Ausgabe 
(14.8.1896) 33
 
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Studenten an GyANasiasien oder sonstige Schüler Unter-richt. Viele Studenten leben fast ausschließlich von pri-vaten oder staatlichen Stipendien, welche besonders dieMoskauer Universität in großer Anzahl zu vergeben hat.Die staatlichen Stipendien erhalten fast ausschließlichNationalrussen, während Katholiken äußerst selten damitbedacht werden.

Die Universttätsgebäude ähneln im Aeußern wie imInnern den deutschen und österreichischen. Die Hörsälesind meist amphitheatralisch gebaut. Studentenduelle sindsehr selten. In Warschau kommen sie beispielsweise nie-mals vor, vereinzelt noch in Petersburg und Moskau ,wo es Studenten vom Militäradel gibt, d. h. Offiziers-söhne. Fechtunterricht können die Studenten nehmen,aber es lernen verhältnißmäßig wenigepauken". DieMilitärverhältnisse der russischen Studenten sind ganzeigenartig. Das Institut der Einjahrig-Freiwilligen gibtes in Rußland nicht. Der aktive Dienst beträgt bei denLandtruppen fünf bis sechs Jahre. Ein junger Mann,welcher eine Universität absolvirt hat, befindet sich jedochnur sechs Monate im aktiven Dienste. Hat er sich gutgeführt, so wird er nach drei Monaten Offizier (je nachWunsch in der Linie oder Reserve, aber nicht in derGarde). Gymnasialabiturieuten dienen ebenfalls nur sechsMonate aktiv.

Im Ganzen und Großen geht es in den Auditoriender russischen Universitäten nicht viel anders als inden oberen Klassen der Gymnasien zu, nur mit demUnterschiede, daß die Professoren die Studenten bereitsals Erwachsene behandeln und das; der einzelne Student,wenn er schließlich einige Tagebummeln" will, auchruhig aus den Vorlesungen wegbleiben kann, ohne sich,wie schon erwähnt, entschuldigen zu müssen. Die meistenindeß arbeiten Tag und Nacht, um die Prüfungen beimJahreskursus bestehen zu können. Der Erundzug imWesen des russischen Studenten ist ein ernster, ver-schlossener, der sich bei manchen Individuen bis zurAskese und zum Fanatismus steigert. Die größereHälftebüffelt" ununterbrochen, nur um so rasch wiemöglich die Examina hinter sich zu haben und eineStaatsanstellung zu erlangen meist ein sehr be-scheidenes, aber sicheres Brodplützchen die kleinereHälfte der Studenten huldigt leider revolutionären Ten-denzen. Sorge und Noth sind aber bei den meisten dieständigen Begleiter nicht bloß durch die akademischenJahre, sondern oft noch lange im bürgerlichen Leben.Nur wenigen lacht die Sonne des Erfolges und desGlückes, und nur zu viele finden in den Gewölbenirgend einer Citadelle, zwischen den feuchten Mauerneines niedrigen Gefängnisses, auf den Schneeseldcrn odergar in den Bergwerken Sibiriens einen frühen Tod.Aber keinem von all' den ehemaligen russischen Stu-denten, gleichviel, ob sie es spater zum berühmten Pro-fessor, zum Geheimrath, Gouverneur oder gar zum Mi-nister gebracht haben, ober ob sie nur einfache Beamte,Aerzte, Lehrer usw. geworden sind, erscheinen inseinem Alter die akademischen Jahre in rosiger Ver-klärung. Ein jeder ist froh, wenn die Universitäts «jähre vorüber sind und er in das bürgerliche Lebenhinübcrtreten kann. Es wird zwar auf den russischen Universitäten vielerlei gelehrt und fleißig gearbeitetwozu schon die jährlichen Kursexamina Zwingen aberselbstlose Begeisterung für wahre Wissenschaft und Kunst,für alle edlen und idealen Bestrebungen vermögen dierussischen Universitätsprofessoren nur ganz vereinzelt in

die Herzen ihrer Hörer zu legen. Die Regierung deSZaren will ihre Beamten, Richter, Lehrer usw. nur imrussisch -orthodoxen Sinne erziehen lassen, sich also Werk-zeuge schaffen, die alles das, was nicht russisch-orthodox ist, mindestens mit Mißtrauen ansehen und in den meistenFällen mit Fanatismus bekämpfen.

Recensionen nnd Notizen.

