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Tabari (lebte 839—921), welcher in einer, biszum Jahre 302 d. H. (— 914 n. Chr.) reichenden Welt-chronik verschiedene Berichte über Alexander zusammen-stellt, nicht ohne allerlei Widersprüche und Wiederholungen.Hauptquelle ist ihm hier Hischam Jbn Muhammed (gest.820 ca.), einer der eifrigsten und gelehrtesten Logo-graphen (bekannt durch seine Ueberlieferung und Bear-beitung der von Jbn Jshak sgest. 768) verfaßten Lebens-geschichte Mohammeds ).
Jakubi schrieb (um 680 oder 890) ein „Buch derLänder" °) und eine Geschichte^) bis zum Chalifat desMutamid (869) mit schiitischer Tendenz.
Abu Hanifa ad Dinavari (gest. 895/6), dessen„Buch der langen Geschichten" °) eines der frühesten unserhaltenen größeren arabischen Geschichtswerke ist unddie Omajadenzeit und die Geschichte der drei Abbasiden bis Al Mutassim in aphoristischer Weise behandelt.
Jbn al Fakih al Hamadani (um 900), Verfassereines geographisch-belletristischen Werkes.
, Eutychius, auch unter seinem arabischen NamenSaid Jbn Batrik bekannt, 934—950 melchitischerPatriarch von Alexandrien , gibt eine ziemlich ausführliche,sich größtentheils mit der der moslimischen Chronistendeckende Darstellung der Geschichte Alexanders?)
Masudt (geb. um 900 zu Bagdad , gest. 957 zuKairo ). Eine Fundgrube für die Culturgeschichte des Orientssind seine muruäs „Goldene Wiesen" ?) (Aus-
zug aus seinem umfassenderen Werke aestdar u1-26inan,„Nachrichten der Zeit"). Wo er von den griechischenFürsten spricht, erzählt er Alexanders Abstammung undThaten in Uebereinstimmung mit dem übrigen Oriente.
Harns« von Jzfahan (gest. 987), Verfasser deruniversalhistorischen „Aussagen" oder „Geschichten" (An-nalen) b), ausgezeichnet durch seine hervorragende Kenntnißvon Perfiens Sagen, der streng historischen Anforder-ungen immerhin mehr entsprach als seine Vorgänger.(Mit ihm begann man bereits die hergebrachte Hadith-form der Darstellung aufzugeben.)
Zu erwähnen sind noch von den jüngeren wos-limischen Chronisten: das persische Geschichtswerk Lluä-sostmil attavarioli (gsschr. 1126), auf Hamsa , Firdufi(s. unten) und einem unbekannten Alexanderbuche be-ruhend; Jakut (gest. 1229), von griechischer Abkunft,Verfasser zweier großer geographischer Wörterbücher ^),und der christliche Araber Jbn Amid (gest. 1273), dervielfach dem griechischen Romane folgt. Mit diesemgriechischen Alexanderromane waren auch die Perser mitder Zeit bekannt geworden durch eine in der letzten Zeitder Sassanidenherrschaft geschehene Uebersetzung des Pseudo-kallisthenes in das Pehlewi (alte Sprache Westpersiens,aus persischen und semitischen Elementen gemischt), welchePehlewi-Uebersetzung später in's Syrische übertragen wurde.
(Fortsetzung folgt.)
°) Hrsg. u. mit einer Einleitung versehen von de Goeje inder »Bibliotlieoa xeoxrapdorum arabieorum«. 6 Bde. Leyden1870-1889.
*) HrLg. v. HoutSma, 2 Bde., Leyden 1883.
°) HrSg. v. Wladimir Girgaß, Leyden 1883.
b) Besonders berühmt war er auch wegen seiner medizin-ischen Kenntnisse. — In arabischer Sprache schrieb er Annalenvon Erschaffung der Welt bis zum Jahre 910 und eine Ge-schichte Siziliens von der Zeit der Sarazcnenlicrrschaft an.
Arab. u. franz. brög. v. Barbier de Meynard u. Pavctde Courtaillc, Paris 1881—1865, 4 Bde.
°) Lnualinm iibri X, arab. und latcin. von Goitwald,Leipzig 1844—48.
Recensionen und Notizen.
