Ausgabe 
(24.7.1896) 30
 
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und der Kurmainzcr Neichspoliiik in jenen Jahren.' Untermanchen überraschenden Aufschlüssen mag die Enthüllung dereigentlichen Ziele des Passaucr Kriegsvolks erwähnt werden-vr. Chroust wird nun den Rest der Anhaltischen Papiere,dann die Dresdner und Jnnsbrucker Akten vornehmen. Schließ-lich darf hier darauf hingewiesen werden, daß vr. Chroustin diesem Jahr ein umfangreiches satirisches Gedicht des GrafenAbraham von Dohna über den Reichstag von 1613 ver-öffentlicht hat.

vr. Mayr-Deisinger fuhr fort, die Dresdner Akten,insbesondere die Lebzelter'schcn Berichte, zu bearbeiten, und hofftdamit gegen Ende des Jahrs fertig zu werden. Daneben werdendie Anhaltischen Akten zu durchforschen sein. Ein Wiener Auf-enthalt von acht Wochen ergab überraschend reiche Ausbeute.Im Staatsarchiv fanden sich in der Sammlung Bohemica,die ein früherer Forscher nur oberflächlich benutzt hatte, unterandern höchst wcrthvollen Briefen auch Theile der nach derSchlacht am Weißen Berg erbeutetenHeidelberger Akten" mitder Corrcspondcnz Friedrichs V. und seiner Staatsmänner undGenerale. Ferner bot das Hoskammerarchiv, welches ein andererVerstorbener Forscher auch nur höchst flüchtig benutzt hatte, insechs mächtigen Fascikeln einen tiefen Einblick in die traurigeFinanzlage des Kaisers. In der Hosbibliothek fanden sich hand-schriftliche Denkwürdigkeiten, die wahrscheinlich von Martinizherrühren. Ferner erhielt vr. Mahr durch die Vermittlungdes Professors Mencik aus dem Archiv der Grasen Harrachzwei Bände eigenhändiger Aufzeichnungen des Grafen 'Karlvon Harrach über die Geheimrathssitzungen am Wiener Hof,mit Briefen Bucquoys und anderer Feldherren u. a. m. Einenochmalige Reise vr. Mahrs nach Wien wird erforder-lich sein.

Zwei andere junge Gelehrte, vr. Altmann und vr.Hopfen, sind als Mitarbeiter des Professors Stieve ein-getreten, ohne Besoldung und in einem freieren Verhältniß, inder Art, daß sie verwandte Ziele unabhängig verfolgen undfür die Förderung, welche ihnen der Anschluß an die Com-mission im In- und Ausland gewährt, sich verpflichten, ihreAuszüge und Abschriften der Commission zu überweisen, vr.Altinann hat zum Gegenstand seiner Studien die auswärtigePolitik BahernS in den Jahren 1627 1630 gewählt. Nach-dem er schon früher in derselben Richtung thätig gewesen war,hat er im letzten Jahr in Dresden, Prag, Wien, Innsbruck gearbeitet, und wird nun fortfahren, hier die Münchner unddie aus deutschen Archiven hierher geschickten Akten zu durch-forschen. vr. Hopfen bat sich die Aufgabe gestellt, die deutschePolitik Spaniens in den Jahren 16211634 zu ergründen, undist zu diesem Zweck im letzten Jahr in SimancaS und Madrid ,dann in Paris, weiter in London , Brüssel und im Haag ge-wesen. Ihm ist gelungen, die in SimancaS, Madrid , Brüsselund London zerstreuten wöchentlichen Berichte der spanischen Botschafter am kaiserliche» Hof aus den Jahren 16211634fast vollzählig zu sammeln. Ferner fand er die meisten In-struktionen für die bezeichneten Botschafter. Außerdem konnteer die Berichte an den König über die Verhandlungen desStaatsraths und die Korrespondenzen der spanischen Regierungmit dem Brüsseler Hof und den italienischen Statthaltern aus-beuten. Ueber die gleichzeitigen Verhandlungen mit England in der Piälzer Frage und über das Verhältniß zu Frankreich gaben ihm die Berichte der französischen und der englischen Ge-sandten am spanischen Hof Ausschluß. Den glücklichen Erfolg,den er namentlich in Spanien selbst hatte, verdankt er derhilfreichen Unterstützung des Minister-Präsidenten Cänovasdel Castillo und zahlreicher anderer spanischer und deutscherGönner.

Recensionen nnd Notizen.

Psychologie und Philosophie. Ein Wort zur Verstän-digung von vr. C. Güttler, Privatdocent. München .Verlag von Piloty und Loehle.

" Bekanntlich findet Heuer in München ein PsychologischerCongreß statt, für welchen ein überaus großes Arbeitsprogrammfestgestellt und durch zahlreiche publicistische Avis die öffentlicheAufmerksamkeit beansprucht wurde. Die oben erwähnte Broschürevr. Güttlcrs ist an sich und angesichts jenes Congrcsses sehrdankenSwerth. Die Psychologie im Sinne der modernen Psycho-logen hat die alten Bahnen verlassen; sie ist eine Wissenschaftgeworden, in welcher schon das Experiment Trumpf ist; sieist wesentlich physiologische Psychologie und Psycho-Physik undkommt ohne Laboratorium und Apparate nicht vorwärts".Die Vorstellung der älteren Psychologie von einersubstantia.oogitans per ss oxistous'; ist für diese modernePsychologie"

