in Hansjakob verwandte Saiten erklingen ließ. Einesystematische Philosophie auf Grundlage der großen mittel-alterlichen Aristoteliker, wie sie in Bayern jeder Theologestudirt, kennen zu lernen, hatte er auf der Universitätso wenig Gelegenheit, als wir 23 Jahre spater. Wasman aus der neueren Philosophie an der Universitäthörte, blieb von uns unphilosophischen Hörern meist un-verstanden, wohl zu unserm Glücke, denn wer weiß,welche Förderung (!) unser theologischer Beruf durch diemoderne Philosophie erfahren hätte, wenn unser Geist inalle ihre Jrrgänge eingeführt worden wäre, ohne daßecht philosophische Schulung uns den Ausweg aus demLabyrinthe gewiesen hätte.
Im Herbste 1803 gelangte Hansjakob an das Zielseiner Studien und erhielt im einsamen Priesterscminarder Diöcese Frciburg, in St. Peter auf dem Schwarz-wald, die hl. Weihen. Neben seinen theologischen Studienhatte er auf der Universität mit Eifer Philologie studirt,Mit so glücklichem Erfolge, daß er als Ncupriester schonim November 1863 das philologische Staats- und Pro-fessoratsexamen in Karlsruhe als 4. unter 12 Kandi-daten, im lateinischen Stile der erste von den zwölfen,bestand.
Das eine kurze Inhaltsübersicht über die fraglicheSchrift Hansjakob's. Eine ganze Reihe heiterster Epi-soden aus dem Studentenleben beleben die Erzählung,bei passender Gelegenheit finden sich ernste pädagogischeund philosophische Betrachtungen, sowie sehr beachtens-werthe Notizen für Seminarvorsiände eingewobeu usw.
Außer den schon erwähnten eigenthümlichen An-sichten über scholastische Theologie und Philosophie kannbesonders die geschilderte Entwickelung seines Kneip-genie's die negative Kritik herausfordern.
Schneidige Temperenzler werden mit Abscheu sichdavon abwenden, gestrenge Philister und Moralistenwerden über derartige Reminiscenzen eines kath. Geist-lichen kurzerhand den Stab brechen, wir selbst wollenurtheilen nach dem Worte: „Wer ohne Schuld ist, werfeden ersten Stein auf ihn."
Keinen Stein aber erhebe, wer vom 12. Jahre anim Seminar aufgewachsen ist; wo keine Gelegenheit zumGegentheil, soll man nicht so viel von Tugend reden.
Keinen Stein werfe, wer noch als Pfarrer in derDorfkneipe bei Bier und Spie! zu sitzen beliebt; Hans-jakob hat in jugendlicher Begeisterung gehandelt, nachdem Studentenlied:
„Laßt Bacchus und Gambrinus leben!"
als Geistlicher aber hat er das Wirthshaus und seitvielen Jahren auch den Biergenuß ganz gemieden, dasRauchen hat er schon als Theologe aufgegeben.
Vergessen wir dann nie die Ursache, die den Gym-nasiasten zum Becher greifen ließ, und wir werden unsereSteine nach einer anderen Seite werfen.
Bei alledem möchten wir aber das schöne Buch,dessen Lektüre uns ungemein angezogen hat, der Jugendan unseren Mittelschulen nicht in die Hände geben, denn— vitirnrrr in vetiturn; wenn das Verbotene im Glänzedes glücklichsten studentischen Humors von einem kathol.Geistlichen geschildert wird, möchte das doppelt ver-führerisch wirken.
Akademiker aber werden an dem strebsamen Uni-versitätsstudenten Hansjakob ein schönes Beispiel treuerPflichterfüllung vor Augen haben und zugleich wegen derecht deutschen „Burschikosttät", wie sie zuvor an ihmsich gezeigt, das Vorbild um so lieber gewinnen
Und wir alte Philister werden ohne ollen Schaden,aber mit vielem Genuß und in angenehmster Erinnerungan manche „fidele" Stunde der schönen Univcrsitätsjahredie Reminiscenzen Hansjakob's lesen und ihm für die-selben dankbar fein, eingedenk des Wortes von Goethe :„Ich halte den, der seine eigene Biographie schreibt, fürden höflichsten aller Menschen."
