Ausgabe 
(24.7.1896) 30
 
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des kritischen Artikels über die Echtheit der bemaltenBüsten und Masken durchblicken läßt, so möge er sichdarüber bei dem k. k. Museum für Kunst und Industrie,der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien , demBritish Museum in London , dem Llussnin ol ImeLrts in Boston , dem Museum der Universität vonPennsylvania, die alle aus meiner Collection eine Reihesolcher erwarben, erkundigen, ob sie die ihnen von mirgelieferten polychromirten Büsten und Masken für echtoder unecht halten.

Der Verfasser jenes Artikels sei daran erinnert, daßsich im Museum ägyptischer Alterthümer in Gizeh beiKairo eine recht bedeutende Sammlung solcher bemalierBüsten und Masken aus der gleichen Fundstätte Bcilan-surah befindet, deren Echtheit vor der Aufstellung fest-gestellt wurde.

«Wer die assyrisch-babylonischen Steinsarkophage imLouvre in Paris , welche die Züge der Verstorbenen inPuppenkopfgröße zeigen, kennt, dem wird die Kleinheiteiniger dieser Porträt-Masken gewiß nicht befremdlich er-scheinen und keinen Anlaß zu Zweifeln geben.

Die alten Aegypter und auch die späteren griech-ischen und römischen Bewohner des Nilthales, die denTodten-Cultus der ersteren annahmen, waren zweifellosder Ansicht, daß der Ka, d. i. der Geist oder Geniusdes Verstorbenen seine sorglich aufbewahrte irdische Hülle,mit der sich auch die äußere Erscheinungsform des Ent-schlafenen erhielt, auch dann leicht wiederfände, wennder Kopf nicht die volle Lebensgröße zeigte. Dafürsprechen auch die von mir ausgestellten gemalten Porträts,die vielfach unter Lebensgröße ausgeführt wurden."

Diese durch ihre Ruhe und Sachkenntniß ausge-zeichnete Erwiderung wollte Theodor Graf in diePresse"lancireu; aber der Herausgeber dieses Blattes anwortetedem Rechtsfreunde des Angegriffenen:

Der von Ihnen (Graf) eingesandte Artikel enthaltebis auf einen einzigen Punkt, nämlich, daß die Porträts,die Sie gegenwärtig ausstellen, dieselben seien, welche Sievor fünf Jahren im Künstlerhause exponirt haben, imUebrigen lediglich einen Gegenartikel über die Kritik desHerrn vr. Albert Jlg. Trotzdem sei er bereit, IhrenArtikel unter der Spitzmarke,Eingesendet' zu bringen,wenn Sie denselben derart umarbeiten, daß ihm jedeSpitze gegen den Verfasser des erschienenenArtikels fehlt."

Zuletzt versucht es noch der Herausgeber derPresse",den Nechtsfreund Graf's mit einigen nebensächlichen Fürund Wider zu beschwichtigen.

Uns ist die fascinirend naive Forderung der An-greifer, der Erwiderung Graf's müssejede Spitzegegen den Verfasser" (Jlg) fehlen, genug, um gegendiese Unfehlbarkeits-Erklärung eines Kritikers energisch zuProtestiren! Der Mitarbeiter derPresse" darf lustig mitSteinen werfen, darf aber dafür nur mit Watte be-handelt werden!

Wir überlassen die Kritik einer solchen Kampfesweiseden Lesern; mögen sie ihr vernichtendes Urtheil überdieses beispiellose Stück Wiener Clique-Wesen fällen.

Uns war es darum zu thun, beizutragen, daß derleiWirthschaft durch Veröffentlichung die verdiente Rüge er-halte. Wenn mir Herr Jlg, der als flotter und witz-reicher Fabulist in derWiener Mode" und im Feuilleton

Jlg: Wie nun aber die plastischen Köpfe an den Mumien,noch dazu die ganz kleinen, angebracht waren, ist mir unver-ständlich^ '

anderer Blätter gern gelesen wird, das Privilegium zumKunstkritiker abgesprochen, so möge er sich kein grauesHaar wachsen lassen; man kann ein Fachmann in Be-urtheilung von Etsenblcchrüstungen sein, braucht aberdeßwegen nicht auch über antike Bildwerke urtheilen zukönnen, die auf Sykomorenholz gemalt sind. Huoä bansnoimuäuirr!

Historische Commission bei der k. bayer. Akademieder Wissenschaften.

(Bericht des Sekretariats über die 37. Plenarver»sammlung der historischen Commission.)

