317
einer bewaffneten Macht im Lande empfangen habe, daer doch keineswegs gewillt sei, sich gegen seinen recht-mäßigen Herrn, den Schah von Persien, aufzulehnen undihn zu bekriegen. Jskander wolle sich nur die Weltansehen, könne aber eines Heeres nicht entbehren, umetwaigen feindlichen Angriffen Stand halten zu können.Während die Gesandtschaft gut aufgenommen und ohneArgwohn geblieben war, wurde Jskander bei einem Gast-mahle, das der Schah ihm zu Ehren gab, unvcrmuthctentlarvt. Denn während desselben kamen die an Jskandernach Nom gesandten und von ihm abgewiesenen Botenvon ihrer Mission zurück und berichteten von der Ver-weigerung des üblichen Tributes. Sie erkannten in demangeblichen Gesandten alsbald Jskander und merkten,daß er ihnen mit einem Heere vorangceilt sei. Jskanderselbst, der es nicht mehr gerathen hielt, zu bleiben,machte sich schleunigst auf die Flucht und entkam. SeinPlan, das persische Lager auszukundschaften, war ihmgelungen. Acht Tage lang standen sich die Heere kampf-bereit am Euphrat gegenüber, am achten Tage wehteden Jraniern der Wind Sand in die Augen, und sieflohen über den Fluß zurück. Auch in den folgendenSchlachten konnte Darms nichts gegen Jskander aus-richten, mußte ihm seine Hauptstadt überlassen und ent-floh in entlegene Gegenden. In einer neuen Schlachtsiel er aber einem Meuchelmorde zum Opfer, dessenThäter zwei treulose persische Offiziere waren, die sichdurch Ermordung ihres Königs bei Jskander angenehmzu machen glaubten, den König während der Schlachtvon rückwärts überfielen und ihn tödtlich verwundeten.Jskander traf seinen Gegner noch lebend und wurde vonihm gebeten, die Mörder zu bestrafen, seine Angehörigenund Unterthanen zu schonen, gerecht zu regieren undseine Tochter Nosanck zur Gemahlin zu nehmen. Jskanderversprach ihm, alles nach bestem Können auszuführen,ließ die beiden Offiziere hängen, Darms mit königlichemGepränge begraben, sich von ganz Persien als recht-mäßigen Nachfolger desselben anerkennen und feierte mitNosanek eine prunkvolle Vermählung. — Dinawari undandern zufolge habe Alexander die Mörder selbst bestellt,aber dieselben nach dem Tode des Darms über seinemGrabe an's Kreuz hängen lassen und, als sie sich daraufberiefen, er habe ihnen ja verheißen, sie über alle seineHeerschaaren zu erheben, gesagt: „Das thue ich jagerade."
Von Persien wandte sich Jskander nach Indien.Dort herrschte der König Keid. Ein Eremit rieth ihm,sich mit dem nahenden Jskander in keinen Krieg einzu-lassen, sondern ihm vier kostbare Dinge zu schenken,nämlich seine Tochter, einen Philosophen, einen Arzt undeinen wunderbaren Becher, dessen Wasser nie abnahmund weder vom Feuer noch von der Sonne erhitzt wurde.Als Jskander einen Gesandten zu Keid schickte, der ihnzur Unterwerfung auffordern sollte, sagte dieser zu undlieb dem Jskander vier Kleinodien anbieten. Letztererwilligte ein und ließ dieselben durch sechzehn weise Männerabholen. „Das erste Kleinod, die Prinzessin, übertrifftwirklich alles an Schönheit, was Jskander je gesehen;aber auch die übrigen Geschenke erweisen sich als nichtminder werthvoll. Mit dem Philosophen läßt sich Jskanderin einen spitzfindigen Wettstreit ein, in welchem aber derInder zuletzt Sieger bleibt. Jskander schickt ihm nämlicheinen Becher voll Fett und befiehlt ihm, die Gliederdamit zu reiben. Der Philosoph schickt ihm den Bechermit Nadeln gefüllt zurück. Jskander läßt nun aus den
