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in Betracht zogen, daß dieser Punkt der Disciplin, ob-wohl bereits dem Rechte gemäß entschieden, von Einigenaus was immer für einem Grunde zum Gegenständeeiner Controverse gemacht worden, und daß daraus fürnicht Wenige, die dort das Sacrament und die Wirk-ungen der Weihe zu finden glauben, wo sie keineswegssind, gefährlicher Irrthum fließen könnte, haben Wir imHerrn erachtet, Unsere Entscheidung zu erlassen.
Indem Wir daher allen Bestimmungen der Päpste,Unserer Vorgänger, in dieser Angelegenheit allseitig zu-stimmen und dieselben vollinhaltlich bestätigen und ge-wissermaßen durch Unsere Autorität erneuern, sprechenWir auS eigenem Antriebe und in sicherer Kenntniß ausund erklären, daß die nach anglikanischem Ritus vorge-nommenen Ordinationen ganz und gar vngiltig und nichtiggewesen sind und noch sind.
Es blieb noch übrig, daß, wie Wir im Namen und,n der Gesinnung des „großen Hirten" die ganz sichereWahrheit in einer so wichtigen Sache aufzuzeigen unter-nommen haben, in demselben Namen und Geiste Uns anJene wenden, welche die Wohlthaten der Weihen undder Hierarchie aufrichtig wünschen und anstreben. Bisjetzt vielleicht, obschon eifrig nach christlicher Tugendtrachtend, gewissenhaft in der göttlichen Schrift forschend,ihre frommen Gebete verdoppelnd, zögerten sie doch un-schlüssig und ängstlich bet der Stimme Christi, die sielängst in ihrenl Innersten ruft. Nun sehen sie wohl,wohin er sie in seiner Güte einladet, und wo er siehaben will. Wenn sie zu seiner einzigen Hürde zurück-kehren, dann werden sie wahrhaft die gesuchten Wohl-thaten und die daraus sich ergebenden Heilsmittel er-langen, zu deren Ausspenderin er die Kirche gemacht hat,gleichsam als beständige Hüterin und Verwalterin feinerErlösung unter den Völkern. Dann werden sie wahrhaft„Wasser schöpfen in Freude aus den Quellen des Heilands",seinen wunderbaren Sacramenten, durch welche die gläub-igen Seelen nach wahrhafter Nachlassuug ihrer Sündenin die Freundschaft Gottes wiederaufgenommen, mit demHimmelsbrode genährt und gestärkt und mit den kräftigstenHilfsmitteln zur Erlangung des ewigen Lebens versehenwerden. Möge sie, wenn sie wahrhaft nach diesen Güterndürsten, „der Gott des Friedens, der Gott alles Trostes"voll Güte ihrer theilhaftig wachen! — Unsere Mahnungund Unsere Wünsche gehen aber in größerem Maße Jenean, die in ihren Gemeinschaften als Neligionsdicnergelten. Mögen sie als Männer, die schon von amts-wegen durch Gelehrsamkeit und Ansehen hervorragen,denen gewiß die Ehre Gottes und das Heil der Seelenam Herzen liegt, vor Allem bereitwillig Gott, der sie ruft,folgen und gehorchen und so ein glänzendes Beispiel geben!Die Mutter Kirche wird sie sicherlich freudig aufnehmenund mit aller Güte und Fürsorge umfassen, da sie jagroße Seelenkrast und Edelmuih durch herbe und harteSchwierigkeiten in ihren Schooß zurückgeführt hat. Esläßt sich nicht aussprechen, welches Lob eben ob ihrerTugendkcaft ihrer wartet bei den Brüdern in der ganzenkatholischen Welt, welche Hoffnung und welches Vertraueneinst vor Christus beim Gerichte, welcher Lohn in seinemhimmlischen Reiche! Wir werden nicht ablassen, ihreVersöhnung mit der Kirche auf alle mögliche Weise zufördern, denn an ihr können sich, was wir lcbbaft wünschen,sowohl Einzelne als ganze Stände und Classen ein nacb-ahmungswertheS Beispiel nehmen. Inzwischen bitten und
beschwören Wir Alle um der Barmherzigkeit Gottes willen,daß sie den offenkundigen Lauf der göttlichen Wahrheitund Gnade in Treue zu fördern sich bestreben.
Wir bestimmen, daß gegenwärtiges Schreiben undAlles, was darin enthalten ist, niemals ob des Fehler-der Subrcption oder Obreption oder wegen Mangel-Unserer Intention oder wegen irgend eines andere»Mangels bekämpft oder angestritten werden kann, sondernstets giltig und in Kraft bleibt und von Allen, wasimmer für eines Grades oder Ranges, unverletzlich gericht-lich und außergerichtlich beobachtet werden muß, und er-klären für null und nichtig, was immer dagegen vonirgend Jemandem, unter was immer für einer Autoritätoder Vorwand, wissentlich oder unwissentlich unternommenwerden wöge, ohne daß irgend etwas dagegen auf-kommen soll.
Wir wollen aber, daß den Exemplaren diese-Schreibens, auch den gedruckten, falls sie von einemNotar unterzeichnet und mit dem Siegel eines kirchlichenWürdenträgers versehen sind, derselbe Glaube beigcmessenwerde, der der Kundgebung Unseres Willens beigcmessenwürde, wenn gegenwärtiges Schreiben vorgewiesen würde.
Gegeben zu Rom bei St. Peter, im Jahre derMenschwerdung des Herrn 1896, am 13. September, imneunzehnten Jahre Unseres Pontificats.
A. Card. Bianchi, C. Card. de Ruggtero.
Prodatarius.
Vidimirt
von der Curie aus. I. De Aguila Visconti.
Ort des Bleisiegels.
Regtstrirt im Secreiartat der Breven.
I. Cugnoni.
Alexander der Große in der persischen nndarabischen Literatur.
Von G. G.
(Fortsetzung.)
II.
Es ist schon mehrfach erwähnt worden, daß Alexanderder Große in der morgenländischen Literatur den BeinamenDsul-karnain führe, d. i. Besitzer zweier Hörner, Zwci-gehörnter, Doppelgehörnter. Erörterungen darüber, woherdiese sonderbare Benennung komme, finden sich in vielenarabischen Prosawerken und auch bei Nisami in der Einleitungzum zweiten Theile seines Jskandername. Eine Zusammen-stellung der landläufigen Erklärungen jenes Namens,welche von den verschiedenen Bedeutungen des WortesWru abgeleitet sind, gibt auch der schon genannte Com-mentar des Sururi zu Saadi'S „Rosengarten" und sagt,die einzelnen Ansichten auf ihren Werth abschätzend:
„Der Beiname Doppelgehörnter ist Alexander ge-geben worden, weil er über die Welt auf ihren beidenSeiten geherrscht hat, d. i. über das Morgen- und dasAbendland; oder weil er einst geträumt hatte, er ergreifedie beiden am Morgen zuerst sichtbaren Sonnenstrahlen(aaruaiir discii-sobsEi); oder weil er Zwei Lockenhatte und die Haarlocke auch gärn genannt wird; oderweil zu seinen Lebzeiten zwei Menschenalter aus starben— hingegen heißt es auch, er sei kurzlebig gewesen, wasnicht wahr ist; oder weil ihm die äußere und die innereWissenschaft gegeben war; oder weil er eindrang in daLLicht uns in die Finsterniß — aber der Gebrauch voninruaiir für die beiden Wissenschaften und für das Licht