Ausgabe 
(25.9.1896) 39
 
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kämpfe der iranischen Mhthenhelben ihre Lösung. Davorist Jskander dem Dichter, seiner Begeisterung für Alt-persien entsprechend, nur der rücksichtslose Eroberer undder Unterdrücker der vaterländischen Religion und Sitte.^)

Im diametralen Gegensatze zu Firdusi steht sowohlin seiner ganzen Anschauungsweise, wie insonderheit inBezug auf unsern Gegenstand der Meister der persischenRomantik, der hochberühmtc Nisami, ''eigentlich AbuMohammed Ben Jussuf Scheich Nisameddin, gest. 1180.Er hat mit den altiranischeu Traditionen und dem Par-fismus gänzlich gebrochen und huldigt voll und ganz demarabisch-islamitisch-indischen Zeitgeiste, was besonders derzunächst auf religiösen Ueberlieferungen des Islams be-ruhende zweite Theil seinesAlexanderbuches" kundgibt,in welchem er im Gegensatze zum ersten Theile, woer Alexander als Kriegshelden und Weisen besingt,deu Propheten Alexander schildert.

Der Dichter rechnet es seinem Helden zum großenVerdienste an, daß er als Anhänger derReligionAbrahams" die persischen Tempel zerstört, die Priester-schaft ausrottet und die heiligen Bücher und Feuerstättenvernichtet.

Außer einem lyrischen Werke, einem Divan (Samm-lung lyrischer Gedichte) von etwa 20,000 Versen, hinter-ließ er fünf unter dem Gesawmititel Pendsch-Kendsch,die fünf Schätze", oder Chamsse,Fünfer", bekannteEpopöen, die vornehmlich seinen Ruhm begründeten. Daszweite davon ist das schon erwähnteAlexanderbnch",Jskandername, das im Oriente großen Ruf genießt. Esumfaßt alle vom Dichter auffindbaren Elemente derorientalischen Alexandersage und ist das einzige WerkNisami's , in dem er ein wirkliches Heldengedicht schaffenwollte.^) Denn die übrigen bilden den Uebergang vomnationalen Heldenlied zur romantischen Epik.") Nach-bildungen dieses Chamsse machten im 15. JahrhundertMewlana Dschami und Hatifi , welcher aber die schonausgenützte Alexandersage durch ein Ttmurname ersetzte.

Von den Dichtern ist noch zu erwähnen MoslicheddinSaadi (geb. 1175 f1184S^ zu Schiras , gest. 1263),berühmt als Didaktiker, namentlich als Verfasser des inlieblicher Abwechslung von Prosa und Poesie geschriebenenGulistan, d. i.Rosengarten" ^), und des rein poetischenBostan, d. i.Frucht-" oderLustgarten", zweier Muster-bücher orientalischer Weisheits - und Sittenlehre?°) ImGulistan geschieht auch Alexanders des Großen Er-wähnung. Der Araber Sururi schrieb zu letzteremWerke einen Commentar"), in welchem er Saadi's An-

") Vergl. Dr. Fr. SpiegelDie Alexandersage bei denOrientalen". Leipzig 1851. S. 13 ff.

*') Ein äußeres Zeichen hicfür ist schon die Anwendungdes Metrum Mutakarib, das zum versno beroieus geworden ist.

") Vergl. Dr. Wilhelm Bacher, Nizami's Leben und Werkeund der zweite Theil dcS Nizami'schen AlexanderbncheS. Leipzig 1871.

") HrSg. mit Glossar v. Johnson, London 1877; deutschvon Ch. H. Graf, Leipzig 1816, und v. Nesselmaun. Berlin 1861.

")Gulistan bildet neben dem Koran noch heutigen TagSdie vornehmste Grundlage des persischen Unterrichts, dessenschlüpfrige Erzählungen und moralische Epigramme der persischeLehrer seinen Schülern mit dem Baculus auf die Fußsohleneinzublcicn pflegt." Norrenberg, a. a. O. S. 62. Saadi 'öEhasclcn beißen die Orientalen dasSalzfaß der Dichter".

