Ausgabe 
(31.7.1896) 31
 
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katholische Kirche i» der neuen Welt wunderbar rasch sichentfaltet hat, dürste zu hoffen sein, daß die einigenliberalen" und ultramontauen Katholiken ihren An-schauungen in der Zukunft noch trotz aller kroieotiveLs8oois.tions den Sieg verschaffen werden.

Dr. Ratzinger'sVolkswirthschaft in ihrensittlichen Grundlagen".

sH In der Beilage derAugSb. Postztg." ist die zweiteAuflage dieses Werkes des Abg. Dr. Ratzinger schon anerkennendbesprochen worven. Heute soll constatirt werden, daß das Werkeine außerordentlich günstige Aufnahme gefunden hat. Wirheben aus den Recensionen einige heraus.

Dr. Schaffte, der bekannte Sociologe, spricht sich in derTübinger Zeitschrift für die gesammte StaatSwisscnschaft"(2. Heft 1896) also auS:Auch diese neue Auflage des BucheS,welches theoretisch tief fundirt ist, ins volle Menschenleben dergegenwärtigen Gesellschaft rückhaltlos hinemzreist und in jederZeile Charakter und Uebcrlegung atbmet, wird nicht verfehlen,in der katholischen Welt eine große Wirkung auszuüben. Esist auch sür Protestanten in hohem Grade lesenSwerth; wirstellen dasselbe als nationalökonomische und alö politische,namentlich social- und kirchenpolilische Leistung über daS WerkPörinS, des bekannten kathol. Nationalökonomen der UniversitätLöwen . Bibliographisch ist auf den Anhang besonders aufmerksamzu machen."

?. Heinrich Pesch äußert sich im Mainzer Katholik"(Märzheft 1896) wie folgt:Ratzinger's Werk besonders zuempfehlen, ist eigentlich kaum mehr nöthig. Der Name desVerfassers hat in der wissenschaftlichen Welt einen so gutenKlang, daß man im vorhinein überzeugt sein dürfte, auch diesezweite Auflage derVolkswirthschaft" werde allen gerechten Er-wartungen vollauf entsprechen. Es ist kein systematisches Lehr-buch der Nationalökonomie, das Ratzinger uns bietet. Vielmehrbandelt es sich um eine Reihe trefflich durchgeführter Essaysüber die wichtigsten Seiten und Fragen dcS volkSwirthschaft-lichen Lebens: über Wirthschaft und Sittlichkeit, Armuth undReichthum, Eigenthum und Communisiuus, Arbeit und Kapital,Wucher und Zins, socialpolitische Theorie und Praxis, Cultur und Civilisation. Die Darstellung ist stets interessant, zuweilenklassisch schön. Eine echt religiöse Auffassung, innige Liebe zuJesus Christus und der hl. katholischen Kirche, verbunden mitwissenschaftlicher Tiefe und ausgebreiteter Kennt-niß der einschlägigen Literatur, zeichnen den Verfasseraus und verleihen seinem Werke in hohem Maße die Fähigkeit,Verstand und Herz dcS Lesers in gleicher Weise zu befriedigen.Ganz besonders eignet sich das Buch auch sür diejenigen, welchein öffentlichen Vortrügen volkswirthschaftliche und socialpolitischeStoffe zu behandeln haken. Wir finden hier eine durch-gängig zuverlässige Entwicklung der principiellenWahrheiten, herrliche Citate, insbesondere aus den Kirchcn-vätern, eine reiche Auswahl von Details aus dem praktischenLeben, packende Ideen und Schlagwörter, alles in schönerund anziehender Form." Nachdem ?. Heinrich Pesch einigewenige abweichende Meinungen in Dctailfragcn begründet hatte,schließt er:Auf weitere Ausstellungen verzichtenwir um so lieber, als die zahlreichen großen Vor-züge des Werkes für die wenigen Mangel reichlich ent-schädigen."

Die »Sociologie catkoliqus« (Montpellier , Nr. 50,Aprilheft 1896) widmet dem Werke Ratzinzers eine ganz eingebendeBesprechung von 8 Seiten, von denen die beiden letzten alleindein Kapitel der Wuchcrfrage gewidmet sind, das Dr. Ratzingereingehend behandelt, wobei der Recensent der Freiheit des Zins-fußes im Gegensatz zu vr. Ratzinger bekämpft. Die Recension faßtihre Auffassung allgemein dahin zusammen, daß vr. Ratzingersich in allen Gebieten der politischen Oekonomic auSkennt, dieer behandelt, möge er nun sich auf die hl. Schrift und dieKirchenvätcr oder. Kanzclrcdncr und kirchliche Schriftsteller derGegenwart beziehen, oder auf die Schriften der Ockonomistcnaller Schulen in Frankreich, England und Deutschland . SeineAusführungen seien klar. genau und logisch. Man empfindeein Gefühl des Glückes bei der Lectüre eines so echt christlichenWerkes.