(Schluß.)

Die ältere Pfälzische Abtheilung der WittelS-bacher-Correspondenzeu, die am dritten Band der Briefedes Pfalzgrafen Johann Casimir steht, hat von dein Heraus-geber, Professor von Bezold, nicht nach Wunsch gefördertwerden können, da er durch unerwartete Einberufung zurTheilnahme am philologischen Staatsexamen verhindert wurde,die sür die vorigen Herbstferien beabsichtigte größere archi-valische Reise auszuführen. Während der beiden Semesterund der Osterferien mußte er sich darauf beschränken, theilsin München, theils in Erlangen einige Archivalien des allge-meinen Ncichsarchivs und des Staatsarchivs, ferner Aktendes Straßburger Stadtarchivs, Schlobitteuer Archivalien undKhevenhillersche Depeschen aus dem Germanischen Museum zubcnützen.

Die ältere Bayerische Abtheilung der WittclS-bacher-Correspondenzcn, unter Leitung deö ProfessorsLassen, hat die von Druffel'schcn Briefe und Akten zurGeschichte des 16. Jahrhunderts mit besonderer Rücksicht aufBayerns Fürstenhaus in den von dem Urheber geplantenGrenzen zu Ende geführt. Der vierte Band, bearbeitet vonDr. Brandt, wird in den nächsten Tagen ausgegeben werden.Er umfaßt die Jahre 15531555. Die wichtigsten der in ihmenthaltenen Aktenstücke zur Geschichte des Neligionsfriedenssollen in einer zum Gebrauch der historischen Uebungen ge-eigneten Separatausgabe veröffentlicht werden. Auch der Druckder Beiträge zur Geschichte Herzog Albrechts V. und des Lands»berger Bundes, bearbeitet von Dr. Götz, hat begonnen. DaDr. Götz, der unterdeß Privatdocent an der Universität Leipzig geworden ist, im Winter Urlaub nehmen und sich in München ganz der Bearbeitung des Manuskripts für den Druck widmenwird, so ist zu hoffen, daß dieser Band der nächsten Plenar»Versammlung fertig vorgelegt werden kann. Damit werden dieAufgaben dieser Abtheilung der Wittclsbacher-Correjpondcnzenvorläufig erledigt sein.

Die jüngere Bayerische und Pfälzische Abthei-lung der Wittelsbacher -Correspondenzen, die Brief«und Akten zur Geschichte des dreißigjährigen Kriegs, unterLeitung des Professors Stieve, ist in erfreulichem Wachsthum»so des Umfangs ihrer Forschungen wie der Zahl ihrer Mit-arbeiter, begriffen. Leider ist Professor Stieve durch Krank-heit im vergangenen Jahre verhindert worden und wird durcheine andere wissenschaftliche Aufgabe auch im nächsten Jahreverhindert werden, seine langjährigen Arbeiten für die Zeit von16081610 durch die Drucklegung des 7. und 8. Bandes zubeendigen. Anderseits ist es ihm möglich gewesen, für die Zweckeder Abtheilung einen vorbereitenden Besuch der Archive zuZerbst, Weimar und Würzburg auszuführen.

Seine alten Mitarbeiter, Dr. Chrou st und Dr. May r»Deisinger, haben, der erstere zunächst für die Jahre 1611bis 1613, der andere sür die Jahre 1618 bis 1620, weiter ge-arbeitet. Dr. Eh roust hat die protestantische Correspondenzdes hiesigen Staatsarchivs durchgesehen und hierdurch mit denMünchner Akten für die bezeichneten Jahre nahezu abgeschlossen.Daneben beschäftigten ihn die Schlobitteuer Papiere, deren Ueber-senbung wir dem überaus gütigen Entgegenkommen des GrafenRichard zu Dohna-Schlobitten auch während des ver-flossenen Jahres zu danken hatten, unter welchen zwei vonAbraham von Dohna geschriebenen Bänden Brandenburger Ge-heimrathSprotokolle für 16111618 eine hervorragende Be-deutung zukommt; ferner Anhaltische Akten, deren Ucbcrsendungaus dem Zerbster Archiv die herzogliche Regierung gestattet hat.Außerdem beendigte er in sechSwöchentlichcm Aufenthalt zuWien seine dortigen Arbeiten im Ministerium des Innern undim Staatsarchiv. Das Ergebniß seiner jetzt abgeschlossenenWiener Reisen ist die erschöpfende Aufhellung der kaiserlichen