Ausgabe 
(16.10.1896) 42
 
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dieser Augen, die Beredsamkeit dieses Mundes, die Aus-dauer solcher Stirnen übersehen zu müssen glaubt.

Ja, es werden sicher auch Heuer wieder Stimmenlaut gegen die Samberger'sche Kunst, die in der Mappenur einen begeisterten Verherrlichet:, aber keinen Deutergefunden hat.

Die Bilder und Statuen der verschiedenen Stilartenhätten in ihrer Anpassung und Nachempfindung klarer ge-wacht werden sollen; bei Kolmsperger z. B. wäre einepassende Gelegenheit gewesen, dieses Künstlers vorzüglicheKenntniß des Barockstiles an den vorhandenen Beilagenzu erläutern. Die Notizen über die persönlichen Ver-hältnisse der Künstler interesfiren uns bei einem Dürer,Nasfael, Michelangelo u. dgl., nicht aber bei werdendenoder weniger originellen Künstlern; bei historischen, abernicht bei mitlebenden Größen.

Solange die christliche Kunst dieser Gesellschaft immernoch Mißdeutungen bei Zeitschriften, welche selber christ-liche Kunst pflegen, ausgesetzt ist, muß der Schriftstellerdieser Schaar wehr apologetisch und klärend wirken unddas Lob der eigenen Leute, oft selbst berechtigtes, in denHintergrund stellen. Hat doch die Zeitschrift von Schnüttgenüber die Mappe des Vorjahres gesagt:Die einzelnenSchöpfungen sind mehr beschrieben und verherrlicht, alskritisirt."

Die allzu häufige Betonung des Monumentalen inden einzelnen Kunstwerken schien uns auch zu weit zugehen; denn manchmal wird es wirklich schwer, dieseEigenschaft zu entdecken; anderseits möchten wir seit derSchrift Walter Crane's über das Dekorative in der Kunstgerade die christliche Kunst davon profitiren lassen.

Nicht verschwiegen soll sein, daß der schwierig zuschreibende Text von einer warmen Begeisterung undgründlichen Kunstkenntniß zeigt; allein gerade deßhalbhätten wir mehr von diesen guten Sachen gewünscht.

Was die Auswahl der Bilder betrifft, so könnenwir über diese nicht urtheilen, da wir ja die Art undZahl der auszuwählenden Werke nicht kennen; jedenfallsaber hat die Jury in dem Vorliegenden gut gewählt.

Es ist diesmal auch die metallische Kunst vertreten,welche bisher gefehlt. Der Altaraufsatz des Hauptaltaresder Bcnnokirche in München nebst den Leuchtern unddem Mcßkreuz sind prächtige Werke der Meisterwcrkstättevon Rudolf Harrach. Gern verzichtet hätten wir dagegenauf den Altar-Entwurf von Schnell. Er enthält garnichts Originelles und eröffnet die Gefahr, daß in Zu-kunft noch mehr von der gleichen Kunst in die Mappeaufgenommen werden soll.

Die einzelnen Blätter sind gut reproduzirt; be-sonders hervorgehoben sei außer dem schon Genannteneine harmonische Ansicht der St. Bennokirche, die freilichauch von außen die schönsten Formen und die einladendsteAnsicht zeigt. Am Inneren ließe sich Manches aussetzen,das zu einem praktischen und künstlerisch abgeklärtenGotteshaus fehlt.

Der Marienaltar von Schmitt ist in seinem Haupt-theil, der Madonna mit dem Kinde, vorzüglich; über dieWirkung der bemalten Reliefs kann man wohl ver-schiedener Meinung sein.

Die Reliefs am Wilhelmsaltar hat Albertsdorferstreng im Geiste des Stiles geschaffen, uns dünkt: fastetwas zu streng. Wir möchten von dem trefflichen Künstlereinmal Selbstständiges sehen.

