Ausgabe 
(24.7.1896) 30
 
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die knieende Gestalt des 1297 verstorbenen BurggrafenFriedrich III. von Hohenzollern , rechts die knieende«Figuren seiner Gemahlinnen Elisabeth und Helena. DasFenster entspricht keineswegs den Erwartungen, welcheeinzelne Schilderungen dieserfiguralen Malereien" er-wecken müssen. In den meisten Werken über Glas-malerei wird von den Fenstern zu Heilsbronn ge-sprochen, eine unliebsame Ungenauigkeitfür den wiß-begierigen Leser. Glücklicherweise bieten die übrigenKunsidenkmäler der Klosterkirche dem Besucher reichlichenErsatz für diese Enttäuschung.

Wie wir sehen, hat das Frankenland, abgesehen vonRokhenburg, nur wenige Denkmäler alter Glasmalereiauszuweisen, eine wahre Fundgrube dagegen für daSStudium alter Glasgemälde bietet Nürnberg in feinenvielen Kirchen und Kapellen; wie tn der Glasgemälde-sammlung des Germanischen Museums, so finden wirauch in den Kirchen fast alle Perioden vom 14. Jahr-hundert an vertreten. Hierüber vielleicht ein anderesMall

Mein Abschied von den Ptolemäern.

Ein X-Strahl durch die Wiener Clique.

Von L.

(Schluß.)

In seinem Exposä (Presse" vom 20. März d. I.)will Herr Jlg seinen Fehler gut machen und be-hauptet, daß dieaus Thon modellirten und be-malten Porträt b ästen gleichfalls (wie die Porträts aufden Holztafeln) an den Mumien als getreue Konter-feis der darin Bestatteten angebracht waren.Wir könnendiesen Büsten keinen Geschmack abgewinnen und muthenihnen auch keinen besonderen Kunstwerth bet, aber fürgetreue Konterfeis" der Bestatteten kann sie nichteinmal ein Zimmermaler halten; selbst der selige MeisterFludribus in ScheffelsTrompeter", der für siebenSchilling den Quadratfuß malte, hätte über diege-treuen Konterfeis" gelächelt. So hat Herr Jlg das ge-treue Konterfei dort, wo es thatsächlich zu finden war,übersehen und macht seine epochale Entdeckung am un-rechten Platz und zu unrechter Zeit! Diese böse Ver-wechslung erinnert uns an die lustige Scene in Nestroy'sSchlimme Buben", wo die Taferlschüler auf Anregungeines aus ihrer Mitte die Frage- und Antwortzettel ver-wechseln, die ihnen vom vorsichtigen Schullehrer vor derPrüfung durch den Schulinspektor in die Kappe gelegtwurden.

Wir sind am Schlüsse unseres AbschtedsworteS vonden Ptolemäern und reproduciren hier den Brief, resp.die Duplik Theodor Graf's auf die Behauptungen Jlg's,daDie Presse " der Erwiderung des Entdeckers der Bilderund Büsten nicht Raum gegeben. Es ist nicht edelsinnig,daßDie Presse " nur Verdächtigungen ihrer Mitarbeiteraufnimmt, die Entgegnungen der Angegriffenen jedochabweist. Herr Jlg kann leicht den Achilles spielen, wennihm die Redaction seines Leibblattes den Papierkorbdeckelals Schild vorhält! Herrn Graf's Antwort ist ernst ge-halten, ohne Kalauer, wie wir'S nur von den Aus-lassungen des übermüthigen Feuilletonisten derPresse" ge-wohnt sind, der in einer ernstseinsollenden Kritik mitWorten und Ausdrücken herumwirft, die sich nur in

'") Uebngeiis sei schon hier bemerkt, daß derartige Unge-nauigkeiten sich in vielen Werken über GlaSmälerci recht unan-genehm anhäufen und wiederholen.

einem Referat in derJuxzeitung vom Gschnasabend*schicken.

