vr. H. Oidtmann in Linnich (Rheinland).
(Schluß.)
Das vierteilige Mittelfenster, durch Quereisenin mehr als 50 Felder eingetheilt, ist geradezu über-wältigend in seiner leuchtenden Farbenpracht; Noth, Blau,Gelb, Grün und „Weiß" vereinigen sich mit vielen Mittel-tönen zu einer wunderbaren Farbenstimmung von seltenerHarmonie; es fällt dem entzückten Auge schwer, von demherrlichen Gesammteindruck sich loszureißen und an dieBeachtung der Einzelheiten heranzugehen. Das Nothen-burger Mittelchorfenster muß seines Gleichen suchen; schöndurchsichtig und klar gehalten, hat dasselbe den richtigenGlascharakter. „Es ist ein großartiger, gleichsam gold-durchwirkter, mit Perlen und Edelsteinen reich geschmückterTeppich, der uns in dieser spätmittelalterlichen Arbeit ent-gegentritt." * 0 ) Leider verschwindet das farbenprächtigeBild schon gegen Mittag, und eine graue, nur hier undda eine Farbe durchtastende Fläche starrt uns kalt ent-gegen. Die außen um das Fenster laufende Bordüreenthält auf die Geburt Christi bezügliche Stellen ausder heiligen Schrift; die einzelnen Buchstaben sind in demrothen Grund des Frieses eingebleit. Der Teppich derbeiden Mittleren Reihen, auf welchem die Medaillons auf-liegen, ist roth und blau mit zwischengebleiten gelblichenRosettchen; die ihn begleitende Bordüre besteht (vonaußen nach innen) aus einem gelblichen Perlstreifen undeinem rothen Bande, auf welchem grünlich-weiße Blumenmit gelben Stengeln sich emporranken; die Medaillons,lang gestreckte, verschwommene Vierpäste, haben abwechselndverschiedenfarbige, damascirte Hintergründe; die Fleisch-theile der Figuren sind aus weißem, gelblichem oder blaß-röthlichem Glase geschnitten.
Das Fenster beginnt unten mit einem kleinen Stein-maßwerke, unter welchem wir in den äußeren Felderneinen knieenden Ritter und das Wappen derer von Löschsehen; die mittleren Felder zeigen die Gestalten der hl.Elisabeth") und des hl. Jakobus. Von diesem unterenMaßwerk setzen sich die Pfosten des Fensters ununter-brochen bis zum oberen Steinwer! fort; die beiden mitt-leren Reihen des Fensters enthalten in jedem Felde einMedaillon; zunächst sehen wir die Symbole der Evan-gelisten , dann, über diesen, geschickt auf beide Medaillonsvertheilt, den englischen Gruß. Die vierte Reihe enthältdie Hirten von Bethlehem und die Heimsuchung, die
") Detzel H., Eine Kunstreise durch das Frankenland.Würzburg , 1885.
Kolb H., Glasmalereien des Mittelalters und derRenaissance, Stuttgart 1834, bringt eine farbige Abbildung desFeldes mit der hl. Elisabeth.
fünfte in beiden Medaillons die Geburt Christi, diesechste Reihe die Anbetung der heiligen drei Könige.Ueber diesen die Flucht nach Aegypten und die TaufeChristi, weiter das heilige Abendmahl und Christus amKreuz; hieran schließen sich der Verrath des JudaS undChristus vor Pilatus, Christus am Oelberg und dieGrablegung, Christus in der Vorhölle und die Auf-erstehung des Heilandes. Wo eine Darstellung auf beideMedaillons vertheilt ist, ist die Gruppirung geschickt an-gelegt. Nach der falschen Reihenfolge der Medaillons zuschließen, find dieselben später gelegentlich einer Restau-ration planlos eingesetzt worden.
In den äußeren Seitenfeldern finden wir unterfarbenprächtigen Baldachinen und Architekturen die Dar-stellungen von zwölf Propheten mit Spruchbändern; auchhier begegnet uns sowohl in den Hintergründen undArchitekturen, als auch in den Gewändern der Figurenein großartiger Farbenreichthum und geschmackvolle Ab-wechselung in der Zeichnung. Die Medaillons der mitt-leren Reihen sind allerdings im Verhältniß Zum Maß-stab des Fensters etwas klein; hierin erinnern sie etwasan die Fenster der Ste.-Chapelle zu Paris ; aber dieeinzige Farbenwirkung dieses Kunstwerks läßt über allesAndere hinwegsehen.
Das dreitheilige Fenster der Epistelseite zeigt wiedereine ganz andere Anordnung und eine ganz andere Be-handlung; es ist jedenfalls jünger, als die beiden an-deren Fenster.
Die unteren Felder rechts und links werden durchdie Figuren der heiligen Apostel Petrus und Jakobusausgefüllt, welche in ihrer ganzen Auffassung und Be-handlung mehr zum Mittelfenster passen, jedoch keines-falls zu den übrigen späteren Theilen des Fensters, inwelchem sie heute stehen. Auch bei diesen Figuren findenwir die eingebleite Schrift. Der Engel in dem mittlerenunteren Feld mit dem Wappen der Stadt Nothenburgverräth auch schon ohne die ausdrückliche Angabe „Re-staurirt 1856" die mangelhafte Arbeit der damaligenZeit. Die nächsten neun Felder bilden eine Abtheilungfür sich. In der Mitte sehen wir Christus am Kreuz,umgeben von vier Engeln; zwei tragen zur Seitenwundedes Heilandes kleine Kindergestalten, welche nach derAuffassung Detzels Seelen darstellen sollen. Am Fußedes Kreuzesstamwes „sieht man stehend und sitzend diesündige Menschheit, welche um des Blutes Christi willenum Vergebung fleht und auf welche dieses von seinenFüßen herabfließt." Aus der rechten Hand des Ge-kreuzigten fließt Blut in den Kelch, welchen ein Priesterbeim Meßopfer am Altare in die Höhe hält; hinter demAltar zwei Männer. Engel tragen auch dieser Wundedie Kindlein zu. Aus der linken Handwunde fließt dasBlut auf ein Kind, welches ein Priester über den Tauf-stein hält; daneben eine männliche und eine weiblicheGestalt, wohl die Tauspathen.
Nach oben findet die ganze Darstellung ihren Ab'schluß in einem doppelten Rundbogen, in welchem sicheine Darstellung des Fegfeuers befindet; Engel löschenan einer Seite das Feuer und tragen an der anderenarme Seelen auf ihren Armen heraus. Ueber dieser herr-lichen, großartig gedachten Darstellung finden wir in ganzanderer, nicht minder sinnreicher Anordnung die Dar-stellung des heiligen Meßopfers. Im mittleren Feldebringt der Priester das unblutige heilige Opfer dar;links kniet ein betender Mann, hinter ihm zwei Engel;rechts will sich ein Mann vom hl. Opfer abwenden, wtxtz.