Nadeln einen Siegelring anfertigen und schickt diesen anden Weisen. Dieser fertigt aus dem Siegelringe einenMctallspiegel und schickt ihn dem Jskander. Jskandersetzt den Metallspiegel so lange unter Wasser, bis errostig wird, und schickt ihn dem Weisen zurück. Dieserpolirt ihn und schickt ihn auf'S Neue an Jskander. DerSinn dieser Unterhaltung durch Zeichen soll folgendersein: Durch den Becher mit Fett deutet Jskander an,daß er im eigenen Lande Philosophen genug und ihreWissenschaft sich zu eigen gemacht habe, weßwegen ernicht fremder noch bedürfe. Die Nadeln sollen bedeuten,die Worte des Weifen seien fein und durchdringend, daSHerz Jskanders aber finsterer als Eisen. Zuletzt willJskander andeuten, sein Herz sei voll Nost geworden, derPhilosoph erbietet sich, es wieder zu reinigen. Nach dieserglänzenden Probe der Geschicklichkeit des Philosophen kommtder indische Arzt an die Reihe. Auch er ergeht sich ineiner Anzahl der trivialsten medizinischen Betrachtungen,welche für tiefe Weisheit gelten sollen.^)
Hierauf zog Jskander gegen Für (den Porus derAlten), einen andern König von Indien, der eine fried-liche Unterwerfung verweigerte und ihm eine Schlachtlieferte. Jskander wandte gegen die Elephanten in Fnr'sHeere folgende List an. Er ließ eherne Statuen an-fertigen, mit Waffen behängen, mit Naphtha und Schwefelfüllen und denselben anzünden und die Erzbilder aufHebeln und Wagen den Elephanten entgegcnschieben.Diese stürzten auf sie zu und umschlangen sie mit vor-gestrecktem Rüssel. Da verbrannten sie sich, wandten sichum und zersprengten und vernichteten die indischen Neiter-schaaren (Jakubi). Da aber die Schlacht trotzdem keineEntscheidung herbeiführte, bot Jskander dem Für einenZweikampf an, in welchem der Inder trotz seiner riesen-haften Größe und Stärke unterlag.
Alexander zog auch nach Arabien , «achte eine Wall-fahrt zur Kaaba und zum Hause Abrahams und befreiteMekka und ganz Jemen von dem Tyrannen Chosaa, demNachfolger Gahtan's, der sich nach Jsmaels Tode derheiligen Stätte mit Gewalt bemächtigt hatte.
(Schluß folgt.)
68. Versammlung deutscher Naturforscher undAerzte.
In dem festlich geschmückten Fcstmale des SaalbaueS ver-sammelten sich heute früh die Theilnehmcr an der 68. Ver-sammlung deutscher Naturforscher und Aerzte. Es mochtenetwa 2500 Männer der Wissenschaft der Eröffnung beiwohnen.Pünktlich um 9 Uhr erschien in der für sie reservirten Loge dieKaiserin Friedrich . Der Geschästsfübrer der Gesellschaft, Pros.Dr. Moritz Schmidt (Frankfurt a. M-), richtete an den hohenGast eine kurze Ansprache.
Nach einer Reihe weiterer Begrüßungen sprach Professorvr. weck. Hans Büchner (München ) über Biologie undGesuudheits lehre. Die bisherige Thätigkeit der Hygienehabe sich auf die Verhütung von der Gesundheit drohenden Ge-fahren beschränkt, und es müsse demgegenüber gefragt werden,ob diese negative prophylaktische Thätigkeit die ganze Aufgabeder Hygiene ausmache. Der Vortragende bespricht den Standunserer gegenwärtigen biologischen Einsicht und erörtert ins-besondere die Frage der Zweckmäßigkeit der Naturvorgänge.Zweckmäßigkeit im natürlichen Geschehen der Natur bedeutenichts anderes als Nothwendigkeit. Die organisirten Lebewesentragen die Bedingungen ihrer Entwicklung nach sehr streng ge-setzmäßig vererbenden Eigenschaften in sich. Allerdings treffenwir auch scheinbar unzweckmäßige Erscheinungen, namentlichKrankhcitövorgängc. Aber auch hier müssen wir dasjenige, waSder Organismus aus innern Bedingungen entwickelt» scheiden
--) vr. Fr. Spiegel, a. a. O. S. 22.