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Schlüsse aus eine« Mahnung für katholische Journalistenstehen ebenbürtig die Erörterungen zur Seite, zu denener andere Stellen desselben Rundschreibens benützt.Leo XIII . sagt in demselben unter anderm: „Deßhalbwünschen wir sehnlich, daß die Wahrheit sich immer mehrund tiefer dem Geiste der Katholiken einpräge, daß sienicht besser ihre eigenen individuellen Interessen und dasAllgemeinwohl sichern können, als indem sie der Kirchesich von Herzen unterwerfen und gehorchen.- Bezüglichder Unterwerfung unter den Staat bemerkt er: „Inähnlicher Weise sollen auch die Priester fortwährend dasVolk auf die Beschlüsse des dritten Concils von Baltimore aufmerksam machen, speciell auf die, welche die Observanzder gerechten Gesetze und Institutionen der Republik ein-schärfen." Traynor findet in der ersten Stelle nur einenBeweis für die indirekten Bemühungen zur Ausdehnungder päpstlichen Herrschaft, und bemerkt zu der zweitenMahnung, daß in derselben der Nachdruck auf der Bei-fügung „gerecht" liege, insofern der Papst eS sich vor-behalten habe, zu entscheiden, welche Gesetze und Insti-tutionen gerecht seien, und die Katholiken nur zur Befolgungderjenigen anhalte, die er als solche erklärt habe. Esist wohl kaum nöthig, darauf hinzuweisen, wie aus diesenWorten nur die wohlmeinende Absicht des Papstes, dieAnerkennung der bestehenden Verhältnisse unter Wahrungder Nothwendigen Rücksicht auf eventuelle Besserungherrschender Mißstände in moralischer Beziehung erhellt,und wie nur Gehässigkeit dieselben derart deuten kann,wie Traynor es thut.
„Wenn Leo XIII . und seine Stellvertreter in denVereinigten Staaten , so äußert sich dieser weiterhin, die-selben Ziele in der Gegenwart anstreben, wie die frühere»Päpste, so hüllen sie sich klug in den Mantel der ameri-kanischen Freiheit und mildern ihre Sprache mit dem Oelder Diplomatie. Wenn PiuS IX. oder Gregor XVI. ihre Kundgebungen an das amerikanische Volk heutzu-tage richten würden, so gäben sie nur dem SatirikerStoff; aber Leo XIII . macht substantiell dieselben Be-hauptungen, nur in feinerer, milderer Sprache, und diesewerden dann stillschweigend oder mit offener Billigungvon einem großen Theile der Presse und des Volkes derVereinigten Staaten angenommen." ES ist dies wohlnur ein Beweis dafür, daß vorurtheilslose Kreise dieweisen Kundgebungen des gegenwärtigen Papstes immernoch zu würdigen wissen.
Besondere Aufmerksamkeit widmet Traynor noch denBestrebungen des Papstes in der Arbeiterfrage. Er ver-sucht, so meint er, deren Organisation unter die Herr-schaft der Kirche zu bringen, um die Macht in der kom-merziellen und Arbeiterwelt sich zu sichern, wie er über-haupt in alle Sphären deS bürgerlichen Lebens ein-greifen und auf die politische Gestaltung einwirken wolle.Wie die Hierarchie darauf hinarbeitet, das bewiesenAeußerungen von Bischöfen und Priestern bei den ameri-kanischen Wahlen. Der Präsident der kro-
teotivs L88ooiatioll" hat diesbezüglich ein genauesSündenregister zusammengestellt. So wurden, wie erbehauptet, die Wahlen in New-Bork und in anderngroßen Städten von der Priesterschaft beeinflußt, dieunter die Hauptfaktoren der amerikanischen Politik ge-rechnet werden will. Bei den Munictpalwahlen in New«Bork im Herbst 1895 haben die Priester der ErzdiöceseNew-Aork die Pfarrkinder von der Kanzel informirt, wiesie zu wählen hätten. Der Bischof von Stoux-Falls undein großer Theil Wer Priester huben öffentlich die
Pfarrkinder zur Wahl beeinflußt. Der Erzbischof Jxekandhat Ende Mai 1895 „in nicht mißzuverstehenden Wortenüber die Silberfrage gesprochen". Wer die Zustände betamerikanischen Wahlen kennt, der wird über diese Sünden-aufstellung nur lächeln können, und der Einsichtsvolle wageinen wachsenden Einfluß der religiösen Elemente auf die-selben herbeiwünschen.
