Ausgabe 
(14.8.1896) 33
 
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werden bet Besprechung des Gewerbes und der Land-wirthschaft sowohl die Schäden des Zwergbetriebesals auch der großen Unternehmungen, der übermäßigenZerstücklung wie der Latifnndienbildung berücksichtigt und damit Zusammenhängend in dem Abschnitte überdas Familienleben die Eigenart und die Vortheile desWirthschaftsbetriebes durch die sogen. Stammfamiliein instruktiver Weise hervorgehoben.

Der Frage und Gefahr der drohenden Ueber-völkerung wird eine besonders ausführliche Erörterungzu theil, und wir haben gerade diese ernste Frage nochselten so eingehend und ruhig behandelt gesehen, wie indem vorliegenden Werke von Devas -Käwpfe. Wenn deroder die Verfasser auch die Gefahren der kommendenUebervölkcrung nicht in zu düsteren Farben malen, so er-kennen sie diese Gefahren doch vollkommen an und ver-fallen nicht in den bedauerlichen Optimismus manchervolkswirthschaftlicher Schriftsteller, die im Hinblick aufdie drohende Calamität fatalistisch allein auf die göttlicheVorsehung vertrauen. Eine ebenso eingehende undgewissenhafte Erörterung wie die Uebervölkerungsfragefindet die Wohnungsfrage.

Das zweite Buch,Der Güteraustausch", be-schäftigt sich hauptsächlich mit praktischen Fragen. DieVortheile des Handels werden gebührend hervorgehoben,jedoch nicht überschätzt. Denndas Glück des Landesläßt sich nicht nach der Höhe der Export- und Import-ziffern bemessen". Sehr eingehend sind die Ausführungenüber die Preisbildung, welche zu den besten Partiendes Buches zählen. Devas bestreitet u. a>, daß ein vomMarktpreis ganz verschiedener, sogen, natürlicher Werthund Preis anzunehmen sei. Der einzige zwar nichtvollkommene, aber immerhin einzige Werthmesser istder (Markt-)Preis.

Aus den Ausführungen über das Geld und Münz-wesen wollen wir nur hervorheben, daß der Verfasser füreine einheitliche Währung, bezw. Goldwährung, eintritt.

Fast noch ausführlicher wie die Preisbildung ist derCredit behandelt, wohl in der richtigen Erwägung, daßauf dem Credite unser ganzes modern-wirthschaftliches Lebenberuht. Sehr einfach ist die Seite 258 vom Verfassergegebene Definition des Credits alsdie Bewilligungdes Aufschubs von Zahlungen". Die Vortheile desWechsels und die Bedenken gegen denselben, d. i. vor-nehmlich die Ausdehnung der Wcchselfähigkeit auf nichtkaufmännisch Gebildete, werden richtig vorgeführt. DasBankwesen ist klar behandelt; sehr praktisch ist dieUebersicht über die Notenbanken der einzelnen Staaten.Vom eigentlichen Bankwesen ist die Börse zu unter-scheiden, die mit ersterem nicht identisch ist, sondern nureinen Theil desselben bildet. Die Gefahren des Börsen-treibens (Handel mit Scheinwerihen und werthlosen Pa-pieren, Ausbeutung Unerfahrener) werden im Einzelnenaufgezählt, doch dürften die Ausführungen des englischenNationalökonomen über die Termingeschäfte in Deutsch-land nicht in jedem Punkte Zustimmung finden. Praktischund brauchbar sind die Vorschläge zur Bekämpfung desWuchers. Ein besonders erfolgreiches Mittel gegen dieAuswucherung und Verschuldung des Bauernstandes bildetdie Heimstätte. Für die ärmeren Volksklassen sinddie Konsum vereine ein Mittel zur Förderung desWohlstandes, da dieselben vor allem der Unsitte, die Be-dürfnisse auf Borg einzukaufen, entgegenwirken. LeiderHat der Verfasser unterhassen, die. aus diesen Vereinen >

für den seßhaften Kaufmanns- und Gewerbcstand hervor-gehenden Schädigungen zu beleuchten.

Im dritten Buch,Die Vertheilung derGüter", unterscheidet Devas drei Einnahmequellen:Lohn, Zins und Unternehmergewinn. DerGrundrente wird, im Gegensatz zu anderen National-ökonomen, kein besonderer Platz unter den Einnahme-quellen angewiesen, da sie von den vorgenannten inkeinem wesentlichen Punkte verschieden ist. Fernerwird in diesem Buche vom Verfasser noch eine ganzeAnzahl von Theorien der modernen und liberalen Volks-wirthschaftler in schlagender Weise widerlegt und ver-urtheilt; so z. B. die Theorie von derGleichheit derGewinne", von derGleichheit der Löhne", von derDurchführung einesMinimallohnes" usw.

Das Kapitel über den Zins ist sehr instruktiv,ohne sich in die Fragen über die Erlaubtheit oder Nicht-erlanbtheit des Zinses u. a. besonders zu vertiefen. DaSGleiche gilt von der Abhandlung über die Arbeits-löhne. Nach dem Verfasser ist ein fortgesetztes Sinkendes Zinsfußes, falls keine politischen Katastrophen ein-treten, wahrscheinlich.

Mit den die ÜberschriftenDie Reichen unddie Armen" undDie Berechtigung des Reich-thums" tragenden Abschnitten können wir uns, so vielVollberechtigtes und Wahres dieselben enthalten, nichtganz einverstanden erklären. Uns wäre es viel liebergewesen, wenn DevaS , statt die Nothwendigkeit von Reich-thum und (weitverzweigter) Armuth so ausführlich hervor-zuheben, mehr die Nothwendigkeit eines weitverbreitetenMittelstandes betont hätte. Der englische Verfasserscheint uns auch das bekannte Werk von A. Smith überden Reichthum etwas zu milde zu beurtheilen und wirvermuthen, daß ihm bei Abfassung seiner Volkswirth-schaftslehre die englischen Zustände zu sehr vor dem Augegestanden haben. Ucbrigens scheint Devas den BegriffderArmuth" etwas weit gefaßt zu haben.

Bei den Besprechungen der socialen Organisations-formen, deren der Verfasser fünf unterscheidet, hättenwir eine etwas hervorragendere Würdigung und Beachtungder genossenschaftlichen Form der Social-ordnung gewünscht. Die genossenschaftliche oder cor-porative Organisation der Gesellschaft ist nun einmaleine der ersten wenn nicht überhaupt die ersteAufgaben der heutigen Socialreform; ohne diese Organi-sation ist unseres Erachtens eine befriedigende Lösungder socialen Frage undenkbar; ohne die Organisation derBerufsstände ist besonders die Gefahr vorhanden, daßdie Socialreform immer mehr auf jenes Gebiet gedrängtwird, welches man alsStaatssocialismus" zu be-zeichnen pflegt, und daß somit das Hauptergebniß dieserReform in einer neuen Vergrößerung der großen burcau-kratischen Macht besteht. Es wird daher das achte Ka-pitel dieses Buches, richtiger: die darin zu Tage tretendenAnschauungen, einen conservativen deutschen oder öster-reichischen Socialpolitiker kaum befriedigen. DevaS scheintauch kein besonders begeisterter Anhänger der obligator-ischen Innungen zu sein; er hält die Frage, ob obli-gatorische Genossenschaften oder freie, von relativ unter-geordneter Bedeutung (Seite 393). Zu optimistisch sindendlich seine Ausführungen über die Vortheile derAktiengesellschaften.

Das folgende Kapitel des dritten Buches erörtertdieungeregelten socialen Beziehungen" undwirft interessante Streiflichter auf die englischen Ver-