Ausgabe 
(31.7.1896) 31
 
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das Grab Und die Reliquien der hl. Cäcilia nebender Papstkrhpta in den Katakomben des hl. Callistusentdeckt.*)

DerNomamZiims" in den Vereinigten Staaten .

Von Charles Saint-Paul.

Das Gedeihen der katholischen Kirche in den Ver-einigten Staaten von Nordamerika veranlaßt die ver-schiedenen Gegner deS Papstthums daselbst zu fortgesetztenAngriffen, die nur ihre Ignoranz und Böswilligkeit be-weisen. Vor einiger Zeit hat sich eine Vereinigung ge-bildet, die ausschließlich den Zweck verfolgt, dendrohen-den Nomanismus" in Amerika zu bekämpfen. Es istdies die sogenannte kroteotüvs Lssooikrtion",

wie schon der Name sagt, ein Schutz- und Trutzbündnißgegen das Papstthum. Dieselbe geht in ihren Publi-kationen mit wüthenden Angriffen gegen die katholischeKirche vor. Mit welchen Waffen sie kämpft, wird be-sonders aus einer Publikation ihres Präsidenten, I. H.Traynor, betitelt Nsnave ok Ilornuvism" ersicht-lich, die auch in der Xortd-^rnarioan ksvisv, der be-kannten amerikanischen Monatsschrift (August 1895), er-schien. Seinen längeren Ausführungen seien im Fol-genden einige Hauptpunkte zur Charakteristik dieser Be-strebungen entnommen. Der Autor geht von der That-sache aus, daß in den letzten Jahren wiederholt voneinem liberalen Katholizismus in den Vereinigten Staaten gesprochen wurde, und sucht zu erweisen, daß derselbenicht cxistiren könne. Der Unterschied, den dieliberalenKatholiken" angeblich selbst zwischen sich und denUltra-montanen " ziehen, soll darin bestehen, daß sie sich damitbegnügen wollen, dem herrschenden Papst Obedienz zuleisten, wenn er von Zeit zu Zeit Vorschriften für dieKirche erläßt, während derMramontane" die Prin-cipien derPaparchie" überhaupt anerkenne, sowohl mitBezug auf die weltliche wie geistige Suprematie desPapstes.

Eigentlich könnten aber diese liberalen Katholikensich in keiner Weise von den Ultramontanen unterscheiden,wenn sie nicht aus der päpstlichen Kirche ausgeschlossenwerden wollten, da ja alle Gläubigen der letzteren ihreCanones und die Aussprüche der Päpste, die, sx oa-tdeära erlassen, auf dogmatischem oder moralischem Ge-biete Geltung haben, annehmen muffen. Uebrigens lassesich auch aus den Aussprüchen angeblich liberaler ameri-kanischer Kirchenfürsten folgern, daß trotz aller diplomat-ischen Klugheit das Papstthum dieselben Ziele in Amerika verfolge, wie in Europa , dieselbe Gefahr für die staat-liche Freiheit und das staatliche Gedeihen daselbst bilde.Zum Beweise seiner Behauptungen muß dem Autor derErzbischof von Saint-Paul, John Jreland, dienen, deralsder liberalste und loyalste aller Katholiken in denVereinigten Staaten " hingestellt wird?)

*) Interessant ist, daß unser Zeitgenosse Dr. HeinrichSchliemann , der Entdecker Troja's. es sich nicht nehmenließ, das Grab Agamenmons in Mykenä auf Grund eineshöchst merkwürdigen Traumes gefunden zu haben.