Leben der heiligen Jungfrau Maria. Nach den Be-trachtungen der gottseligen Anna Katharina Emmerich ,Augustincrin des Klosters Agnetcnberg zu Dnlmen(ch 9. Fcbr. 1824). Aufgeschrieben von Clemens Bren-tano . Neue Stereotvp-Ausgabe mit vielen Abbildungen.Regensbnrg, Nationale Verlagsanstalt (früher G. I.Manz) 1895.

lll. Mag man den demüthigen Anschauungen der frommenSeherin Katharina Emmerich beipflichten, welche ihren Ge-sichten nur den Werth andächtiger Betrachtungen beimaß,oder will man dem wunderbaren Cyklus von geschichtlichenBildern, welche diese heiligmäßige Seele geschaut und beschrieben,den übernatürlichen, visionären Charakter nicht absprechen,darin müssen die verschiedensten Kritiker übereinstimmen, daßdiese Betrachtungen oder Gesichte den unbefangenen Leser inhohem Grade erbauen und ein christliches Gemüth zu höhererGlaubcnSinnigkeit entflammen. Also das wird jedenfalls mitungctheilter Anerkennung zugegeben, daß das vorliegende Buchzu den Letrachtnngsbüchcrn allerersten Ranges über das Lebender allerseligstcn Jungfrau Maria gehört. Wir sehen hier dieKönigin aller Heiligen nicht in jener unnahbaren Glorie, dieunser Auge verwirrt nnd blendet, sondern wir schauen sie soleibhaftig schlicht und einfach in dem düstern Erdenthale wallen,daß sie nicht nur unserem kindlichen Vertrauen, sondern auchunserer Nachahmung alö sozusagen greifbar plastisches Beispielganz besonders nahe gerückt wird. Diese deiaillirte, lebensvolleund lebenswahre Darstellung, deren historische nnd örtliche Ge-nauigkeit sich fast immer bestätigt findet, verleiht der Erzählungeinen solchen Reiz, daß selbst abgesagte Feinde asketischer Li-teratur diesem Buche Interesse abgewinnen was wir mehr-fach zu beobachten Gelegenheit hatten. Der große, kräftige Druck,der hübsche Bilderschmnck unterstützen das Werkchen in seinemBerufe, in weitere Kreise fromme Erbauung zu tragen.

Briefe des hl. Kirchenlehrers Alsons Maria VonLiguori , Stifters der Congregation desallcrbeiligstcn Erlösers. 3 Bände. Regens-burg 1893/94, Nationale Verlagsanstalt. Preis proBand M. 8..

K Unlieb verspätet bringen wir hiermit die Anzeige vor-liegender Briefe. Das italienische Original erschien als Fest:schrift zur ersten Säcularfcier des Todestages des hl. Kirchen-lehrers i. I. 1887 von einem Pater derselben Congregation.Eine wohlgelungenc französische Uebersctznng besorgte k. Dn-mortier, 6. 8s. L. Dem Original, wie der französischen Ueber-setznng, steht durchaus würdig zur Seite die von mehrerendeutschen Redemptoristen-Patres veranstaltete deutsche Ucber-setzung. Der Gesammtinhalt dieser Briese liefert uns das gc-trcuene und vollendetste Bild des hl. Alfonsus. In diesemschriftlichen 50jährigen Verkehre deck: der Heilige so recht aufdas Innerste seiner Seele, wie er sie von Natur empfangenund mittels der Gnade zum genauesten Abbilde des göttlichenMeisters vervollkommnet hat. Als Stifter einer OrdenS-Con-gregation, als em in Wort und That mächtiger Missionär, alserfahrener und erleuchteter Seelcnführcr, als Muster cincSBischofs, als Schriftsteller von wunderbarer Fruchtbarkeit, standder hl. AlsonsuS in Beziehung zu den verschiedensten Persönlich»kkitcm stieß er aus die größten Schwierigkeiten und mußte erGeschäfte und Fragen jeder Art behandeln. Seine lang- Lauf-bahn spiegelt sich gewissermaßen in ihrem ganzen Umfange indieser Korrespondenz ab. Bald wendet sich der Heilige an seineReligiösen, sie anzueiscrn, zu leiten und zu trösten. Bald zeigter heilsbegierigen Seelen den einfachsten und sichersten Wegzur Vollkommenheit; bald wendet er sich als Bischof an seinenKlerus, an die weltliche Gewalt, an die Kirchenfürsten; baldbehandelt er als Theologe mannigfache Fragen, anscheinendtheoretische Ccniroverspunkte, in Wahrheit aber von größtemNutzen; bald endlich besorgt er als Schriftsteller die Herausgabeseiner zahlreichen Werke. Aber überall ist die inbrünstigste Liebezu den Seelen für unsern Heiligen das innerste Element, welchesseinen ganzen Briefwechsel und jeden seiner einzelnen Theile