nicht vorhanden; für die Gewinnung einer Weltauffassung istsie selbstverständlich ohne Werth, und wo ihre Adepten an diesesZiel überhaupt noch herantreten, wandeln sie die ausgefahrencnGeleise des Materialismus. Der Autor unserer Broschüre, wel-cher das höbe Interesse anerkennt, das der modernenPsychologie"zukommt, gliedert seine Darlegung nach drei Gesichtspunkten:1. welche Aufgaben stellt sich die heutige Psychologie, und wiesucht sie dieselben zu lösen; 2. welche wissenschaftliche Definitionkommt der Psychologie zu; 3. welches ist ihr Verhältniß zurPhilosophie, und welchen Platz nimmt sie als Lehrfach ein?Seine Erörterung dieser Punkte ist fesselnd und anregend undscheint uns sehr geeignet, für einereinliche Scheidung" derDisciplinen Grund zu legen und der philosophischen Psychologiegegenüber der im Laboratorium arbeitenden die rsets alsein Zweig der Naturwissenschaften zu betrachten wäre die ihrgebührende Stellung zu sichern. Möge die Arbeit vr. GüttlcrsBeachtung bei den Sachverständigen finden, aber auch vonJenen gelesen werden, welche von derUmwerthung" derrationalen Psychologie zur physiologischen und Psycho-Physiknoch wenig Kenntniß haben!

Edmund Behringer, Ein Erbenwallen. Aschaffenburg Verlag der C. Krebs'schen Buchhandlung (E. Kriegenherdt)Preis 3.60 M.

v Der Name Behringer ist neben dem Verfasser von Drei-zehnlinden in der von christlichem Geiste getragenen poetischenLiteratur unserer Zeit schon längst rühmlichst bekannt. An diefrüher veröffentlichten Gaben seiner Muse,Das Felsenkreuz",Die Apostel des Herrn",Der Königin des hl. Rosenkranzes",DaS Vaterunser", reiht sich in würdiger Weise das oben an-geführte Werk an und wird, mit dem wohlgelungcnen Bilde desVerfassers ausgestattet, ganz besonders -den zahlreichen Freundenund Bekannten des gotrbcgnadcten, großen Sängers hochwill-kommen sein. In diesemErdenwallcn" wird dem Leser ineinem reizenden Cyklus von Bildern und Szenen das ganze,reiche Dichtcrlebcn Behrinzers vorgeführt, der herrliche Maien-morgen seiner Kindheit, seine sonnigen, sangesfrohcn JünglingS-und Studienjabrc, nnd so geht es fort bis zum Höhepunkte undzur poetischen Vollkraft und Reife seiner dichterischen Entwick-lung. So singt er bald mit lyrischer Innigkeit, bald mit epischerFülle von allem Hohen und Edlen, was Menschenbrnst bewegt,von Freiheit und Mannesmuih, von Gottesminne und Nächsten-liebe, von Heimath und Vaterland. Sein liederlichesErden-wallcn" ist fortgeführt bis zur Gegenwart, wo wir ihn zusehenmeinen, wie er durch die Wälder und Höhen des Spessartswandert und dort in den Hütten der Armuth Trost und Segenverbreitet. Denn wie sein ganzes Leben, so sind auch diese Ge-sänge nicht bloß von dem Hauche gotiinnigster Frömmigkeitdurchweht, sondern auch von jener herzlichen, opferwilligen An-theilnahmc mit allem fremden Weh nnd Leid, die nichts fürsich sucht, sondern in allem Thun und Streben nur das Wohlder Mitmenschen im Ange hat. Ist doch der volle Ertrag allerDichtungen BehringerS der Förderung und Erziehung der armenSpessartwaisen gewidmet, ein Umstand, der gewiß jede weitereEmpfehlung überflüssig macht.

Der Marienbote. Jllnstrirte Monatsschrift für Marien-kiuder und Töchter katholischer Familien. Verlag vonCarl Aug. Seyfricd u. Comp., München ,bl. Die Feinde des Christenthums haben eine reiche Li-teratur in's Leben gerufen, welche die weibliche Jugend dempositiven Glauben entfremden und von der althergebrachtenfrommen, tugendlichen Sitte emancipiren soll. Wir haben demeine verhältnißmäßig spärliche katholische Mädchenliteraturgegenüberzustellen und gar Weniges, was sich mit dem blühendenStile, den interessanten Zusammenstellungen und den sonstigenformellen Vorzügen gegnerischer Erzeugnisse messen könnte.Deßwegen ist cS ungemein dankenSwerth, daß es eine hervor-ragende Kraft unternommen, der katholischen MädchenweltMonatblätter zu widmen, welche an Gediegenheit des Inhaltsund streng kirchlicher Tendenz auf unantastbarer Höhe stehenund zugleich durch formvollendete Sprache und wohlbercchneteAbwechslung zwischen Unterhaltung und Belehrung den An-sprüchen einer feinen wie praktischen Mädchen-Erziehung ingleich ersprießlicher Weise entgegenkommen. Eben dieser Doppel-vorzug, der Pflege des Idealen und Praktischen, tiefer Fröm-migkeit und werkthätiger Nächstenliebe das Emporziehen desweiblichen Gemüthes zum Himmel und das sinnige Herabsteigenin die Gebiete alltäglicher Pflichterfüllung dieser Geist derMaria und Martha, welcher die stattliche Reihe der uns nunvorliegenden Blätter durchzieht, ist es, der uns dieselben ganzbefondcrs rjchmenswerth macht. Der Marjenbote wird daS