Indem wir den Brief Herrn Graf's und die AntwortderPresse" wiedergeben, glauben wir, obwohl schonmehr als drei Monate verflossen sind solange wurdeGraf mit Aufnahme seiner Erwiderung hingehalten, derenVeröffentlichung er nach so langer Zeit mit Unrecht fürganz illusorisch hielt, doch nicht mit demSenf nachdem Essen zu kommen", da es sich um eine gerechteSache handelt, die von der Wiener Clique vertuschtwerden wollte!

Herrn Graf's Erwiderung lautet:Erst dieser Tageauf einen in der Abend-Presse vom 20. März erschienenen,mitJlg" unterfertigten Aufsatz über meine Ausstellungantiker Porträts und griechisch-römischer Porträt-Büstenund -Masken aufmerksam gemacht, ersuche ich die löblicheRedaction der Presse um Berichtigung mehrerer darinvorkommender Irrthümer. Es ist nicht richtig, daß dergenannte Verfasser in meinem Ausstellungs-Local amKolowratring Nr. 7 die 100 Porträts, die vor 5 Jahrenim Künstlerhaus ausgestellt waren, jetzigvollzählig"wiedersah, weil seitdem, wie auch aus dem Katalog er-sichtlich, 25 dieser Bilder an öffentliche Sammlungen(an die kgl. Neue Pinakothek in München , die Museenin Dresden, Kopenhagen, Boston und Philadelphia) undan verschiedene Privat - Galerien verkauft und abgeliefertworden sind.

.Bevor er eine so bestimmte Mittheilung machte,hätte er doch wohl die kleine Mühe nicht scheuen sollen,sich über die wahre Zahl der jetzt ausgestellten Bilderzu unterrichten. Wenn der Verfasser des erwähntenAufsatzes die Aussprüche der größten Maler unserer Zeitüber den hohen Kunstwerth dieser unserer antiken Por-träts alsDilettantcngefchwätz" bezeichnet, so trifft erdadurch Männer wie Lenbach, Menzel, Knnus, GabrielMax, Defregger , Kaulbach, O. Piltz, Wauters, Jan Weth,Passini und Meissonier, die einen solchen Vorwurf gewißnicht verdienen. Von einem Knaus wurden sogar ein-zelne dieser enkaustischen Bildnisse, die der Verfasser deserwähnten Artikels als Machwerke vonProvinzhand-werkern" jener Zeit bezeichnet, copirt, und Professorvon Lenbach schreibt darüber an einen Kunstfreund:

Sie wissen, wie enthusiastisch beim ersten Anblickder griechisch-ägyptischen Porträtsammlung, dieser für unsganz neuen Welt, ich bei Bild für Bild gewesen, welcheFreude über die naive Auffassung, über die SchönheitdeS Tones, über die interessante, ganz verloren gegangeneTechnik ich geäußert habe. Ich habe die Sammlung dannhier oftmals und neulich wieder in Berlin gesehen undjedesmal denselben erhebenden Eindruck gehabt. Muß esdoch zu den Wundern der Welt gezählt werden, daß soviele Porträts aus der antiken Zeit, so frisch wie heuteentstanden, gefunden und uns zugänglich gemacht wordensind. Für mich war der Einblick in den Gang einer sogeschmackvollen längst vergangenen Zeit ein großes Er-eigniß und eine Quelle von Anregung. Ich wünschevon Herzen, daß diese merkwürdige Galerie des HerrnGraf Deutschland erhalten bleibt."^)

Was nun die Zweifel anbelangt, die der Verfasser

') Jlg: »Hier (Kolowratring Nr. 7) begegnet uns die ganzeGalerie dieser merkwürdigen MnmienporträtS wieder, bei 100Nummern, über die wir uns hier nicht abermals auslastenkönnen." (Wir wissen warum! X. 8.)

Dieses Urtheil des ersten Porträtistcn Deutschlands , jader Welt. über die hellenistischen Porträts wird Herrn Jlg wohltotal zudecken! X 8.