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jedoch von einem Engel zurückgeholten. Detzel vermuthethierin die Darstellung von Glaube und Unglaube. Ueberdem Altar sitzt oben in der Mitte der Heiland in großerGestalt, drei Seelen in Kindergestalt auf seinem Schoßehaltend; links bringen Engel ihm wettere Seelen zu,rechts knteen drei Heilige; über diesen seitlichen Darstell-ungen knieen die Donatoren, begleitet von einem Engel.Die nächsten neun Felder bringen das Vorbild des HI.Abendmahls, den Mannarcgen; Engel werfen die Brodeund Bretzeln in lebhaft bewegter Darstellung auf dieunten sitzenden und stehenden Juden. Die weiterenFelder zeigen den segnenden Christus mit der Weltkugel,zu beiden Seiten einen Engel und über dieser Darstellungauf rothem Grunde den Propheten Malachias mit einemSpruchband. Der obere Theil dieses Fensters ist, wieman auf den ersten Blick sieht, renovirt. Wie schon obenbemerkt wurde, deuten Compofition, Zeichnung und Technikauf eine etwas spätere Ausführungszeit hin; in derFarbcnstimmung herrscht das Grün etwas stark vor. Indiesem Fenster besitzen wir eine schöne Darstellung desErlösuvgswerkes, eine recht sinnige Verbindung des un-blutigen Meßopfers mit dem blutigen Opfer des Gottes-sohnes.
Die drei Fenster bilden einen kostbaren Schmuckder herrlichen Kirche; nur ungern trennt sich das Augedes bewundernden Beschauers von diesen farbenprächtigenWerken.
Nebenbei sei hier noch kurz auf die aus dem Endedes XIV. Jahrhunderts stammenden Glasgemälde derim Jahre 1384 gebauten Herrgottskirche im nahenCreglingen hingewiesen. Eine nähere Beschreibung der-selben vielleicht später unter Württemberg .
In der Schwanenordenskapelle, dem im Jahre 1528vollendeten Chöre der St. Gumbertus - Stiftskirche zuAnsbach befinden sich in vier Fenstern im Ganzen 2VFelder zerstreut erhalten, außerdem noch 5 kleinereWappen. Die Felder sind leider fast alle beschädigt;sie stellen einige Madonnen, Crucifixe , Heilige, Personenaus der markgrüflich hohenzollernschen Familie und einigegrößere Wappen dar; die bei Graf Stillsried^) abge-oildeten markgröflichen Porträts sind nur sehr schwerwiederzukennen; theilweise find sie nur in Bruchstückenerhalten. Der knieende Ritter rechts mit der schwarz-weißen Fahne, in burggräflichen Farben (roth und gelb)gekleidet, ist Markgraf Casimir; im Mittelfenster sehenwir Georg den Frommen , ebenfalls mit einer schwnrz-anßen Fahne; das dritte Bild zeigt den MarkgrafenGumbert; der Kopf fehlt, während von der MarkgräfinSusanna , der Gemahlin Castmirs, einer bayerischen Prin-zessin, nur noch das Brustbild zu sehen ist. MehrereFelder sind zart und sorgfältig durchgearbeitet, besonderseine hl. Dreifaltigkeit und eine Selbdritt. Es ist be-dauerlich, daß diese Reste alter Glasmalerei in derSchwanenordenskapelle sich in einem so schlechten Zu-stande befinden.
Auch das früher an Glasgemälden reiche KlosterHeilsbronn bei Ansbach hat heute in seinem Hauptchor-fenster nur noch einige spärliche Reste alter Glasmalereierhalten, aber nur so spärliche Reste, daß man sie indem 1876 mit den technischen Mitteln der damaligenZeit restaurirten Fenster kaum zu erkennen vermag. Eswar ursprünglich ein Votivgemälde für den 1297 ge-
") Alterthümer und Kunstdenkmale des Erlauchten Hauses
Hohenzvllttn. .
