Ausgabe 
(16.10.1896) 42
 
Einzelbild herunterladen

336

Grundlage bildet für die psychologischen GoiteSbcwelse. DieInnenwelt der Seele führt mit Sicherheit zur Annahm- Gottesals desjenigen Wesens, welches die allein hinreichende Ursacheder geistigen Thätigkeiten und daS allein hinreichende Zielgutder geistigen Anlage ist. Vom bedingten Bewußtsein der mensch-lichen Seele schließt der Ideologische GotteSbcweis aufdas absolute, sclbstbestimmtc, schöpferische Bewußtsein, auf Gott .Der Noetische GotteSbcweis geht auS von der Erkennt-niß des menschlichen Geistes, welche durch Uebereinstimmungmit der thatsächlichen Wirklichkeit zur Wahrheit gelangt, undschließt von hier aus die unbedingte Erkenntniß der ewigenWahrheit in Gott selber. Der Ethische Gottesbeweisschließt von der bedingten, heteronomen Sittlichkeit, wie sie sichim menschlichen Willen kundgibt, auf die absolute Freiheit undautonome Heiligkeit. Der Religiöse GotteSbcweis gehtaus von dem Gegensatze zwischen Verdienst und Schicksal,zwischen Sittlichkeit und Seligkeit, welcher wirklich in der Weltbesieht; von der Unfähigkeit des Menschen, daS Ideal der Ge-rechtigkeit durch den Ausgleich zwischen innerem Werth undäußerem Schicksal zu erfüllen, und schließt davon auf Gott alsjene ewige Macht, welche in absoluter Gerechtigkeit daS Guteallenthalben würdigt, unterstützt und einstens in angemessenerSeligkeit vollendet. Gelegentlich der einzelnen Gotlcsbeweisefinden der Materialismus, Pantheismus, Pessimismus und ihreverschiedenen Unterarten eingehendste Widerlegung. Des weiterenrechtfertigt sich der Verfasser auch gegen den seinem GotteS-begriffe der Selb st Ursache katholischerseits gemachten Vor-wnrs des innern Widerspruchs und der pantheistijchen Entwick-lung (S. 126144). Der drcieinigc Gottcsbegrifs deS selbst-ursächlichen Geisteslebens ist ihm der vollkommene Erklärungs-grund der Welt und aller Gegensätze wahre Vwiöhnung: Leben,Licht, Liebe! Damit ist die unermeßliche Ewigkeit mit frucht-barem Leben ausgefüllt; damit aber auch der Welt das strahlendeUrbild der freien Arbeit und reinen Thätigkeit gezeigt, durchwelche allein sie zu ihrer Vollendung und Beselignng empor-steigen kann. Arbeit und Liebe sind die zwei großen Ideale,von welchen die Lösung der socialen Frage zu allen Zeiten ab-hängt. Sind beide von göttlichem Adel, wie der drei-einige GottcSbegrisf bezeugt, so sind Arbeit und Liebe auch aufErden der einzig mögliche Weg zu wahrem Leben, zuwahrer Seligkeit und Vollendung.

Grundzüge der Metaphysik im Geiste deS heiligenThomas von Aguin. Unter Zugrundelegung derVorlesungen von Dr. M. Schneid, bischöfl. Lhcemns-rector in Eichstätt , herausgegeben von Dr. Jos. Sachs,Professor am kgl. Lyceum in Negensburg. Zweite, ver-mehrte und verbesserte Auflage, gr. 8, S. VIII, 253.Padcrborn 1896, Schöniugh. Preis 3 M.

U Achnlich den Grundzügen der Apologetik und Dogmatikvon Bautz liegen uns hier die Grundzüge der Metaphysik (On-tologie, Kosmologie. Anthropologie, Natürliche Theologie) vor,und zwar in zweiter, vermehrter und verbesserter Auflage. Dieerste Auflage wurde als Manuscript gedruckt und diente alsVorlage bei philosophischen Repetitiouen. Bei der neuen Auf-lage wurde neben dem Zwecke einer Vorlage beim Unterrichtezugleich dem Privatgebrauch mehr Rechnung getragen. DerHerausgeber ist Schüler des sei. Regens Schneid und tritt ganzin dessen Fußstapfen, Darum versteht eS sich auch ganz vonselbst, daß die Grundzüge wirklich im Geiste des hl. Thomasvon Aguin gehalten sind. Pietätvoll werden sie dem An-denken Schneids gewidmet. Sie zeichnen sich durch Klar-heit und UebersichtliLkeit aus und erfüllen durchaus den vor-gesetzten Zweck. Was uns nicht gefallen will und was wirfür eine neue Auflage geändert wünschten, ist zunächst der lang-athmige Titel, dann die BezeichnungAnthropologie" statt deralthergebrachtenPsychologie"; abgesehen davon, daß man ge-wöhnlich Anthropologie als die naturwissenschaftliche Lehre vomMenschen faßt. Bei der metaphysischen Psychologie sollen dieVermögen und Thätigkeiten der Seele aus ihrem Wesen ver-standen werden; deßhalb wäre dies voraus zu behandeln. Inder Ontologie fehlen die Vollkommenheiten des SeinS: Einfach-heit und^Zusammensetzung, Unendlichkeit und Endlichkeit, Noth-wendigkeit und Contingenz, Unveränderlichkeit und Veränderlich-keit, Möglichkeit und Unmöglichkeit. StattGleichung" (S. 20)hieße cS wobl besserGleichheit" oderGleichförmigkeit", stattkomplett" (S. 33, 73 und öfter)komplet". Bei der grund-legenden Wichtigkeit der Unterscheidung von Wesen und Daseinin den endlichen Dingen wäre ein bündiger Hinweis auf dieUnzuträglichkeit der gegen die Lehre des hl. Thomas (S. 16)

gebrachten Einwände am Platze. Diese beruhen nämlich aus-nahmslos auf einer Verwechslung der BegriffeWesen" undDasein", im letzten Grunde auf mangelhafter Analyse desSeinsbegrisses (vgl. Commer, System der Philosophie, 1. Buch,3. Kap., 8 3, 12; Astiara, Ontoloxia , D II, 6.1, L. VI (12);lädorators, OntoloZia, 6.1, III, n. 16, I; Commer, Jahr-buch. Bd. II ff.). _