DieOesterreich . Zeitschrift für Verwaltung"(Wien , Nr. 23 vom 4. Juni) bringt ebenfalls eine ausführlicheRecension, welche auf den ganzen Stoff des Buches eingeht undLlMondey das Kapitel der Agrarfrage näher behandelt. Das

allgemeine Urtheil der Zeitschrift lautet:Der Verfasser, denenUebcrlcgenheit und Sicherheit in der Darstellung A. Schaffteanläßlich der Besprechung der vor anderthalb Jahrzehnten er-schienenen ersten Auflage des Werkes seinem umfassenden wirth-schaftSgcschichtlichcn Gesichtskreise zuschreibt, bietet uns in dervorliegenden zweiten Auflage wieder jene Fülle von Ideen, jenefesselnde, von einer Beherrschung der gesammten staatSwissen-schaftlichen Literatur zeugende Schilderung der wirthschaftlichen,socialen und sittlichen Zustände, jene treffende und schneidigeKritik herrschender nationalökonomiscbcr Lehrmeinungen, welchewir schon beim ersten Erscheinen des BucheS bewundert haben.Man braucht Ratzinger's Schlußfolgerungen nicht immer fürzwingend zu halten, man braucht aber auch insbesondere nichtdurchaus auf dem Boden seiner Weltanschauung zu stehen;dennoch wird dieses hervorragende Buch keiner aus der Hand .legen, ohne durch seine anregende Schilderung und durch seineehrliche UebcrzcuguugStrcue erquickt, durch seinen großen Ge-dankengang und seinen Matcrialienschatz wesentlich belehrt wordenzu sein."

Recensionen und Notizen.

Apologie des Christenthums von Albert MariaWeiß, 0. kr. 3. Auflage. 4. Band. Freiburg 1898,Herder.

Wie die 2. Auflage vorliegenden Bandes, so erscheintauch die 3. Auflage in zwei Theilen, aber bedeutend (um140 Seiten) vermehrt. Darum stieg auch selbstverständlich derPreis; derselbe ist 1 Mark höber als in 2. Auflage und be-trägt M. 8. ; gebunden in Halbsranz M. 11.20. Allerortsim ganzen Bande zeigt sich die bessernde Hand; so hat z. B. dieUebersichtlichkeit nicht wenig durch häufigere Absätze (Alineas)gewonnen; besonders aber finden wir die erste Abtheilung:DaS öffentliche Leben unter dem Einflüsse der modernenIdeen", Vortheilhaft umgeändert. Ganz neu ist der Anhang:2 Verträge auf dem socialen KurS in Wien am 3. August 1894:I. Individuum und Gesellschaft; II. Wesen und Zweck desmenschlichen Gesellschastölcbens; in denselben werden die allge-meinen Begriffe der Gcscllfchaftslchre in 24 Thesen behandelt.Um die Lehre von der Gesellschaft zu fassen, müssen wir unSeben zwei Dinge klar machen: .1) Was versteht man unter demBegriffe Gesellschaft? 2) Wie haben wir uns daS Verhältniß desEinzelnen zur Gesellschaft zu denken ? AuS praktischen Gründen zumleichteren Verständnisse beantwortet der Verf.isser zuerst die zweiteFrage. DaS neue Vorwort ist geschrieben auf Neujahr 1896 undist beim überaus ernsten Zeitcharaktcr auch sehr ernst gehalten.Mit vollem Rechte weist der Verfasser auf das erhabene, wahr-haft katholische, das ist allumfassende Beispiel des PapsteSLeo XIII. , der allen ohne Ausnahme als einzige Richtschnurdas ewige, unveränderliche Gesetz Gottes vorhält. Nach diesemmüssen und wollen auch wir als treue Kinder der Kirche inunserer ernsten Lage handeln. DaS Vorwort schließt mit dentief bcherzigenöwerlhcn Worten:Darauf kommt alles an, daßdas Gesetz Gottes richtig verstanden und mit Selbstverleugnungerfüllt werde. Möge Gott allen, die in dieser schweren Stundedurch Wort oder That auf die Welt wirken müssen, möge erallen die Gnade geben, nichts suchend, nichts fürchtend, mitMuth und Geduld, kein Opfer verweigernd, auch nicht daSihrer selbst, die göttliche Wahrheit hochzuhalten nach dem Bei-spiele dessen, der, seiner vergessend, verfolgt und verleumdet,daS Kreuz bestieg und damit sein Wort besiegelte: Mich dauertdas arme Volk." Der IV. Band ist unter dem TitelL-ocialeFrage und sociale Ordnung oder Handbuch der Gesellschafts-"lehre" zum gleichen Preise auch separat erschienen.

EbnerAd., Quellen und Forschungen zurGeschichteund Kunstgeschichte des Uissale Lomanumim Mittelalter. 8°, XII -j- 488 SS- Freiburgi. Br., Herder, 1896. M. 10,00; geb. M. 12.00.

S Adalbert Ebner , Domvikar und Professor am crzbischöf«lichen Lyceum in Eicbflätt, gehört zu unseren besten jüngerenTheologen der historisch-kritischen Richtung. Vorliegender Bandenthält hochinteressante und werthvolle Forschungsergebnisse,die der Verfasser als »sxolia itiueris italici- in die Heimachgebracht hat und welche seiner scharfen Beobachtungsgabe, wieseinem Sammelfleiße alle Ehre machen. Der kulturgeschichtlichwie kunstgeichichtiich bedeutsame Inhalt deS BucheS, daS vonder Hcrder'schcn Buchhandlung in gewohnter Mustcrgiltigkeitausgestattet ist, wird durch ein Titelbild und 30 meist Photo-typische Tcxtbildcr erläutert. Zuerst (S. 3295) kommt eineBeschreibung der vom Verfasser auf zwei Reisen untersuchtenSakramental» und Miffalhandschriften auS italienischen Biblia-