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Gebete als ungenügend erweist, sei statt aller um dereine Grund angeführt, daß aus ihnen Alles entfernt ist,was ini katholischen Ritus so klar Würde und Amt desPriesterihums bezeichnet. Es kann also für das Sacra-ment eine Form nicht Passen und hinreichen, die geradedas verschweigt, was sie recht eigentlich ausdrücken sollte.
Mit der bischöflichen Cvnsccration steht es ebenso.Denn nicht nur wurden der Formel „Empfang' denheiligen Geist" erst später die Worte „zum Amt undWerk eines Bischofs" hinzugefügt, sondern diese sind auch,wie Wir alsbald zeigen werden, anders zu beurtheilen,als im katholischen Ritus. Es nützt auch nichts, sichauf das Eingnngsgebet „Allmächtiger Gott" zu berufen,da aus diesem gleichfalls die Worte entfernt sind, welchedas „oberste Pricsterthnm" aussprechen. ES ist hiernicht der Ort, zu erforschen, ob der Episkopat die Er-gänzung des Priesterthums oder eine von diesem ver-schiedene Weihe sei, oder ob er, wie man sich ausdrückt,„sprungweise", nämlich einem Nichtpricster ertheilt, Geltunghabe oder nicht. Aber jedenfalls gehört er nach der Ein-setzung Christi dazu und ist das Priesterthum auf der oberstenStufe und wird darum bei den heiligen Vatern und inunserem Ritus das „oberste Priesterthum, der Inbegriff
h-'liaen Dienstes" genannt. Daraus folgt, daß,weil das Weihesacramenr üüd daZ wahr? PriesterthumChristi aus dem anglikanischen Ritus gänzlich ausgemerztist und darum bei der bischöflichen Consecration nachdiesem Ritus auf keine Weise ein Priesterthum verliehenwird, auch auf keine Weise ein Episkopat wirklich undgiltig verliehen werden kann, uwsoweniger, weil es zuden ersten Obliegenheiten des Episkopats gehört, Priesterzu weihen zum Dienste der heiligen Eucharistie und desheiligen Opfers.
Zur richtigen und vollständigen Beurtheilüng^desanglicanischen Ordinate gelangt man aber, abgesehen vonden obigen Bemerkungen über einzelne Abschnitte des-selben, erst, wenn man wohl in Betracht zieht, unterwelchen Umständen es zustande gekommen und eingeführtworden ist. Es wäre zu weitläufig und ist auch nichtnothwendig, auf die Einzelheiten einzugehen; denn dieGeschichte jener Zeit sagt es laut genug, von welcherGesinnung die Urheber des Ordinate gegen die katholischeKirche beseelt waren, wen sie sich aus den irrgläubigenSecten als Förderer herbeiriefen, worauf sie eS schließlichabgesehen hatten. Gar wohl wissend, welch enger Zu-sammenhang zwischen Glaube und Cultus , zwischen dem„Gesetze des Glaubens und dem Gesetze des Gebetes"besteht, verunstalteten sie die Liturgie unter dem Scheineder Wiederherstellung ihrer ursprünglichen Gestalt aufvielerlei Weise nach den Irrthümern der Neuerer. Darumkommt im ganzen Ordinate nicht nur keine ausdrücklicheErwähnung des Opfers der Consecration, des Priester-thums, der Gewalt zu consccriren und zu opfern vor,sondern eS wurden auch, wie wir oben angedeutet, allederartigen Spuren, die in den nicht völlig verworfenenGebeten des katholischen NituS übrig waren, absichtlichherausgenommen und entfernt. So ergibt sich von selbstCharakter und Geist des Ordinale. Da es nun obdieses ihm ursprünglich anhaftenden Fehlers nie und nimmerzur Ertheilung der Weihen verwendbar war, so konntees dies auch im Laufe der Zeit, weil es ja dasselbeblieb, nicht werden. Vergebens hat man sich bet Carl I.bemüht, durch Zusätze zum Ordinale etwas von Opferund Priesterthum einzufügen; vergebens auch strengt sichneuester Zeit ein nicht sehr großer Theil der Anglicaner
