Ausgabe 
(9.10.1896) 41
 
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so würde uns Spartianus die Geschichte lang und breiterzählen.

Ich habe bei den letzteren Punkten, besonders beider Besprechung des Grabens, absichtlich länger verweilt,weil gerade dieser Theil jetzt das Object der eifrigstenUntersuchungen ist.

(Fortsetzung folgt.)

Alexander der Große in der persischen undarabischen Literatur.

Von G. G.

(Schluß.)

Um dieselben Zeit regierte imWesten" (Spanien ,Andalusien) eine weise Königin, QuidLfa (nach einigenNuMbe von Berdaa), welche schon viel von Alexandergehört hatte und sein Bildniß zu besitzen wünschte. Sieschickte einen Maler nach Aegypten , wo sich Alexanderaufhielt, und ließ ihn heimlich Porträtiren. Inzwischenhatte aber auch Alexander von der Königin gehört undsuchte sich ihr Land zu unterwerfen oder tributpflichtigzu machen. Da er dies durch friedliche Unterhandlungennicht erreichen konnte, brach er selbst gegen Westen auf,erstürmte die Burg eines Vasallen der Königin Kidafaund erschlug ihn. Dann tauschte er in einem Divanseine Stellung mit der seines Vezirs, und der Vezirmußte, als Alexander verkleidet, den Schwiegersohn deserschlagenen Vasallen und feine Gemahlin, eine Tochterder Kidafa, zum Tode verurtheilen. Alexander aber batum das Leben der Beiden, der verkappte Vezir schenkteihnen das Leben und schickte sie mit Alexander als Ge-sandten an den Hof der Königin. Diese aber erkannteihn, da sie im Besitze seines Bildnisses war, entdecktejedoch ihr Geheimniß erst, als sie mit Alexander alleinwar, und nur ihm allein. Sie versprach ihm, das Ge-heimniß für sich zu behalten und ihn unversehrt zuseinem Heere zurückkehren zu lassen, falls er sie und ihreUnterthanen nicht weiter behelligte, und warnte ihn nurvor ihrem Sohne Tinos , der voll des bittersten Hassesgegen ihn sei, zumal als Eidam des ermordeten Fürvon Indien. In einer Versammlung der Großen desReiches, in welcher der angebliche Gesandte die Forder-ungen seines Herrn auseinandersetzte, kam er mit Tinosin heftigen Wortwechsel, welcher beinahe zum blutigen! Kampfe geführt hätte, wenn nicht der Gesandte dem, Tinos versprochen hätte, den Alexander selbst in seine' Hände zu liefern. Nun wurde er zu seinem Heere zurück-geleiiet, und als TinoS, dort angekommen, den, Alexanderin seine Gewalt zu bekommen hoffte, reichte ihm dieserdie Hand mit dem Bedeuten, hiemit lege er die HandAlexanders in die seiniae. Tinos ging verblüfft vondgnnen.

Auf dem Meere zog er weiter, dem Untergänge derSonne zu. An das Ende der Welt gelangt, fand erden warmen Quell, welcher aus dem Ocean hervor-sprudelt § (vergl. Koran Sure 18, 84:Als er denMiedergang der Sonne erreichte, fand er sie in einerwarmen Quelle voll schwarzen Schlammes untergehen").Mach dem Rathe der Weisen unterließ er das Befahren^deS Oceans, weil sein Wasser schwer wie Quecksilber sei,ein Ungeheuer berge, dessen Blick jeden Menschen tödte,und an seiner Küste zahlreiche Steine seien, welche un-widerstehlich Lachen erregten und den Tod verursachten.Krotzdem ließ er eine Ladung solcher Steine von LeutenMit verbundenen Augen holen und mitsammt einer Menge

gelben Sandes, an Farbe und Entzündlichkeit gleichSchwefel, mitnehmen, womit er später in einer Oase eineBurg aufzuführen befahl,welche schon viele Reisendevermöge der Wirkung des Steines und des Sandes umsLeben brachte".

Auf seinen weiteren Zügen durch die Länder derErde, auf welchen das Heer äußerst viel zu leiden hattevon Ungeheuern, Drachen, Schlangen, von Feuer undSchnee, in Wüsteneien und steinigen Gebirgen, gelangteJskander zu den Schwarzen von Habesch, welche dasHeer mit Steinen angriffen, zu den Weichfüßigen, welchedem Heere auf den Knien entgegenrutschten und es eben-falls mit Steinen bewarfen, zu den Brahmanen undGymnosophen Indiens, und zur Stadt der Frauen. Dieletztere bestand aus unzähligen Straßen, in jeder der-selben wohnten 1000 Jungfrauen; ein Mädchen, dassich verheirathen wollte, mußte auswandern.

Weiterhin kam Jskander zu den Wundergärten vonJram. Sie waren mit goldenen Bäumen bepflanzt,welche goldene Früchte und Juwelen trugen, die Teichewimmelten von Fischen von reinem Onyx. Mitten imGarten stand ein Palast von gleicher Pracht. Ohnedas geringste von den Schätzen mitzunehmen, verließAlexander daS Wunderland. (Gewöhnlich verlegt manJram nach Afrika .)

Auch die Quellen des Nils suchte Alexander auf.Sie liegen auf einem steilen, abschüssigen Berge, dessenFarbe grünem Glase gleicht und von dem der Nilstromherabfließt. Da die hinaufgeschickten Leute nicht mehrzurückkamen, beauftragte Jskander einen Mann, ebenfallsden Gipfel des Berges zu besteigen, das Gesehene aufeinen Zettel zu schreiben und denselben feinem, mit ihmbis zum Fuße des Berges gehenden und dort wartendenSohne zuzuwerfen. Dieser kehrte ohne den Vater zurück,jedoch mit der gewünschten Beschreibung. Auf einemschmalen, schlüpfrigen Pfade gelangte man nämlich zurSpitze des geheimnißvollen Berges, auf welcher auf dereinen Seite höllenschaurige Wüstenei, auf der andernparadiesische Gärten sich befanden, welche jeden An-kommenden durch ihre Zauberpracht bannten und ihmalle Lust zur Rückkehr nahmen. Ohne dem Heere etwasvon der verlockenden Schilderung mitzutheilen, eilteAlexander weiter.

Auf seinem Zuge durch denSüden" fand er dasDiamantenthal, das von einer Menge großer Diamantenerglänzte, aber auch voll von Schlangen war. Er ließdas zerstückelte Fleisch geschlachteter Schafe in das Thalhinabwerfen, die Diamanten blieben an dem Fleischehaften, und Raubvögeln, welche die Stücke zusammen-rafften, wurde die kostbare Beute abgejagt.

Fast in allen orientalischen Gestalten der Alexander-historie (auch in den abendländischen) wird die Geschichtevon der Reise Alexanders in das Reich der Finsternißund zum Quell des Lebens berichtet, jedoch mit mancherleiVariationen. In dieses Land dringt nie ein Sonnen-strahl; wer von jener Quelle trinkt, bleibt unsterblich.Alexanders Begleiter und Führer dorthin ist der ProphetChidr (Chifr). ^) Sururi's Kommentar zu Saadi'S

Chidr ist eine bei den arabischen und persischenSchriftstellern viel genannte und verschieden gedeutete Er-scheinung. Nach den einen ist er ein sagenhafter Feldherr einesalten persischen Herrschers, nach andern der Prophet Ellas,nach andern derewige Jude". Als solcher scheint er in fol-gender Erzählung gemeint zu sein, da er vorn Lebensquell trinktund sich so unsterblich macht. (Vcrgl. Rückertö Gedicht:Chidr ,