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der erste Tag seine Erklärung und Bestätigung durch dieNaturwissenschaft; der zweite Tag stimmt mit der vonder Naturwissenschaft geforderten Entwicklung der Erdeganz überein. Am dritten Tage sondert sich nun dasFestland vom Meere ab, die ersten Continente resp.Inseln treten hervor. Wie die Schale eines aus»trocknenden Apfels, in Folge Klcinerwerdens der Fleisch»Masse, Runzeln bildet, ähnlich ungefähr trat bet der Erdein Folge der durch die Abkühlung bedingten Zusammen-ziehung des Erdkernes eine Zusammenziehung und Falten-bildung der Erdrinde ein. Anfangs waren die Falt-ungen und Stauchungen zu unbedeutend, als daß sieden Spiegel des Urozeans erreicht hätten. Als sich aberder feuerflüsstge Erdkern immer mehr abkühlte und zu-sammenzog, so mußte auch die nachsinkende Erdrindeimmer mehr sich zusammenziehen und mußte das Zuvielihrer Oberfläche nach oben entweichen, d. h. die Falt-ungen nahmen an Höhe zu, bis sie schließlich den Spiegeldes Urozeans zu überragen begannen: erstes Auftauchenoes Festlandes. Auch das Wasser arbeitete bei Bildungdesselben mit, doch in mehr untergeordneter Weise. Wirkönnen also bis jetzt noch nicht das geringste Bedürfnißverspüren, die chronologische Reihenfolge der Bibel fallenzu lassen. Der dritte Schöpfungstag berichtet uns fernernoch von der Entstehung der ersten Organismen, derPflanzen. Hier gäbe es zwei wichtige Fragen zu be-sprechen, die wir nur kurz berühren können. Erstenseinmal: sind pflanzliche Organismen wirklich vor denersten thierischen entstanden? Die Paläontologie kannnach den bisherigen Funden weder einen strikten em-pirischen Beweis dafür noch dagegen erbringen. In denältesten Schichten, dem unteren Kambrium, finden wirThiere in überwiegender Zahl. Allerdings gibt es auchunterkambrische sogenannte Fukoidensandsteinc, welche nurPflanzcnreste enthalten sollten. Allein diese angeblichenFossilien werden jetzt mit Recht als Abdrücke von Thier-spuren, zufällig entstandene Vertiefungen und Rinnen,nach Koken auch manche als zufällige, durch die Beweg-ung von harten Fukoidenstengeln auf dem Meeresbodenentstandene Eindrücke angesehen. Doch von diesen kam-brischen Schichten dürfen wir auch gar nicht erwarten,daß in ihnen Pflanzen allein enthalten sind, denn dieersten und ältesten Organismen waren zweifellos in Folgeihrer zarten Struktur gar nicht versteincrungsfähig, undschon deßhalb dürfte es — neben anderen Gründen —einem stichhaltigen Zweifel nicht unterliegen, daß die ersteEntwicklung der Organismen noch weit hinter dem Kam-brium zurückliegt. Mehr theoretische Erwägungen da-gegen führen uns mit größerer Bestimmtheit zu der bi-blischen Behauptung von der Priorität der ersten pflanz-lichen Organismen. Senft schreibt in seinem Handbuchoer Geologie Seite 785, daß Pflanzen die ersten Or-ganismen sein mußten, da sie, um die Existenz thier-ischer Organismen zu ermöglichen, das Wasser von denvem Thierleben schädlichen Substanzen wie von löslichenMineralsalzen und besonders von der Kohlensäure, diesie einathmen, befreien und dasselbe zugleich mit demfür die Thiere unumgänglich nothwendigen Sauerstoff,den sie ausathmen, zu versorgen hatten. — Außerdemneigt man immer mehr der Ansicht zu, daß in denAnthraziten, Graphiten u. s. w. der vorkambrischenSchichten Ueberreste organischer Wesen zu erblicken seien.So sagt z. B. Senft in seinem citirten Werke S. 755:„Wenn man bedenkt, daß noch gegenwärtig der abge-storbene Pflanzenkörper durch den Verkohlungsprozeß nach