an, dem Ordinale einen gesunden und richtigen Sinnunterzulegen. Vergeblich, sagen Wir, waren und sindderartige Versuche, und zwar auch aus dem Grunde,weil, wenn auch einige Worte im englischen Ordinale,wie es heute vorliegt, zweideutig sind, sie doch nicht den-selben Sinn haben können, wie im katholischen NituS.Denn ist einmal, wie wir gesehen, der NituS in einerWeise geändert, daß dadurch das Sacramcnt der Weihegeleugnet oder gefälscht wird und der Begriff der Con-secration und des Opfers gänzlich verschwindet, so wirdbedeutungslos die Formel: „Empfang' den heiligen Geist",welcher Geist doch mit der Gnade des Sacramentes derSeele eingegossen wird; ebenso bedeutungslos sind danndie Worte: „zum Amt und Werk eines Priesters" oder„eines Bischofs" und ähnliche, die eben nur Worts sindohne die Sache, die Christus eingesetzt hat. — Die Kraftdieses Beweises erkennen selbst die meisten Anglicanerund halten es in genauer Auslegung des Ordinale Den-jenigen entgegen, die, dasselbe in neuer Weise inter-preiireud, in eitler Hoffnung den nach ihm ertheiltenWeihen einen ihnen nicht zukommenden Werth und Kraftandichten. Durch dieselbe Beweisführung fällt auch dieBehauptung Derjenigen zusammen, die da meinen, alsrechtmäßige Form der Weihe könne daS Gebet genügen:„Allmächtiger Gott, Spender aller Güter", das im Ein-gänge der rituellen Handlung steht, das allerdings viel-leicht genügen könnte in einem von der Kirche gebilligtenkatholischen Ritus. — Mit diesem Mangel in derForm hängt eben innig zusammen der Mangel inder Intention, die beim Sakramente ebenso noth-wendig ist. Ueber die Absicht oder Meinung, soweit sieetwas Inneres ist, urtheilt die Kirche nicht, allein soweitsie sich nach außen kundgibt, muß sie darüber urtheilen.Wenn nun Jemand bei der Verwaltung und Ausspendungeines Sacramentes die gehörige Materie und Form ernstund ordnungsmäßig angewendet hat, so wird selbstver-ständlich angenommen, daß er dasselbe thun wollte, wasdie Kirche thut. Auf diesem Grundsätze beruht die Lehre,es sei auch das ein wahrhaftes Sakrament, welches voneinem Häretiker oder Ungetauften, wenn nur nach ka-tholischem Ritus, gespendet worden ist. Wird hingegender Ritus geändert, in der offenkundigen Absicht, einenanderen, von der Kirche nicht angenommenen einzuführenund das zu verdrängen, was die Kirche thut, und wasnach der Einsetzung Christi zum Wesen des Sacramentesgehört, dann ist klar, daß nicht nur die zum Sakramenteerforderliche Intention fehlt, sondern daß eine demSacramente entgegengesetzte und widerstreitende Intentionvorhanden ist.
All dieses erwogen Wir lange und gründlich betUns und mit Unseren ehrw. Brudern, den Cardinülender Inquisition , die Wir zu einer eigenen Sitzung inUnserer Gegenwart beriefen, auf Donnerstag den 16. Juli,Fest der seligsten Jungfrau vorn Berge Carmel, diesesJahres. Dieselben erklärten einstimmig, die vorliegendeAngelegenheit sei längst vorn apostolischen Stuhle voll-kommen entschieden, durch die neuerdings angestellte Unter-suchung fei es aber um so glänzender ins Licht getreten,mit welchem Anfwande von Gerechtigkeit und Weisheitderselbe die ganze Sache zu Ende geführt habe. Indessenhielten wir es für das Beste, die Entscheidung zu ver-schieben, um noch wehr zu erwägen, ob es angemessenund nützlich sei, dieselbe Sache nochmals durch UnsereAutorität zu entscheiden, und um eine reichlichere Füllehimmlischer Erleuchtung zu erflehen. — Indem Wir dann