Nr. 41.
9. Mt. 1886.
N
Professor Dr. Anton Walter 7.
* Am 1. Oktober starb zu Neichenhall, wo er ver-geblich Gesundung gesucht, Herr Professor Dr. Waltervon Landshut . Dem vortrefflichen Manne, dem auchdir Augsburger Postzeitung manchen schätzbaren litterar-ischen Beitrag zu danken hatte, widmet ein Freund inder „Landshuter Zeitung" folgenden ehrenden Nachruf:
„I-udoreinns!" »Laßt uns arbeiten!" So klang es,mit großer Begeisterung gesprochen, vor zwei Jahren inRegensburg durch die weiten Hallen des Erhardihausesaus Anlaß der Generalversammlung des Cäcilienvereines.Zur Zeit heißer Arbeitstage wurden diese Worte derAufforderung gesprochen von einem Manne, von einemPriester, dessen Leben mit den Schweißtropfen der Arbeitangefüllt war. Ein unfreundlicher Herbsttag hat diesesLeben nun ausgelöscht; der 1. Oktober hat uns denMann der Arbeit, Herrn geistlichen Rath und ProfessorDr. Anton Walter, in noch guten Jahren, im 52.Lebensjahre, hinweggenommen.
Das in regster Thätigkeit sich entfaltende Priester-leben, die allgemeine, von allen Kreisen der hiesigen Be-völkerung gezollte Verehrung, die hohe Werthschätzung,die der Dahingeschiedene nicht bloß innerhalb der Erz»diöcese München - Freising , sondern auch außerhalb der-selben, außerhalb der Grenzen Bayerns genossen, be-stimmen, an seinem Sarge ein bescheidenes Stränßchenpietätsooller Erinnerung niederzulegen.
Eine weite, in den Furchen reichgefegnete ArbeitS-strecke hat der Heimgegangene zurückgelegt, der Priesterdes Herrn, der edle Menschenfreund, der Dienerdes Heiligthums.
„Der edle Menschenfreund", wie der Pädagog BischofDupanloup von Orleans schreibt, »ist der Priester, derverständig unterrichtet und weise erzieht". ProfessorDr. Walter, der mehrere Jahre an der Lehrerbildungs-anstalt in Freising und 14 Jahre am hiesigen Gymnasiumwirkte, trug in sich den Geist und das Herz des edlenMenschenfreundes. Ausgestattet mit reichen GeisteSgaben,mit einem seltenen Wissen, mit einem hervorragendenGedächtniß, war er im Stande, seinen wichtigen Berufvoll und ganz auszufüllen.
Zeugniß von seiner Bildung liefert besonders dieim Jahre 1893 edirte Schrift »Der Religionsunterrichtan den humanistischen Gymnasien, Beitrag zur Didaktikund Methodik desselben", eine Schrift, die freilich auchmanche Kritik hervorgerufen, die ihn jedoch nicht be-leidigte, „aus der er zu lernen suchte".
Großes Gewicht legte Dr. Walter auf den apolo-getischen Theil dcL Religionsunterrichtes in der Oberklasse;er suchte seinen Zweck zu erreichen durch besondere, ausdem Pensum herausgehobene, in einem „Hilfsbüchlein"niedergelegte Thesen. Durch die ihm ganz eigene Lchr-gabe wußte er auch seine Schüler sich eigen zu machen.
Wie er nun auf den Verstand der Schüler einzu-wirken suchte, so strebte er, in seiner Herzensgüte, sichdenselben mitzutheilen und sie für ideale Bestrebungenempfänglich zu machen. Im „Trauner", einem populärenSchriftchen, reicht er der studirenden Jugend eine Gabe,durch die er sie vor den sittlichen Verirrungen mit allerWärme und Klugheit zu bewahren sucht. Durch denfeinen Takt und das sprechende Wohlwollen, das seinPrivatverkehr verrieth, wußte er so manchen Studirendeu
von dem Abgrund zurückzuhalten. Das Ansehen, das erin seiner früheren Wirksamkeit als Präfect im erzbischöfl.Knabenseminnr in Freifing in hohem Grade besessen,steigerte sich beim Neligionslehrcr am Gymnasium zumautoritativen Einfluß. Kein Wunder, wenn im Lehrer-rath das Wort des Neligionslehrers seine besondereGeltung gefunden, wenn der Ncctor und die Collegendas wohlwollende Wort des erfahrenen Lehrers zuwürdigen wußten.