, ') Die Ausführungen des Präsidenten der amerikanischen kroteotive Lssooiation über den liberalen Katholizismus stehenübrigens, wie hier noch bemerkt sein möge, in Widerspruch mithen Anschauungen andererAntiromanisten", die so gerne voneinem kommenden Schisma zwischen liberalen und ultramontanenKatholiken in Amerika sprechen. Besonders dürfte Zola in dieser.Hinsicht in Betracht kommen, der in einem vom Figaro dubli-erten Artikel »I/Oxxortrwismö äo I,ßon XIII« unter andern»klM Anschauung Ausdruck gibt, daß in nicht allzuserner Zeit

Derselbe habe in einer Rede, die er in Boston am28. April 1895 hielt, behauptet:Nächst Gott kommtdas Vaterland, der Patriotismus nächst der Religion.Es wird gesagt: Vox poxuli, vox Der. Diese Wortesind wahr, wenn die Nation oder der Staat in demKreise der Machtvollkommenheit sich bewegt, die ihnenvon dem höchsten Meister übertragen ist."Da aber",so folgert Traynor,die päpstliche Hierarchie den An-spruch erhebt, der einzige Interpret der Aeußerungen deshöchsten Meisters zu sein, so folgt daraus nothwendig,daß der Papst der legitime Definitor der Grenzen desStaatsgebietes ist." Jreland habe übrigens mit seinenWorten eigentlich nur früher aufgestellte Sätze, wie sieaus der BulleIInum Lnnotam" und dem Shllabusgeschlossen werden können, in milderer Form wiederholt.

Diese Folgerungen des fanatischen Antiromanistenaus dem zutreffenden Hinweise eines Kirchenfürsten aufdie nothwendige Hebung des religiösen Bewußtseins imVolke im allgemeinen werden übrigens an Absurditätdurch einige seiner folgenden Behauptungen noch über-troffen.

Die Gründe der Zurückhaltung deSliberalen Ka-tholiken", der nicht anerkennen will, was der Papst nuraus diplomatischer Klugheit für Amerika noch nicht be-stimmt hat oder waS hervorragende Prälaten nur in vor-sichtiger Sprache ausgedrückt haben, werden, wie derAutor erklärt, bei einem Vergleiche der amerikanischen Constitution mit dem kanonischen Recht und den Ency-lliken der päpstlichen Herrscher ersichtlich. Diese seienunversöhnlich, wenn man nicht die Vereinigten Staatenals Provinz der päpstlichen Kirche betrachten wolle, eineStellung, die ihnen eigentlich bereits vom Papstthum zu-gewiesen sei. Auf die hierarchische Obergewalt sei auchin dem apostolischen Schreiben hingedeutet, das am6. Januar 1895 von Leo XIII . an die Bischöfe undErzbischöfe von Nordamerika gesandt wurde und in demgesagt werde:

Genau zu der Epoche, da die amerikanischen Colo-nien, nachdem sie mit katholischer Hilfe Freiheit und Un-abhängigkeit erlangt, zu einer konstitutionellen Republik reiften, wurde die kirchliche Hierarchie glücklich unterEuch errichtet, und zu derselben Zeit, da die Volksstimmeden großen Washington an die Spitze der Republik stellte, wurde der erste Bischof durch apostolische Autoritätüber die amerikanische Kirche gesetzt."

Es gehört in der That die fanatische Blindheit undBöswilligkeit eines wüthenden Papstfeindes dazu, um indiesen Worten ein Argument für päpstliches Streben nachOberherrschaft in weltlicher und geistlicher Hinsicht in denVereinigten Staaten zu finden.

Das erwähnte Sendschreiben wird übrigens vonunserm Autor zu seiner Beweisführung noch weiter be-nützt. So meint er z. B., daß indirekt in demselbenganz ähnliche Principien zum Ausdrucke gebracht würden,wie in einigen Bullen Gregors XVI . und PiuS' IX.Wenn diese Päpste die Preßfreiheit anathewatisirten, sothue der gegenwärtige Papst das gleiche, wenn er die Jour-nalisten ermähne, die Religion zum Führer zu nehmenund niemals die Handlungen und Beschlüsse der Bischöfeabfällig zu kritistren, da den Bischöfen in ihrer hohenautoritativen Stellung gehorcht werden müsse. Diesem

in Amerika ein Schisma, wahrscheinlich mit Msgr. Jreland ander Spitze, eintreten werbe, daß Leo XIII . dieses befürchte (I)und deßhalb mit seinen Zugeständnissen für die amerikanischen Bischöfe und Gläubigen sich so willfährig erweise. (!)