") Einen Auszug dieses noch unedirtcn Commentars ent-hältCaspari, Grammatik der arabischen Sprache", Leipzig 1866, im Anhange, woraus die später in Uebcrsctzung anzu-führcndcn Stellen entnommen sind.

gaben über Alexander weiter ausführte, früheren Schrift-stellern nacherzählend.

Es erübrigt uns noch, den Koran anzuführen.Derselbe zählt Alexander unter den vormohammedanischenProphetengestalten auf, deren Auftreten der arabische Ne-ligionsstifter zum Beweise dafür dienen läßt, daß Gottkein Zeitalter ohne Vertreter seiner Wahrheit gelassenhabe?b) Nach ihm ist er ein Gottesheld, der auf seinenZügen vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Nieder-gänge auf Geheiß Allahs die sündigen Völker straft undzum Islam bekehrt. Diese Korangeschichte, welche inausführlicher Weise nur den eisernen.Wallbau gegen dienordischen Barbarenvölker Gog und Magog erzählt (sieheunten), schmückten die Koranerklärer, welche zugleich Ver-mittler der Sunna (Tradition), d. i. der AussprücheMohammeds und der ältesten Jmame, waren, weiter aus,vielfach ebenso wie Mohammed selbst, einer syrischen Les-art des Alcxanderromans folgend. Der Umstand, daßim Koran Alexander der Große nicht mit seinem üblichenorientalischen Namen Jskander, sondern mit seinem Bei-namen vsrr-I-HLrnairi, d. i.Zweigehörnter", genanntist, wozu noch das Mißbehagen mancher islamitischer Ge-lehrten an dieser Glorificirung eines heidnischen Königskam, veranlaßte schon einige arabische Schriftsteller, dieIdentität diesesZweigehörnten" mit dem geschichtlichenAlexander zu leugnen, und sie trennten entweder denWelteroberer Alexander von Macedonien von dem Pro-pheten Dsul-karnain, oder nahmen zwei Alexander an,von denen der zweite, der Prophet, auch den BeinamenDsul-karnain führe. Es läßt sich ja wohl denken, daßMoslime, die aus wirklichen GeschichtswerkenNäheres über Alexander den Großen vernommen hatten,in Zweifel gcriethen, ob denn wirklich derZweigehörnte"des Korans derselbe sei, wie jener macedonische Heide.Uebrigens gab es auch europäische Gelehrte, welche dieIdentität bestritten.^) Da es jetzt aber sicher ist, daßMohammed die ganze im Koran enthaltene Erzählungauf mündlichem Wege ^°) aus christlich-syrischen Alexander-legenden erhalten hat, wie noch andereHeiligen "geschichten(z. B. die von den Siebenschläfern), und da gerade dieseErzählung in der syrischen Gestalt Jskander Dsul-karnainzum Helden hat, so kann man ohne Bedenken denZwei-gehörnten" des Korans mit dem Alexander der Geschichte,bezw. des Romans oder der Legende identificiren.^)(Fortsetzung folgt.)

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Dr. Hubert Grimme, Mohammed, II. Theil. Münster i. W. 1695. S. 79.

") So Spiegel, a. a. O. S. 57 ff.

2 °) Nach der Ueberlieferung soll ja der Prophet bei seinerHandelsreise nach Syrien mit Christen in nähere Berührunggekommen sein, so mit dem Mönch Nestor oder Bahlra. der demjungen Handelsmanne seine zukünftige Prophetcnwürde voraus-gesagt habe.

-') Vergl. Dr. Gramme, a. a. O. S. 33 u. 97. NLldcke,Beiträge zur Geschichte dcö Alcxanderromans. Wien 1890. S. 32.

Verantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Erabherr in Augsburg .