Ausgabe 
(28.8.1896) 35
 
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alles, was nur katholisch gefärbt ist, sich abschließt, ge-hört werden muß. Eng verschwistert mit Redwitz 'Amaranth" und Weber'LDreizehnlinden" ist seinepisches GedichtDer Bauernjörg", ein Sang aus Ober-schwaben. Der Held ist Georg Truchseß von Waldburg ,der im Bauernkriege neben Georg von Frundsberg eineder ritterlichsten Erscheinungen jener Zeit ist. Gewaltigist der Stoff, greuelvoll sind die Thaten, die der Bauern-krieg geboren, aber Eggert hat nur Erhebendes und Er-freuliches aus dem furchtbar Argen herausgegriffen, ein-gedenk des großen Dichterwortes:Ernst ist das Leben,heiter ist die Kunst." Wolfram von Eschenbach undUHIand sind seine Vorbilder. Wohl mag dem feinerenLeser recht eigenartig, wenn nicht abstoßend, eine Scenemit Maler Jeggle und seiner unseligen Tochter vor-kommen, dochwas seltsam ist, das duonket guot," hatschon der alte Freidank gesagt.Wo die Meisterwerkeder Poesie des ausgehenden neunzehnten Jahrhundertsaufgezählt werden, wird künftighin ,Der letzte Prophet*mit au erster Stelle genannt werden müssen," so schriebin derKölnischen Volkszeitung" der Recensent überEggert's neuesten Sang. Der Mittelpunkt in den 11 Ge-sängen ist Johannes der Täufer von seinem ersten Er-scheinen in der Wüste bis zu seiner Hinrichtung. DerVorläufer des Heilandes ist die Seele des Ganzen. Dielüsterne und rachsüchtige Ehebrecherin Herodias mit ihremunsauberen Anhang nimmt darin die zweite Stelle ein.Der letzte Prophet" ist nichts weniger als Tendenz-poesie, alles Frömmelnde liegt ferne. Nur gereifterenLesern sagt die Dichtung zu. Mit vollendeter Steuer-fertigkeit ist Eggert über die Klippe hinweggekommen, ander wohl mancher nichtchristliche Dichter gescheitert wäre;die üppige Herodias und ihre reizende Tänzerin hättenfür manchen ein verführerisches Weib werden mögen.Der letzte Prophet" ist gedichtet mit der farbenprächtigenGluth morgenlündischer Phantasie, aber die bilderreicheSprache enthält echtes deutsches Mark das Epos istdeutsche Urwnldpoesie. Möge das herrliche Dichtertalentim Neckarthal noch lange, lange blühen!

In Karl Macke (Linz a. Rh.) ist ein neuer ka-tholischer Dichter erstanden, der den kühnen Wurf ge-wagt, den Auszug der Jsraeliten aus Egypten und ihreSchicksale in der Wüste zu besingen in seinem Wüsten-fangVom Nil zum Nebo".

Eine Zierde der katholischen poetischen Literaturdeutscher Sprache ist auch der Tiroler Josef Seeber(geb. 1856 zu Bruneck, nun in Brixen ), der mit seinemepischen GedichtDer ewige Jude " ein Meisterwerk vonHoher Bedeutung und edelster Form geschaffen hat. Seeber,,der in den schönsten Mannesjahren steht, verspricht unswohl noch manche poetische Gabe.

Was christlicher Frohsinn für üppige Blüthen treibt,zeigt in köstlichster WeiseGottfried, der Student", einmoralisch-akademisches Epos nach alten Handschriften zu-sammengestellt von einem Verfasser, der sich unter demNamen Emmanuel Bim st ein verbirgt. Zwerchfell-erschütternd ist es, zu lesen, wie der fidele Bruder Studiodie Schwierigkeiten der Quarta überwindet, wie er dieFlegeleien der Tertia absolvirt, wie er glücklich die Se-kunda erreicht, wo der Professorhöflich nun Sie Faul-pelz sprechen muß". Tabak und Lagerbier, Solo, Skatund Schafskopp macht ihm viel zu thun; und als statt-licher Primaner scheitert er glücklich an den Klippen der^ Liebe. Die Lachmuskeln kommen beim Leser vollauf in! Thätigkeit; die komische Kraft der Dichtung reicht an die

Jobftade heran, nur daß wir mit den zweideutigen Zotender Kortum'schen Muse verschont bleiben.

Eine liebliche Waldidylle mit frischem, würzigemdeutschen Tannenduft, belebt von lustigen Vogelstimmenund träumerischen Mädchenliedern, istGleichen", einSang aus der Zeit der Freiheitskriege von Th. Herold,das Jünglingen und Jungfrauen mit jugendlich schwärmer-ischen Gemüthern wie auch den ernsteren Lesern so liebund vertraut werden wird, wie den Kindern die Märchen-gestalten.