Hilfsbuch zum Unterrichte in der biblischen Ge-schichte. Für Seminaristen und Lehrer bearbeitet vonC. Hoffmann, Seminar- und Neligionslchrer. Habel-sckwerdt, Franke's Buchhandlung. Preis brvsch. 2,40 M.,geb. 2,80 M.

05. Vorstehendes HilfSbuch will den Lehrer resp. Katechetenin die Lage versetzen, bei seiner jedesmaligen Vorbereitung aufden Unterricht in der biblischen Geschichte in verhältnißmäßigkurzer Zeit sich alles das anzueignen, was sür schulgerechte Bc-banvlung einer biblischen Geschichte noibwendig ist, ohne etwasWesentliches dabei zu übersehen. So sehr zu wünschen ist, daßder mnstergiltige Commentar zur hl. Geschichte von Knecht,oder das jüngst erschienene Handbuch von Dr. Beck sich in derHand eines jeden Lehrers und Katccbetcn befinde, so bleibt dochaußer Zweifel, daß im Sckiulleben Umstände eintreten können,welche die Lektionsverbercitnng n»b einem der erwähnten aus-führlicheren Commentare erschweren oder unmöglich machen.Für solche Fälle wird unser Hilfsbuch unbedingt gute Diensteleisten. Dasselbe schließt sich zunächst an Schuster-Mey an,ist aber auch sür jede andere biblische Geschichte verwerthbar.Jede Lektion zerfällt in Vorbereitung, welche den Zu-sammenhang der Geschichte mit dem Vorausgehenden kurz ver-mittelt, Erzählung, wobei die Gliederungspuukte in Stich-worten gegeben werden, Erklärung dessen, was in sprach-licher und sachlicher Beziehung eines Aufschlusses bedarf, undAuslegung, welche die in der Geschichte enthaltenen Lehrendarbietet mit Hinweisung aus den Deharbe'schen Katechismus;eine Nutzanwendung auf das christliche Leben, insbesondereauf das Leben der Kinder schließt die Lektion ab. Durch Ver-schiedenbeit des Drucks ist rasche Orientirnng über die Haupt-punkte sehr erleichtert. Unter der Einschränkung, daß durchdieses Hilfsbuch die bewährten umfangreicheren Kommentarekeineswegs erseht werden wollen, kann dasselbe für den dies-bezüglichen Unterricht in der Volks- und wohl auch in denunteren Stufen der Mittelschulen unbedingt empfohlen werden.

Historisches I a h r b u ch der G ö r r es gesel ls ch aft.Kommissionsverlag von Herder u. Cie., München . XVII.Jahrgang. 3. Heft.

Inhalt: Aufsätze: Mahr, Znr Geschichte der ältere»christlichen Kirche von Malta . Widcmann. Die PassauerAnnalen. Kleine Beiträge: Jansen, War das Herzog-thum Lothringen im M.-A. NeicbSleh» ? I 0 cichiins 0 hn, ZuGregor Heimburg. v. Funk, Rcnchlins Aufenthalt im KlosterDenkcndorf. Recensionen und Referate: Gothein,Jgnatius von Loyola und die Gegenreformation (Paulus).Reinhardt, Di- Correspondenz v. Als. n, Girol. Casati mitLeopold V. von Oesterreich (Pieper). LonIIot, I?o3pritpndl. u. Iss promisr. aunecs (Tbijm). Darmstädtcr,Das Neichsgut in der Lombardei (Meister). Neuere kirchen-rcchtliche Literatur (Gietl). Zeitfchriftenschau.Novitätenschau. Nachrichten.

Oauels Linus igiturl Licdersammlung sür Schüler höhererLehranstalten von E. Kosteiff. 6- (VII. u. 151 S.)Mainz . Kirchheim. 1896. In Wachstuchband gebunden1,20 Mark.

Alle Herren, welche mit der Erziehung der kathol. Jugendzu thun haben, wissen, welche Menge von CommerS- undanderen Liederbüchern in die Hände ocr Schüler höhererLehranstalten kommt, ihnen aber nur für Glaube undSitte Gefahr bringt. Es wird deßhalb von allen Interessentenfreudig begrüßt werden, hier eine Sammlung zu finden, dieohne Bedenken der stndirenden Jugend empfohlenwerden kann. Jugendlichem Frohsinn und Heiterkeit ist bei derZusammenstellung der 165 Lieder, die unter der Leitungdes Rectors eines bischöflichen KnabenconvictSbesorgt wurde, weitgehendste Rechnung getragen. Formatund Einband des ansehnlichen, preiswürdigen Büch-leins sind so eingerichtet, daß es zu gemeinschaftlichemAuS finge bequem mitgenommen werden kann. Für letzterenZweck sind auch 14 religiöse Lieder beigefügt, die beimBesuch von hl. Orten gesungen werden können. H.

von Haas L Erabherr in Augsburg .

l

Berantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg . Druck u. Verlag des Lit. Instituts