k. Ein philologisches Unicum. Der ungarischeUnivcrsitätsprofcssor Sigmund Simonyi, Mitglied der un-garischen Akademie der Wissenschaften, ist der Verfasser einesdickleibigen (VIII -j- 456 S.), von der Akademie preisgekröntenBuches (gr. 8°), das in Budapest im Verlage der Franklin«Gcsellschast um theueren Preis (4 fl.) vor einigen Wochen er-schienen ist und neben einem ungarischen Titel (Xsmok simaZ-z-ar 82 ülä 8 ok . . .) auch einen deutschen führt, den wir,um zu zeigen, was uns in dem Buche versprochen wird, ganzhersetzen; er heißt: „Deutsche und ungarische Redensarten, vonder ungarischen Akademie der Wissenschaften mit dem Marczi-bäny-Prciö gekrönte Arbeit; ein Hilssbuch zum Uebersetzen auSdem Deutschen und zur Ergänzung der deutsch -ungarischenWörterbücher, aus den besten ungarischen Quellen bearbeitet."Das Buch enthält eine Auslese von Phrasen, lexikalisch (nachdem deutschen Alphabet) geordnet, jedoch ganz planlos, auf'sGeratbewohl gesammelt; oft fehlen unter einem Stichwort diealltäglichen Redensarten, sprichwörtliche Wendungen u. s. w.,während seltene, zufällig und in gar nicht eigenartiger Ver-bindung vorkommende lang und breit angeführt werden. Die„Quellen" sind wirklich aus das denkbar bescheidenste Maß be-schränkt. Doch, wir wollen lieber einen competcnten Kritikervernehmen, Professor Arpad v. Török in Budapest, den'Ver-fasser der „Ungarischen Sprachforschungen" (Budapest 1883),welcher, der deutschen wie der ungarischen Sprache gleich voll-kommen mächtig, daö erwähnte Bück in einer eigenen Bro-schüre (Budapest, Patria-Druckerei, 1896, 50 kr., 16 S. in 8°)bespricht, die den Titel führt „Ein preisgekröntes Unicum" unddaS Motto „Wir brauchen die frische Luft der Kritik" (BiSmarck).Die Sprache, die da Török führt, ist wahrlich gar nicht fein,aber vollauf verdient; nur ein flüchtiger Blick in Simonyi'sMachwerk genügt, um zu begreifen, daß in einem solchen Fallder Zorn dem Recensenten die Feder führen muß. Vor allemist der Umfang des Buches, womit sich der Verfasser den An-schein der Gelehrsamkeit und Bclesenhcit geben will, durch ganz«»nöthige Wiederholungen erreicht worden, die des Lesers Ge-duld auf eine harte Probe stellen. Auf die zahlreichen Sprach-schnitzer und Ungereimtheiten im ungarischen Text läßt sich derRecensent mit Rücksicht auf deutsche Leser gar nicht ein; da-gegen führt er auf 10 Seiten eine stattliche Liste der greulichstendeutschen Sprachfehler au, die sich nach unserer Durchsicht nochganz erheblich vermehren ließe, und beweist, daß der Verfasserdes „preisgekrönten Unicum" nicht einmal die Elemente derdeutschen Sprache versteht. Ein sauberes „Hilssbuch zum Ucber-setzen", in dem es von Fehlern nur so wimmelt! Nicht zustark ist es, was v. Török am Schlüsse des Sündenregisterssagt: „Ich bin zu Ende. — Die preisgekrönte Arbeit hat sich,wie der Leser sieht, als ein Schund- und Schandweik ohne
Gleichen entpuppt.-" Es läßt sich gar nicht bezweifeln:
„das preisgekrönte Unicum ist ein unbrauchbares Sammel-surium; die darin in Menge vorkommenden, zum Theil geradezufabelhaften Verstöße gegen die Rechtschreibung und die Sprach-lehre stempeln dasselbe zu einem Machwerke, das nicht seinesGleichen hat." Empörend ist nur dabei der Gedanke, wieManche durch ein solches Buch nicht nur um ihr gutes Geldbetrogen, sondern auch wissenschaftlich irregeleitet werden; dieWißbegierde des strebenden Menschen ist denn doch zu achttmgs-würdig, um sich derartig mißhandeln lassen zu müssen. Wassoll man aber von einer Akademie sagen, die ein solches „Sckmnd-und Schandwerk" mit einem Preise krönen konnte? ProfessorTörök aber hat, der Wahrheit dienend, nur eine edle Tbat voll-bracht, wenn er das Unglücks-Buch gebührend beleuchtet hat,denn auch das ist Pflicht und Verdienst der Kritik, solchen Er-zeugnissen die Larve angemaßten Werthes erbarmungslos herunterzu reißen. Simonyi will auch ein „Wörterbuch" erscheinenlassen, wie er in der ungarischen Vorrede bemerkt. Auch daSwird sicherlich ein -Unicum 8ui xensri3« werden! Eine „Un-garische Grammatik" (Budapest 1879-80) besitzen wir bereitsvon ihm; ihr gebührt, sagt Arpad von Török mit Recht „dasrare Verdienst, die so vernünftig gebaute, wie Krystall so durch-sichtige, kunstvoll wie von einer Meisterhand gegliederte, bis inihre kleinsten Bestandtheile so verständliche ungarische Sprachezur verworrensten, unbegreiflichsten, widersinnigsten, unnatür-lichsten auf Gottes Erdboden gemacht zu haben!" Nun, d»haben wir trotz H. Schuchardt's Recension („Littcrar. Central«blatt 1895 Nr. 51) auch auf Simonyi's neue historisch-kritischeGrammatik (Mristeg maxz-ar nzwlvtan türtsnslmi alapvll:I. Linear dang'tcm es rrlalrtan. 1896. 8°, pp. 734. ü. 6) garkein rechtes Vcnrauen und wird dem großen „Sprachgelehrten"auch an dem »UsLieon Uu§uas üuuMteas asvl aukilluivris«