storbenen Burggrafen Friedrich III. Die Reste diesesFensters waren die einzigen alten Glasmalereien, welchebei der Aufhebung des Klosters nicht entfernt wurden;aus dieser Zeit finden wir folgende Notiz: „Am rothenFenster hinter den oberen Altar im mittleren Fenstersind die Bildnus Burggrafs zu Nürnberg , so zu KaiserRudolfs Zeiten gelebt, und über ihm der ZollcrischeSchild und Namen Fridericus, gegenüber aber seinerbeiden Gemahlinnen Bildnus, über denen auch derZollerische Schild mit diesen Worten: Dürre DonnnaeDurAgravIae." Es ist unter den Glasgemälden derKirche das einzige, welches man im zerstörungslustigen18. Jahrhundert der Aufbewahrung werth erachtete;man nahm es bei der damaligen verunglückten Restau-ration der Kirche heraus, verwahrte es sorgfältig undsetzte es dann wieder ein.
Auch die 16 von Abt Petrus Wegel in den Jahren1466 — 1472 angeschafften Glasgemälde des Kreuzgangesmit Darstellungen aus dem Leben des hl. Bernhard warenbei der Aufhebung des Klosters noch unversehrt in Heils-bronn , kamen aber mit noch zwei anderen Fenstern 1774nach Ansbach laut folgenden Liefer- und Empfangs-bescheinigungen : „Aum Iioostlürstliesteii Drmarat Oaol3-staost werclen rmnrit äie aus clsr kiesiZen Xirestsgenommenen gemalten Venster au 18 I'lügeln üdsr-sauclt. üailsstrcmu, am 28.1)63.1774. «I. ll. VVsinstarck,Verwalter." — „Die Dinlieleruug 3um Dauamt ke-sosteint, Ouelöstaeli, am 29.1)63.1774. 6.IV Xnoll."")Wohin die Fenster von dort aus gerathen sind, ist nichtbekannt; man hat nichts mehr davon gesehen noch ge-hört. Uebrigens finden wir die Anbringung der Lebens-geschichte des hl. Bernhard in den Kreuzgängen mehrererCistercienserklöster, so auch in Altenberg bei Köln . DieseBilder wurden leider 1824 in Köln verkauft.
In der Klosterkirche selbst waren nur die hinterstenFenster des östlichen Chors mit Glasmalereien geschmückt.Ueber dieselben wissen wir nicht mehr, als oben über dasHohenzollernfenster berichtet wurde. Und auch diesesFenster war 1770 in großer Gefahr. Zeugniß für dasrücksichtslose Verfahren in der damaligen Zeit gibt dieauf Vorschlag wegen Erleuchtung der an den sogenanntenneuen Chor anstoßenden Sakristei der neuen evangelischnKirche erfolgte Resolution vom 7. Dezbr. 1770: „DieHaupt Musterung in der Sacristeh Verursachet das mittlerelange gemahlte Fenster im Chor. Und da diesse Mahlereybis oben hinauf, wo ein Burggräfltch Monument stehet,leediglich keine figuren Vorstellet, sondern blos gefärbteScheuben sind, so wäre der Vorschlag, dieses gemahlteFenster bis zum Monumente herauszubrechen und da-gegen mit neuen Taffeln zu Versehen." ^)
Wie schon oben bemerkt wurde, find die alten Nesteso geringe, daß man kaum noch von einem alten Fenstersprechen kann. In den obersten Feldern sehen wir inlanggestreckten Medaillons eine kleine Kreuzigung, links
Zuerst abgebildet von M. Sylvester Schmidt in einemProgramm vom Jahre 1701; hierauf von Hocker im Hecks-bronner Antiguitätenschatz S. 3 und nach letzterem von KlingsohrS. 27. Ferner in „Alterthümer und Kunstdenkmale des Er-lauchten Hauses Hvhenzollern" von Graf R. Stillsried, Heft I.eine farbige Abbildung. Eine Abbildung des Erneuerungs-entwurfes bei Dr. H. Oidtmann, Technik der Glasmalerei.Seite 38.
Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit biszur Neuzeit, von Georg Muck; 3 Bände, Nördlingen 1679.Bd. III, S. 201 u. 266.
*°) Vcrgl. Stillsried a. a. O. bei der Beschreibung der! Münstttkffche^