Ausgabe 
(28.8.1896) 35
 
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suchsgegenstandes sehr selten alle unverändert wieder-kehren; 2) daß Form und Große sich zuweilen von derFarbe und häufig unter sich trennen, beide sich ändernoder verschwinden. Interessant sind auch seine Beobacht-ungen hinsichtlich der Farben gewesen; wir können jedochhier auf dieselben nicht eingehen.

Von praktischer Bedeutung war der folgende Vortragvon E. Nömer (Heidelberg )Ueber einige Beziehungenzwischen Schlaf und geistigen Thätigkeiten." Redner be-richtete über Experimente, die er im psychologischen Labora-torium der Heidelberger psychiatrischen Klinik angestellthat, um die psychische Leistungsfähigkeit 1) zu verschiedenerZeit nach dem normalen Schlafe und 2) nach Morgensund Abends abgekürztem Schlafe zu untersuchen. Dabeidiente ihm als Methode 1) das Auswendiglernen ein-stelliger Zahlen in Reihen von je zwölf, 2) das Addireneinstelliger Zahlen, 3) die Messung von Wahlreaktionenund 4) von Associntionsreaktionen. Die Hauptpunkteseiner Resultate erwiesen nun Folgendes: I. Der Zustandkurz nach dem Aufstehen nach normalem Schlafe bestehtin einer mehr oder weniger großen Müdigkeit. II. KürzenPersonen, die ihre größte Schlaftiefe erst gegen Endeder Nacht erreichen, ihren Schlaf Abends ab, so wirddadurch meist die Leistungsfähigkeit am folgenden Morgenso gut wie gar nicht beeinträchtigt, weil sich der so ab-gekürzte Schlaf entsprechend mehr vertieft. Kürzen diesePersonen aber den Schlaf Morgens ab, so resultirt einZustand der Ermüdung. III. Bei Individuen, derengrößte Schlaftiefe sehr bald nach dem Einschlafen er-reicht ist, wird nach Abends abgekürztem Schlafe dieLeistungsfähigkeit am folgenden Morgen nur wenig odergar nicht beeinträchtigt, da sich der abgekürzte Schlafebenfalls meist vertieft. Noch geringer ist bei diesen In-dividuen die Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit nachMorgens abgekürztem Schlafe. In keinem von beidenFallen ergaben bei ihnen die vorliegenden Versuche einedeutliche Ermüdung nach abgekürztem Schlafe, sondernnur eine gewisse Müdigkeit mit Symptomen, auf dieRedner in seinen Erörterungen wiederholt hinzuweisenGelegenheit fand. Er hält den principiellen Unterschiedzwischen Müdigkeit und Ermüdung als das wichtigsteErgebniß der Versuche. Besonders macht er noch aufdie Bedeutung seiner Resultate für die Schulhygieneaufmerksam; es dürste seiner Ansicht zufolge hier be-sonders bcachienswerth sein die Ermüdung nach Morgensabgekürztem Schlafe bei Individuen, die ihre größteSchlaftiefe erst gegen das Ende ihres Schlafes erlangen,sowie die größere Ermüdbarkeit für schwerere und diegeringere Uebungssähigkeit auch für leichtere geistige Arbeitin der Müdigkeit nach normalem Schlafe. Wie werdensich unsere Jungen, die meist ihre größte Schlaftiefeerst gegen das Ende ihres Schlafes zu erlangen scheinen,freuen, wenn diese bedeutungsvollen Resultate in den Er-ziehungsanstalten berücksichtigt werden!