Alexander der Große in der persischen undarabischen Literatur.
Von G. G.
(Fortsetzung.)
Der erste Mohammedanische Schriftsteller, der dieAlcxandersage (im uneigentlichen Sinne!) in seiner ganzenAusführlichkeit behandelte, ist der Homer des Orients,Nbul Käser» Mansur, mehr bekannt unter seinem Bei-namen Firdusi , d. i. der „Paradiesische". — ImJahre 940 zu Schadab, einem Dorfe in Khorassan, ge-boren, begann er in seinem 36. Lebensjahre sein Schah-name („Königsbuch", „Heldenbuch"), das Nationaleposvon Iran , und zog die Aufmerksamkeit des SchahMahmud I. aus der Dynastie der Gasanviden auf sich,von dessen Regierung an die Blütheperiode der persischenLiteratur datirt. Proben von Firdufi's Heldengedichtentzückten den Schah, einen persischen Mäcenas, so, daßer den Dichter sofort mit der Ehrenstelle des „Dichter-königs", einer dem persischen Reiche eigenthümlichen, voneben diesem Mahmud eingeführten Hofcharge, auszeichneteund ihm für jedes Tausend Veit (Doppelverse) 1000 Guldenin Gold versprach. Diese erhielt aber Firdusi, so erzähltdie Ueberlieferung, nach Beendigung seines 60,000 Doppel-verse umfassenden Schahname in Silber statt in Gold ausbezahlt, infolge der Intriguen seiner Neider. Inseinem Dichterstolze wies er das Angebotene zurück undentfloh in seine Heimath, wo er bald darauf starb, 1020.— „Hat Firdusi auch in dem Epos Jussuf und Suleika,welches er der die Geschichte Josephs und des WeibesPotiphars erzählenden 12. Sure nachbildete, dem Islam seinen Tribut dargebracht . . . ., so loderte doch mit un-geschwächter Kraft das Feuer des ParsiSmus in seinerSeele; in seiner Begeisterung für das sittliche Ideal desZoroasterthums und für die heroische Vergangenheit seinesVolkes war er ein glühender Ormuzdverehrer, und nie-mand war mehr geeignet, der epische Sänger Irans zuwerden, als er." *°) Das Schahname") umfaßt die Zeitvon dem persischen Alterthum bis znm Untergänge derSassanidcn, d. i. bis zur Eroberung Perstens durch dieAraber (636), also einen Zeitraum von ungefähr 2000Jahren, und zerfällt in zwei Theile, von denen der zweitedie in freier Dichtung sagenhaft ausgestattete GeschichteAlexanders desGroßen enthält. Ist es auch sicher,daß Firdusi für den älteren (ersten) Theil seines Werkesaus echt persischen Quellen geschöpft habe, so ist diesesdoch für den jüngeren (zweiten) Theil desselben, somitauch für die Darstellung der Alexandersage, nicht un-wahrscheinlich. Nach ihm finden in dem weltbezwingen-den Jskander (orientalische Benennung Alexanders ) dieuralten, rastlosen, auf Blutrache sich gründenden Bruder-
r°) Dr- P. Norrcnberg, Allgemeine Geschichte der Literatur.Münster 1882. Bd. I. S. 56.
") Jn's Deutsche übertragen von A. F. v. Schock: „Helden*sagen des Firdusi", Berlin 1851, „Epische Dichtungen FirdusiS",cbd. 1855, 2 Bde., beide zusammen als „Heldensagen von Jir-dust", 3. Aufl.. Stutigart 1877, 3 Bde.