Markwart von Randeck, Bischof von Augsburg (1348 - 1365 ).
Ueber den obigen Bischof hat der kgl. ArchivsekretärDr. Glasschröder im historischen Verein für Schwaben und Neuburg im 15. und 22. Band der Zeitschrift 1888und 1896 zwei äußerst gediegene Arbeiten veröffentlichtund Urkunden in Negesten im 20. Bande abdruckenlassen. Besondere Aufmerksamkeit hat er neben der Bis-thumsthätigkeit Markwarts dessen allgemein geschichtlicherStellung und Bedeutung gewidmet, besonders seinerThätigkeit in dem Streite zwischen Ludwig dem Bayernund den Päpsten zu Avignon und als Neichsverweserin Italien 1355. Er stützt sich dabei auf ein ausge-dehntes Urkundenmaterial aus allen möglichen Archivenund Veröffentlichungen, namentlich auf neue italienischeund römische Forschungen; ein Material, welches derVerfasser mit Bienenfleiß zusammengetragen und mit vielGeschick zu lesbaren Abhandlungen verarbeitet hat. Werdie Schwierigkeit zu würdigen weiß, die der spröde Akten-stoff, lose Notizen und »«zusammenhängende Urkundeneiner zusammenfassenden Bearbeitung entgegenstellen, derwird dem Verfasser doppelt Dank wissen, daß er seinenStoff so geschickt angeordnet und des Bischofs Thätig-keit in einfach schöner und objectiv ruhiger Weise ge-schildert hat.*)
Markwart, geb. 1296, stammt aus dem schwäbischenNittergeschlechte derer von Neidlingen , der Dienstmannender Herzoge von Teck , die sich in drei Linien: die Neid-linger, Lichtenecker und Nandecker, theilten. Das Geschlechterscheint häufig unter den Kanonikern zu Augsburg , undso war eS auch ein Oheim, Konrad von Randeck, späterCustos der Domkirche, der den jungen Markwart nachAugsburg zog und dort erziehen ließ. An der Dom-schule genoß Markwart eines guten und klassischen Unter-richtes, wie aus den zahlreichen Citaten aus Klassikern,die der nachmalige Bischof in seinen Reden anzubringenliebte, zu schließen ist. In Bologna setzte er seine Studienfort, wurde durch daS Vertrauen seiner Landsleute 1322zum Schaffner (proaurator) der deutschen Nation er-nannt und erwarb sich die Würde eines Licentiaten deskanonischen Rechtes. Er bildete sich aber auch in derfeinen Rittersitte und dem Waffenhandwerke aus.
Nach seiner Rückkehr in die Heimath erhielt er,ohne die höheren Weihen empfangen zu haben, 1328 diePfarrei Möhringen in Baden , wurde 1331 Subdiakonund Kanonikus zu Augsburg und lehrte als solcher daskanonische Recht den Domicellaren des Hochstiftes. Baldlenkte er die Aufmerksamkeit des Kaisers Ludwig desBayern auf sich und wurde von ihm 1335 auserseheu,mit zwei andern rechtskundigen Klerikern die kaiserlichenGesandten Grafen Ludwig den Aeltern und Jüngern vonOettingen (VIII und IX) an den päpstlichen Hof nachAvignon zu begleiten. Dort hat er vor Papst Benedikt XII .am 9. Oktober eine berühmte Rede gehalten, die in Niezlersvatikanischen Aktenstücken abgedruckt ist. Glasschröder gibteine ausführliche Analyse (s. e. XV S. 27). Die Spracheist hier sehr demüthig, und die Versicherung der Reue unddes sehnlichen Wunsches nach Aussöhnung kehrt immerwieder. Der Papst war dem Redner auch sehr gewogen
Die letzte Arbeit GlasschrvderS 1896 ist auch separat zuhaben und wird den Lesern der Augsb. Postztg. angelegentlichstempfohlen.