Das Schreinrelief zu einem Herz-Jesu-Altar vonBuscher erinnert an gute spätgothische Muster; es ist von.

eigenartiger Auffassung, in der Compofition fein gegliedert,beinahe zu ausgezirkelt, aber lebenswahr im Einzelnen.Die Statuen des hl. Bischofes Martin und hl. Jakobusd. Aelt. von Bradl sind ergreifend im Ausdruck und voneiner meisterlichen Einfachheit der Durchführung; dieHaltung zeichnet sehr zart das Ehrwürdige des Altersdieser Beiden, ohne an seine Gebrechlichkeit empfindlichzu mahnen.

Von den Gemälden ist das auffälligste eine Madonnavon Schuster-Woldan; diese Reproduktion, deren Originalwir nicht kennen, muthct uns beinahe wie ein Feuerbachan, dessen Größe aber nicht in der Darstellung Mariensliegt. Schuster hat ein unleugbar bedeutendes Talent;will er es aber in den Dienst der christlichen Kunst stellen,so male er vorher eine gottvertrauende oder betendeMutter, eine gläubige Familie, und dann erst versucheer eS mit dem Ideal aller Mütter, mit Maria!

Die übrigen Bildwerke vertreten bekanntere Namenund können, auch weil die Werke theilweise nicht mehrneu sind, Übergängen werden.

Sinnig und mahnend schmückt den Einband derMappe eine Abbildung der Loalasia, von Busch, allenBesuchern des Münchner Katholikentages gewiß noch inErinnerung. Diese majestätische Frau mit dem feinen Zugdes Schmerzes, sie ist ja die Verkörperung der ecalssia.railitans, hat auch die junge christliche Kunst unter ihrenSchutz genommen und schon manchem Strebenden ausder begeisterungsfreudigen Künstlerschaar den Weihekußgegeben. Sie hat die keimende Kunst in ihrem Dienstgeschaut wie deren höchste Blüthe; sie gibt auch einemneuen Samen die Kraft und Blüthe des alten!

Möchten Alle, deren Mittel es erlauben, und vorallem Jene, welche ihr hl. Beruf in das Gotteshaus anbesondere Stelle gefetzt, dafür sorgen, daß die Wohnungdes Herrn Zeuge der christlichen Kunst werde, nicht aberihrer Surrogate!

Der Herr gibt uns auch nicht Steine statt Brod!

Gerade die heurige Mappe zeigt, welch stattlicheSchaar wahrhaft echter Künstler in christlichem Geistewir besitzen. Gebt ihnen große Auftrüge, sorgt durchBeitritt in die Gesellschaft (Anmeldung bei Herder inMünchen ) für Hebung ihrer Mittel, und bald soll diekatholische Welt erfahren, daß auch der Künstler wächstmit seinen höheren Zwecken.

Necensionen und Notizen.

Die göttliche Wahrheit des Christenthums. In4 Büchern. 1. Buch: Gott uns Geist. II. Beweis-führung. Von vr. Her in au Schell, Professor derApologetik an der Universität Würzburg. 8", S. XII,726. Paderborn 1896, Schöningh. Preis 9 M.

A: Der zweite Theil des ersten Buches der SchclI'schenApologie des Christentbnmö liegt hicmit vor. Der erste Theilbeantwortet die erforderlichen Grundfragen, insbesondereüber das Verhäüniß von Glauben und Wissen, Religion undVerminst, Erkenntniß und Willen, Kausatgesetz und Uriächlich-keit, Goltesbegriff und Gottesglanben, und zwar des Gottes,welcher ist die reinste und vollkommenste, weil selbstständigsiePcrsönlichkeir. Die Beweisführung im einzelnen(II. Theil) gehl zuerst von den allgemeinen Eigenschaften derDinge und des Wcltganzen aus und begründet so die kosmo-logische Gotleserkenntniß. Diese umreißt den Con-tingenzbeweis auS der Zufälligkeit der Welt, den Kau-salitäkSbewciS aus dem ursächlichen Wirken der Dinge,den Nom alogischen Beweis anS der Gesetzmäßigkeit derWell und den Theologischen auS deren Zielstrebigkeit.Deutlich ergibt sich aus jedem dieser Beweise die Persönlichkeitdcö überweltlichen Gottes. Die psychologische Gottes-erkenntniß gründet sich auf die Vorzüge des Seelenlebensund des menschlichen Geistes, dessen Beweis die nothwendige