So zeitigt die katholische Poesie auch auf dem Ge-biete der epischen Kunst immer mehr duftende Blumen,als wollte sie Ersatz bieten für die Giftpilze, die iAweiteren Bereiche der Literatur so üppig wuchern.

(Schluß folgt.)

Recensionen und Notizen.

k. ?. Lernarelini a kioonio Orä. Oax. eoneionaboris, emsritls. BbsolvAias xrots88oris, antigui xroviueias karisi-snsis äoünitoris Mixlsx Lxpositio dsati kauli LxostoliDpistolas Romanos all usum stuäiosorum 3 . Hievt,st saosräotuM in vinea Oowiui laborantium smsnclretaei aneta xsr ?. Niodaslsm Uetxsnansr Orä. Oax.venixonts, l'xxis st sumxtidns sooistatis Llarlanas,MKlllue 603.

-- Bernhardin von Peguiny in der Picardie (1633 bis1709) veröffentlichte 1703 ein Priplsx expositio blvLNAkIioinm.Dieselbe fand den Beifall des Papstes Clemens XI. , welcher ihndenn auch ermunterte, ein ähnliches Buch über die Briefe deShl. Paulus zu verfassen. Diese Arbeit erschien erst 1726; also17 Jahre nach seinem Tode. Der triplsx exxositio bietetzuerst eine Lnalxsis, gna tsxtus Lpostollei viel» st oonnexiväeolaratnrdann eine Paraphrase, gua msns ^xostoli drsvitsrexxonltur st vlars, und endlich einen ausführlichen Commentarmit vielen moralischen und asketischen Anwendungen. Es istalso mehr ein erbaulicher als ein wissenschaftlicher Commentar.Als solcher ist auch die vorliegende Arbeit, welche sich mit derVerbesserung und Erweiterung der triplex expositio üpistolas Lomanos befaßt, zu betrachten. Hetzcnauer verbessert Un-genaues; macht Zusätze, welche der Fortschritt der biblischenStudien erfordert. Zuerst gibt er den griechischen Text sowohl,wie den Vulgaiatcxt. Dem Kommentar sind kritische und philo-logische Bemerkungen hergegeben, wo cS nöthig schien. Hetzenanerfügt zum Gebrauche fürPrediger zahlreiche L-tellcn ausdenSchristendes hl. Bonaventura und des hl. Thomas bei. blt gnia mnltisanimarnin pastoribns totnm psrlsAsrs sommsntarium im-xossibils srit, unionigns operi inäiosm aäiunZam speciellem,in gusin rss maZis notabilss rstsrsutnr. Dieser Index istdankenöwerth und verdient Nachahmung. Das Latein ist klar undfließend, die Darstellung allerdings etwas breit, bei einiger Be-schränkung hätte sich das Buch um '/, Theil verringern lassen.Da das Buch vornehmlich praktischen und aScetischen Zweckendient, so wird man nicht die strengsten wissenschaftlichen An-forderungen an die exegetische Methode sowohl als an die ein-zelnen Aufstellungen stellen dürfen.

Holzhey C., Der neu entdeckte Ooäex 8^rns Linaiticns, unter-sucht; mit einem vollständigen Verzeichniß der Variantendes Ooclsx Linaitiens und Ourstonianus. 8", 59 -s- 39München , Lcntner 1896. M. 5,00.

'S Zwei gelehrte Damen, die Schwestern Smith Lewis undGibson, haben im Jahre 1892 im Katharinenkloster aus demSinai ein syrisches Evangclicnpalimpsest aufgefunden, das zweiJahre später veröffentlicht wurde und den Gelehrten Veranlassunggegeben hat, die Frage nach dem Verhältniß der syrischen Bibel-übersetzungen zu einander von neuem zu untersuchen. DiesemZwecke dient auch vorliegende, mit philologischer Gewissen-haftigkeit geleistete Arbeit. Das Ergebniß der Untersuchung,das wohl allgemeine Anerkennung finden dürfte, ist dieses: daßder Ooäsx Lzwns Liuellticus und der Ouretonianns zwei Re-censionen eines und desselben Textes seien, wobei der erst-erwähnte der ältere ist. Die Peichitta, die bis 1858 für dieälteste syrische Uebersctzung galt, ist demnach eine um 400 ent-standene Umarbeitung älterer syrischer Uebnlragungen, währendder ncnentdeckte Codex gegen Ende dcö 2. Jahrhunderts ent-standen sein dürste, also von großem Werthe ist. Druck urzh