Eine solche einflußreiche und verdienstvolle Thätig-keit auf dem Gebiete des Unterrichtes und der Erziehungblieb nun auch dem Blick des Oberhirten nicht verborgen.Es war hier eine allgemeine Kundgebung der Freude, alsdie Nachricht anlangte, daß »zum Christkind" Dr. Walterzum erzbischöfl. geistl. Rath ernannt worden. Ein reichesArbeitsfeld bewältigte dieser Dienst des Menschenfreundes.
Wie rege mochte sich nun die Arbeit im Dienstedes Heiligthums gestalten! I)r. Walter stellteseine Feder, seine gesummte verfügbare Zeit in den Dienstdes Heiligthums, der hl. Liturgie. Mir Recht konnte ereinem Gratulanten bei seinem 25jährigen Pnesterjnbiläum.zurufen: „Gottlob, 25 Jahre konnte ich nngeschwüchtmeine Kräfte in den Dienst der Liturgie stellen!" DieLlnsiaa, snora, die hl. Musik, war die hl. Muse, dieihn entzückte, welcher er diente mit der ganzen Juteusivitätseines Wirkens.
Ein Benroner Benediktiner erkannte ihm den Nameneines liturgischen Schriftstellers zu. Der würdevolle, kirch-liche Gesang, der sich innerhalb der von der Kirche ge-zogenen Grenzen bewegt, war das Ideal, für das erlebte. Mit großer Begeisterung vermochte er darum inseiner Studie über Gregor den Großen in den Historisch-politischen Blättern dem Begründer de§ GregorianischenGesanges einen würdigen Tribut zu zollen.
Für dieses ideale Streben war es nun von großerBedeutung, daß durch den Aufenthalt in LandShnt Dr.Walter mit dem Gründer und GeneralprüseS der Cäcilien-vereine deutscher Zunge, mit dem Canonicus Dr. Witt,in einen innigen Freundschaftsvcrkehr getreten. Der Wett-eifer Beider in der Arbeit an dem gemeinsamen großenZiel war gleichsam zu einem Unisono geworden, inwelchem Dr. Witt sein I'orto, I)r. Walter mehr sein?iano hervortreten ließ. Die Bedeutung und die Schöpfungdes Meisters Witt ward von seinem Freunde in einerBiographie in einer geradezu classischen Weise gewürdigt.Abt Jldefons Schober von Sekkau nennt diese eineMosaikarbeit. Zur Erreichung seines Zieles ist er ineinen immer mehr sich erweiternden Kreis von Freunden,den Koryphäen der kirchlichen Musik, getreten. Einentheilnehmenden, innigen Freund nannte er I»r. Haberl,den verdienstvollen Director der RcgenSburger Musikschuleund Forscher der Medicäa. Die Beuronischen Klöster mitihren KunstschSpfungen zogen ihn mächtig an. k. AmbrosKienle, unerschöpflich in seiner Geschichte der Musik,muß dazu auch das Seinige beigetragen haben.
Ein großes Verdienst erwarb sich I)r. Walterdurch die Zusammenstellung des Jahresberichtes über dieThätigkeit des Cäcilicnvereins in dessen Jahrbuch. Nursein großer Bienenfleiß, den die Liebe zur hl. Sachehervorgebracht, konnte das gehäufte Material beherrschen;sein klarer Kopf suchte stets eine interessante Uebersichtund nach Kräften ein objectives Urtheil zu verschaffen.
In verschiedenen kirchenmusikalischen^ Zeitschriften