Professor Ottomar Nosenbach von der UniversitätBreslau hielt einen längeren Vortrag über denMe-chanismus des Schlafes", in welchem er auch in längerenErörterungen über den hypnotischen Schlaf sich verbreitete.Nicht zustimmen können wir seiner Behauptung, daß imhypnotischen Schlafe nicht nur keine bewußte Vorstellungstattfinden kann, sondern auch die wichtigen körperl. Trans-formations- resp. Negenerationsprocesse, die den normalenSchlaf charakterisiern, nicht stattfinden können,weil dieHypnose ja gerade nur die Oberflächenspannungen, die denKKrtzzr von den Massen der Außenwelt isoliren, ihn

sich als Einheit der Masse bethätigen lassen, besondersbegünstigt und sie nicht, wie der Schlaf, zu Gunsten derinneren Arbeit, des stärkeren Betriebes der kleinsten Ma-schinen (Energeten) aufhebt". Es haben doch die be-deutendsten Forscher auf dem Gebiete der Hypnose daraufhingewiesen, daß in derselben vielfach ein erhöhtes Trans-formations- und Negenerationsvermögen sich zeigt.

Brmerkenswerth war auch der Vortrag des Mün-chener Arztes Dr. Billinger überDie niederen Körper-temperaturen im Winterschlaf und ihr Verhältniß zurInfektion". Er will die Frage beantworten, ob, ange-nommen, daß die Temperatursteigerung im Fieber einantibakterieller Faktor ist (den Bacillen verderblich ist),und ebenso die Temperaturerniedrigung, es möglich ist,die Körpertemperatur bedeutend zu erniedrigen, ohne daßdas Leben dabei gefährdet wird. Er bespricht einigeThatsachen, die als Beweis dafür gelten können, daßdies unter Umständen möglich ist, unter andern auch dieWirkung des hypnotischen Einflusses in dieser Hinsicht,der sich z. B. im Fakirschlaf und bei Versuchen vonKrafft-Ebing (35°), von Maras und Hellich (32°) gezeigthat. Er meinte, daß dieser sich unter Umständen thera-peutisch verwerthen lassen könnte, zumal wenn die Garantiedes Nutzens eines derartigen Experimentes gegeben werdenkönnte. Er kam nun auf den Winterschlaf der Thiere zusprechen und bemerkte, wie in demselben ein Zustand er-kenntlich ist, in dem sich diese niederen Körpertemperaturenvon selbst einstellen. Seine Versuche an WinterschlafendenThieren jedoch, wie an Haselmäusen und Murmelthieren,mit Milzbrand -, Rotz- und Tuberkelbacillen haben ne-gativen Erfolg gehabt, nur ein Versuch mit einem Bak-teriengift (Tetanusgift) hatte bis zu einem gewissen Gradepositiven Erfolg.

(Fortsetzung folgt.)

Beiträge zur Entzifferung der mosaischenSchvpfungsurklmde.

Von Joh. Bumüller, Kaplan in Holzheim.

(Fortsetzung.)

Der zweite Tag schildert die Sonderung der Ge-wässer über und unter dem Firmament. Mit der Licht-entwicklung im Universum ist dessen beginnende Entwick-lung selbst angedeutet, so daß der erste Tag die ersteEntwicklung aller Welten in sich schließt. Diese weiterzu verfolgen, hat aber für den Zweck der hl. «Lehnstkeinen Werth, weßhalb der Bericht nun auf den Wohn-ort des Menschen übergeht. Aber ist hier nicht eingroßer, unmotivirter Sprung: am ersten Tag die inEntwicklung übergehende Urmaterie, aus welcher sich einstauch die Erde bilden soll, am zweiten Tage bereits dievon einer festen Kruste umzogene Erde mit Meer undWolken? Nein; denn in Wirklichkeit ist hier eine schöneEintheilung der Entwicklungsphasen der Erde. Am erstenTage nämlich führt uns der Bericht die Erde in ihremfeurig-glühenden Zustande vor Augen, am zweiten Tagestellt er jenen großen Wendepunkt in der Entwicklungder Erde fest, da sich der feurige Ball in Folge von Ab-kühlung mit einer festen Kruste umgab, auf der sich nunjenes die Erde aufbauende und umbildende Element, dasWasser, niederschlagen und so in den anfangs in Dampf-form den Erdball umgebenden Wassermassen die Scheidungderselben zwischen Gewässern oberhalb und unterhalb derAusdehnung, zwischen Meer und Wolkenbildung, statt-finden konnte. Wir sehen,, in dieser Hinsicht findet auch