„Die zahlreichen speciellen Privilegien von Seite derStaatsregierung", deren sich gegenwärtig die katholischeKirche , z. B. mit Bezug auf die Heidenmissionen, erfreutund «die keine andere Religionsgesellschaft in den Ver-einigten Staaten in diesem Maße genießt", si^d demwüthenden Antiromanisten ein Dorn im Auge; sie sindnach seiner Ansicht ein Beweis dafür, welche Vortheile„die lokale und nationale politische Organisation" demPapstthum in Amerika bereits gebracht hat. Er bemerkthiezu noch am Schlüsse seiner Ausführungen: „Was alsodie offene Herrschsucht und Arroganz Gregors XVI . undPiuS' IX. in den Vereinigten Staaten nicht durchsetzenkonnte, hat die höhere Diplomatie Leo's XIII. und seineramerikanischen Prälaten theilweise gesichert, das Prä-dominiren der päpstlichen Kirche als Sekte, ihre Macht-stellung als politische Körperschaft. Wenn dieselbe in derSchulangelegenheit die Oberhand bekäme, so wäre diePerverfion der amerikanischen Constitution, bis sie denpäpstlichen Dogmen confokm wäre, nur eine Frage derZeit, und von der Republik , wie sie von den Unter-zeichnern der Unabhängigkeitserklärung geschaffen wurde,würde nur mehr die historische Erinnerung fortleben.Die Paparchie sucht in der neuen Welt die Macht zuerneuern, welche ihr in der alten geraubt wurde. Währendsie in Europa Könige und Concilien als ihre Werkzeugegebrauchte, adaptirt sie sich amerikanischen Verhältnissenund mischt sich in alle Elemente des öffentlichen Lebensein, die zu ihrer Macht beitragen."
In den Vereinigten Staaten ist bekanntlich allenReltgionsgcsellschaften vollkommene Freiheit der Ent-faltung ihres Einflusses nach ihrem inneren Werthe ge-geben worden. Nur war in dem Lande der Sekten, ehe„die zahlreichen Privilegien" für die katholische Kirche existirten, ehe die Wirksamkeit der Katholiken die In-toleranz der Gegner mehr zum Schweigen brachte, dem„AntiromaniSmus" durch die bestehenden Verhältnisseschon ein Vorzug vor dem Papstthums verliehen. — Die„prädominirende Stellung" der Kirche hängt daher ebenmit ihrem inneren Werthe zusammen; der vorurtheils freieKenner der amerikanischen Verhältnisse wird nicht be-haupten können, daß das Oel der Diplomatie das kirch-liche Wachsthum gefördert hat. Allerdings konnte demtoleranten und weisen Verhalten deS gegenwärtigenPapstes, der seiner Achtung der bestehenden Verhältnissein der amerikanischen Republik und seinen Anschauungenüber dieselben vom christlichen Standpunkte wiederholtAusdruck verliehen hat, sympathische Anerkennung auchin «katholischen Kreisen nicht versagt werden.
Was die „Perverston" der amerikanischen Gesetzeanbelangt, so würde wohl dem Wunsche nicht nur derKatholiken, sondern auch vieler Akatholtken entsprochen,wenn den vielen Mängeln und ungesunden Verhältnissen,die dem amerikanischen Leben bei dem herrschenden Ma-terialismus noch anhaften, durch den ethischen Einflußder Kirche immer mehr entgegengewirkt werden könnte,den sie auch ausüben kann, ohne die Vereinigten Staatenals ihre »Provinz" nach der beliebten Auffassung zu be»trgMy; Nachdem aber bMts in der Gegenwart die