Heber die Entstehung, Anlage und Bedeutungder römischen Grenzmark in Deutschland .
(Fortsetzung.)
II. Anlage des Limes.
-o- Nachdem wir nun so die verschiedenen Anlagenihrer Aufeinanderfolge nach betrachtet haben, ist es an-gezeigt, dieselben d. h. vor allem den eigentlichenLimes nun auch in seinem Zuge und in seiner Be-schaffenheit etwas näher kennen zu lernen.
Die Teufelsmauer beginnt also unweit Hienheiman der Donau, überschreitet bei Kipfenberg die Altmühl ,zieht unter einigen stumpfen Winkeln nach Gunzenhausen,durchquert nochmals das Altmühlthal, wendet sich dannnach Südwcsten, geht über die Sulzach, die Wörnitz ,die Jagst und den Kocher, durch das Nemsthal bisnach Lorch .
Hier stößt fast senkrecht an die bisherige Strecke,welche auch den Namen rötischer Limes trägt, der so-genannte obergermanische Grenzwall an, läuft schnur-gerade etwa 92 stw weit bis nach dem WallfahrtsorteWalldürn , von dort unter mehreren kantigen Biegungennach Miltenberg am Maine .
Früher, ja eS ist noch gar nicht so lange her, warman der Ansicht, daß der Wall bei Freudenberg überden Main und durch den Sprssart gehe.
Allein von Miltenberg bis Großkrotzenburg bildetder Main selbst die Grenze, der Wall fehlt, und esfinden sich aus der linken Stromseite nur Thürme undCastelle, welche meistens gegenüberliegende Thäler be-herrschen, wie dieses die Ausgrabungen des Herrn Con-rady gnr Genüge bewiesen. Bei Großkrotzenburg , demFundorte einer Menge von römischen Alterthümern, standeine steinerne römische Brücke über dem Maine . Wieeine große Bastion drängt sich nun auf der anderen Seiteder Pfahl in das Land der Ehalten ein, um uach einemgroßen Bogen bei Nheinbrohl am Nheiue zu endigen.
Mit Ausnahme der älteren Rhein- und Taunus -linie, welche dem VolkSstamme der Chatten gegenübereinen mehr feindseligen Charakter trügt und sich denBodem^rhältnissen möglichst anpaßt, setzt die übrige Streckekühn über Berge, Füsse und Schluchten, liebt gerade undkurze Linien, die nur in großen Abständen durch stumpfeWinkel unterbrochen werden.
Der Pfahl rcpräsentirt sich gegenwärtig an denStellen seiner besten Couservirung als niedriger, abersehr breiter Erd- oder Steindamm. Der Graben istgrößtentheils ausgefüllt. Die Cultur und der Ackerbauhaben schlimm mit der Anlage gehaust, und dichter Waldwar bis jetzt der beste Schutz.
In Manchen Gegenden, besonders bei Thalübergängen,verliert sich jede Spur von ihm; doch sind dies meistensnur kleinere Strecken und fallen für die Gesammtforschungweniger in das Gewicht.
Der ober-germanische Grenzschutz hat ungefähr eineLängs von 368 lew, der Attische von 174 kin.
Was den Namen Teufelsmauer betrifft, so läßt sichdieser leicht in der naiven Anschauung des Landvolkeserklären, welches das ungeheure Wer? sich nicht aus na-türlichen Kräften entstanden denken konnte.
Für die Namen Pfohl, Pfahl, Pfahlhein, Pfahl-ranken gibt eS verschiedene Deutungen. So erblicktMorrmsen darin ein einfaches Lehnwort, das lateinische
Vnllnm, v. Cohausen denkt an Grenzpfähle, Schlag-bäume an Durchgängen, wahrscheinlich um ja nicht Pfahlmit den fabelhaften Pallisaden in Zusammenhang zubringen. Nachdem aber jetzt die vielgesuchten Holzresteglücklich an's Tageslicht befördert worden sind, dürfteder gewöhnlichen Erklärung auch nicht mehr viel imWege stehen.
Ich benutzte bisher meistens für den limes linötiermden Namen Teufelsmauer, für den übrigen Theil derGrenzmark die Bezeichnungen Wall oder Damm, da diesder Wirklichkeit mehr entspricht.
Denn in der That besteht der obergermanischeLimes zwischen Lorch und Nheinbrohl in einemWalle mit einem davorliegenden Graben, während wirauf der rätischen Strecke zwischen L o r ch und Hieri-tz e im eine Mauer vorfinden.
Das Profil des obergermanischen Limes läßt sichin Folge der vielfachen Zerstörungen nur schwer be-stimmen, doch dürfte man auf Grund der neuestenUntersuchungen eine Höhe von 2,50 bis 3 wr annehmen.Der Kamm des scheint ziemlich schmal gewesen
zu sein und konnte folglich, wie vielfach behauptet ward,schwerlich Pallisaden getragen haben. Ebenso fehlte demWalle eine Berme oder Wallgang. Die dem Nomer zu-gekehrte Seite war naturgemäß sanft ansteigend imGegensatze zu der in'L Feindesland schauenden steilerenAußenböfchung. Zum Baus ist nur Erde verwendet.
Auf der germanischen Seite lief vor dem Walleein Graben her, dessen Tiefe mit der Höhe des Dammesungefähr convenireu mußte, da sicherlich das Materialdes letzteren aus dem ersteren geschöpft wurde.
Mit diesem Graben dürfen wir jedoch nicht dasobenerwähnte Grenzgräbchen mit seinen Pallisaden ver-wechseln, welches in einiger Entfernung meistens vordem eigentlichen Wallgraben sich vorfindet.
Den rätischen Grenzschutz dagegen von Lorch bisnach Hienheim bildete eine wirkliche Steinmauer, derenHöhe etwas über 2 in, und deren Breite ungefähr1 m betrug.
Diese Bauart war jedenfalls bedingt durch diefelsige Zurabodenformatiou, in der besonders die Aus-hebung eines Grabens erheblich; Schwierigkeiten ver-ursacht hätte. Wohl aber waren die überall sich vor-findenden und leicht verwendbaren Kalkstücke für eineMaueranlage geeignet. Die Mauer ist natürlich nachfast 1700 Jahren nur sehr schwer jetzt als solche nochzu erkennen (am besten noch in Württemberg bei Ell-wangen) und ist meist zu einem regellosen Stcindamme! zusammengesunken. Schon Büchner hatte diese einstigeAnlage richtig erkannt, wenn er sagt: „Daß sie (die Mauer)gemauert und die Steine mit einer Art von Mörtel Zn-sammengelittet waren, davon kann sich ein jeder, welcherdiesen Grund untersucht, überzeugen," Dagegen vestreitcnPfarrer Mayer und nach ihm der Engländer JamesNatcs^) die Existenz einer Mauer, vor allem einer gs-mörtelten, und nehmen nur einen etwas regelrecht auf-geschichteten Steindamm an. Allein spätere, genau: N rch-forschnngen, unter anderen auch durch Ohlerrschtager,