und nach in Torf, Braunkohle, Steinkohle und Anthrazitumgewandelt wird, wie sich in den ersten Stadien diesesProzesses viel Kohlenwasserstoff-Verbindungen (Asphaltund Bitumen) entwickeln, welche von den sie umgebendenschlammigen oder doch weichen und noch durchdringbarenGesteinsablagerungen in der nächsten Umgebung der ver-kohlenden Pflanzenmaffen aufgesogen werden, — und dannim zweiten Stadium des Verkohlungsprozesses eine fastnur noch aus Kohlenstoff bestehende Kohlensubstanz, —der Anthrazit, — übrig bleibt; wenn man ferner bedenkt,daß — wie man in jeder Gasfabrik beobachten kann, —wenn eine bitumenreiche Kohle unter Luftabschluß starkerhitzt wird, nicht nur ihr ganzer Gehalt von Bitumen,sondern auch ein Theil ihres Kohlenstoffes sich verflüchtigt,welcher sich dann beim Eindringen in kältere Räume alsGraphit wieder absetzt; wenn man ferner berücksichtigt,daß selbst in heißen Quellen (— z. B. in den 36 Gratwarmen Quellen von Bormio —) noch gegenwärtig Gallert?algen in großer Ueppigkeit wuchern, und daß dann die-selben nach ihrem Absterben einen bitumenreichen, kein«Spur von organischer Struktur mehr zeigen-den Kohlenschlamm entwickeln (— wie dieses auch derFall ist mit dem auf den Grunde von tiefen, stehendenGewässern verkohlenden Algen, welche bekanntlich denfeinsten Pech- und Baggertorf liefern —), — wenn mandieses alles ins Auge saßt, so gelangt man freilich zu derAnsicht, daß all der Graphit und Anthrazit, sowie auchdas Bitumen im Urgneis, Urkalkstein und Magneteisenerz Produkte der Verkohlung von Gallertalgensind, welche sich schon kurze Zeit nach der Entwicklungder eben genannten Urgesteine auf dem Grunde deswarmen Ozeans entwickelt und sich bei ihrer Verkohlungunter dem vollen Verluste ihrer ganzen organischen Struk-tur in reine Kohle umgewandelt haben. Vielleicht ließesich dann durch diese Ansicht auch der Reichthum vonSchwefelerzen in der Urgneisformation ^klären; denndiese konnten sich am ersten entwickeln aus der Ein-wirkung des sich bei der Verkohlung dieser Algen reichlicherzeugenden Schwefelwasserstoffes auf die damals im Ur-ozeane noch vorhandenen Metallsalze." Hiemit könnenwir sagen: die Naturwissenschaft macht die von der Bibelbehauptete Priorität der Pflanzen sehr wahrscheinlich,kann sie jedenfalls nicht widerlegen.
(Schluß folgt.)
Ein Literaturbild aus der Gegenwart
(Forrsetzung.)
Ein erlauchtes Glied des bayerischen KönigshausesWittelsbach ist es, das sich zur Ehre anrechnet, eineZunftgenossin Deutschlands katholischen Sängerbundes zusein. Es ist das die hochedle Spanierin PrinzessinLudwig Ferdinand . Den Lesern vom „DeutschenHausschatz" glaube ich entgegenzukommen, wenn ich ihnenmeine Ahnung verrathe, daß wir die Verfasserin derblüthenduftigen, so unendlich wehmuthvollen „König-Ludwig-Novelle" „Ein ewiges Geheimniß" in dieserhohen Dame vermuthen dürfen. (Hausschatz Heft 10.)
Viele Sänger hätte ich noch zu nennen, die bekanntgeworden sind und, falls dem nicht so ist, verdienen,bekannt zu werden. Namen, wie: Happe, Freeriks,Jüngst, Jseke, Singolt in München , Herbert (FrauTherese Keiter), Eichert, Alinda Jakoby, Cordula Pere-grina, Eggert, Hermann Schilling, F. I. Holly, Eschel-