und ernannte ihn 1336 zum Dompropst von Bamberg .Als er aber 1343 von einem Theil des Bauiberger Ka-pitels zum Bischof erwählt wurde, bestätigte ihn derstrengere Nachfolger Bencdikts, Clemens VI. , nicht undernannte 1344 Friedrich v. Hohenlohe zum Bischof. Unddoch war Markwart kein blinder Anhänger Ludwigs; erließ der Kurie volle Gerechtigkeit zu Theil werden. Erdenkt genau wie Bonifaz VIII. : Die geistliche und welt-liche Gewalt verhalten sich wie Sonne und Mond, Goldund Blei; aber auch die weltliche Gewalt sei eine gött-liche Einrichtung, und Ludwig sei rechtmäßig (aunonioa)gewählt worden. Die geistliche Gewalt solle dafür sorgen,daß die weltliche Achtung und Gehorsam finde, der Kaiserbedürfe den Arm der Kirche, um mit den Bösen der Weltaufzuräumen.
Die Maßlosigkeiten vieler Anhänger Ludwigs billigteer nicht, ebensowenig die früheren Ausschreitungen desKaisers selbst. Als daher 1447 Ludwig gestorben war,konnte er, ohne treubrüchig zu werden, dem „Pfaffen-könig" Karl IV. huldigen. Er wurde auch gleich vonletzterem zu einer Sendung nach Avignon verwendet, umvom Papste die Befreiung der Anhänger Ludwigs vonden kirchlichen Censuren zu erwirken. Markwart erlangtedies nicht nur, sondern auch das volle Vertrauen desPapstes, der ihn im Mai 1348 zum Bischof von Augs-burg ernannte; obwohl der Anhänger Ludwigs des Bayern ,Bischof Heinrich von Schöneck, noch lebte und selbstvon Kaiser Karl IV. begünstigt wurde. Es dauerte aberfast ein Jahr, bis ihn die Augsburger Bürgerschaft festenFuß fassen ließ, und erst 6. Januar 1350 kam zwischendem Randecker und Schönecker durch Vermittlung derGrafen Ludwig und Friedrich von Oettingen (Vertreterdes Schöneckers) und des Dompropsts Eberhard vonTumnau (Vertreter Markwarts) ein Vergleich zu Stande.Darnach versprach Markwart dem Schönecker gegen dessenVerzicht, einen Bisthumstitel zu gewinnen, die BurgZusamegg auf Lebenszeit zu überlassen und ein Jahr-geld von 400 Pfund Heller zu bezahlen, sowie eineDomherrnpfründe.
Unter Heinrich von Schöneck war das Bisthum argverwahrlost worden, viele Güter und Rechte waren ver-loren gegangen und Schulden aus Schulden gehäuft.Markwart konnte nicht einmal die „Kanzleisporteln"*)von 800 Eoldgulden an die Kurie bezahlen und wurde,da er den Termin immer weiter hinausschob, excommunicirtund empfing wider Wissen als Excommunicirter diePriester- und Bischofsweihe, letztere am Osterfeste 1354in der Klosterkirche zu Kaisheim . 1355 und 56 konnteer endlich seinen Verpflichtungen nachkommen. Der Kaiserhalf ihm die verwirrten Finanzen verbessern, ließ dieJudenschulden uach(I), gestattete, daß er die vom Reichverpfändeten augsbnrgischen Güter und Rechte wiedereinlöse, und gewährte 1356 eine neue Münzstätte, nach-dem die alte an die Bürgerschaft verloren war. Mit derBürgerschaft gerieth der Bischof öfters in Streit wegender Gerichtsbarkeit und des Steuerrechtes, besonders wegeneiner Getränksteuer (Ungeld). Gegen adelige Raubritterging er strenge vor und brach schon 1349 die zwei BurgenMindelberg und Brenz. Sehr zahlreich sind die Erwerb-ungen, die durch ihn geschahen. Glasschröder führt sie
! *) So nennt Glaöschröder die Schuld; wäre es Vielleicht-