Ausgabe 
(16.10.1896) 42
 
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öagtrende Leben der Schottenmönche war die Verpflichtungder Benediktinerregel gerichtet, immer im gleichen Klosterzu bleiben. (Grupp, I. o. I, 183; Kirchenlex. III, 673.)Wie aus Beda ersichtlich ist, unterschieden sich die irisch-schottischen Mönche und Priester außer Abweichungen inTonsur und Kleidung hauptsächlich durch die Zeit derOsterfeier von den römischen Benediktinern (I. a. III, 25).Daß gerade Messer das Vaterland des hl. Bonifatiusund des HI. Willibald gewesen sei, läßt sich weder ausden Briefen des Apostels der Deutschen, noch aus deuAufzeichnungen des Mainzer Priesters Willibald, noch ausden Nachrichten der Nonne von Heidcnheim erweisen. ZuS. 21 sei bemerkt, die Nonnen von Engelthal befolgtennicht die Regel des hl. Dominikus, sondern jene des hl.Augustinus (Falckenstein, tlutic;. NoräA. II, 332; Suttner,Schematismus für das Jahr 1480 x. 87).

Im Jahre 1537 vertauschte der Fürstabt Leonhardvon St. Emmeran die Besitzungen in Litzlohe an denPfalzgrafen Friedrich II., welcher auf den nahegelegenenSchlössern Heimburg und Deinschwang gerne verweilte,gegen die Hofmark Kager. Unter dem Scepter der Kur-pfalz machte Litzlohe alle die religiösen Wandlungen derjeweiligen Herrscher durch, welche zwischen Lutherthum°)und Kalvinismus stets schwankten, bis endlich durchMaximilian von Bayern 1625 der katholische Gottes-dienst wiederhergestellt wurde. Der dreißigjährige Krieg,der österreichische Erbfolgekrieg brachten unsägliches Elendüber die Pfarrei. Die Angabe (S. 89), daß 1691Weihbischof Adam Nieberlein von Eichstätt am Sonntagnach Jakobi die Liebfrauenkirche in dem FilialdorfeTrautmannshofen eingeweiht habe, ist unrichtig, da der-selbe erst am 29. April 1708 zum Bischof consecrirtworden ist; vor ihm bekleidete Christoph Nink vonBalderstein die Würde eines Suffraganbischofes (Strauß,Viri ingiAnes L^ststtsiwas p. 348). Einige gar zukräftige Ausdrücke S. 74, 76 wären besser unterblieben;der Satz S. 92 vom Schutze des hl. Michael über denMarkt Lauterhofen klingt wie Spott; auch haben sichvielfache Wiederholungen eingeschlichen, woran allerdingsdie Anlage des Werkes Mitursache ist. Unseres Er-achtens hätte die Darstellung der Profangeschichte sehreingeschränkt werden sollen; denn gar viele Grafen undHerzoge, deren Namen und Hauptaktionen erwähnt werden,standen zu Litzlohe in einem sehr losen Verhältnisse. Er-wärmt und gehoben wird der Leser durch die großartigeOpferwilltgkeit der Kirchengemeinde Litzlohe, welche, 750Seelen zählend, von 1877 bis 1896 die Summe von10,987 M. zur Nestaurirung der Pfarrkirche durch frei-willige Beiträge aufgebracht, und durch den unverdrossenenEifer des Herrn Expositus Färber, welcher behufs stil-gerechter Erneuerung der Ftlial- und Wallfahrtskirchezu Trautmannshofen die hohe Summe von mehr als25,000 M. zusammengetragen hat! Gewiß, eine solcheFreigebigkeit der Geber und eine derartige selbstlose Hin-gabe des Sammlers verdienen alle Anerkennung.

Wir schließen unsere Besprechung über LehmeiersBuch mit dem Wunsche, daß der Pfarrgeschichte vonLitzlohe bald andere nachfolgen mögen; denn gerade durchdie Kenntniß der Vergangenheit wird in den Pfarr-angehörigen selbst die Liebe zur Mutterkirche geweckt undbefördert.

Schönfeld. Hirschmann.

') Ob Butzcr wirklich den Kindern der Obcrpfalz zu Ge-sichte gekommen sei und der Schreckruf: Der Außer kommt!(S. 63) daher datire, erscheint sehr fraglich (Kirchenlex. II»16Z7).

Die Jahresmappe der Deutschen Gesellschaftfür christliche Kunst .

Von I. P.

Endlich ist die Jahresmappr, welche die DeutscheGesellschaft für christliche Kunst herausgibt, erschienen.Diese Verzögerung zwingt allein schon zu einem strengerenMaßstab; denn braucht gut Ding Weile, so hat es dieserLeistung an der Zeit gewiß nicht gefehlt.

Die Mappe ist aber auch bereits die vierte ihrerArt und konnte deßhalb an den Erfahrungen ihrerSchwestern sich bilden. Ueberdies dient sie einer herrlich-guten Fahne und muß sich in Anbetracht dessen auch einestrengere Kritik gefallen lassen.

Für die christliche Kunst ist nur das Beste gutgenug!

Die heurige Mappe als Ganzes ist an Qualitätund Quantität ein Fortschritt; i« Einzelnen kann mananderer Meinung sein. Zunächst soll diese Publikationder Welt künden, daß es noch christliche Kunst undKünstler gibt. ES ist ihr gelungen! Dann soll sie ebendurch diese That künstlerisches Verständniß und damitVerlangen nach künstlerischer Arbeit wecken. Endlich willsie allen Freunden der hl. Kunst ein Dankeszeichen fürihre Theilnahme an den Bestrebungen der christlichenKünstler bieten und eS ist ein edles, werthvollesVergißmeinnicht geworden!

Die Mappe umfaßt 12 Foliotafeln in Kupferdruckund Photothpie, 20 Abbildungen im Text nebst einemGeleitwort und Erläuterungen zu den Bildern und derenMeistern von Pfarrer Festing.

Festing ist gewiß der geeignete Mentor auf demGebiete der christlichen Kunst und ein verdienter Vor-kämpfer derselben; aber gerade deßhalb sind wir ihm einwenig gram, daß er so karg war an wirklich einführen-den und erläuternden Worten. Es handelt sich in einerderartigen Mappe, die von den Gegnern todtgeschwiegenund von den Leuten im eigenen Lager vielfach noch ver-kannt wird, doch vor Allem darum, daß immer wiederauf die Principien der heutigen christlichen Kunst hin-gewiesen und sie an den vorliegenden Bildern erläutertwerden.

Die beschreibenden Bildertexte L la Familienblätter,die meist nichts anderes sind, als eine schwerverdaulicheSauce über einen sonst guten Brocken, können die Ideender Gesellschaft für christliche Kunst nicht gerade Vortheil-haft verbreiten. Es sollen diese Erläuterungen einekünstlerisch empfundene und ästhetisch sichere Erklärungdes Gedankens und seiner Durchführung fein, wobei invergleichender Weise auch auf die alte Kunst zurückge-griffen werden könnte. So hätten z. B. die Prophetenvon Samberger eine interessante Parallele mit denAposteln von Albrecht Dürer zugelassen. Man hättezeigen können, wie in beiden Fällen die monumentaleGröße der dargestellten Persönlichkeiten im Gesichte con-centrirt erscheint, und wie alles Andere dagegen ver-schwindet. In keinem feiner Werke hat sich Dürer einesolche, fast übermenschliche Gewalt angethan, wie in derBehandlung des Gewändes dieser vier Gottgefandten.Gerade von diesem Punkte aus konnte dem Laien dietiefe Auffassung SambergerS klar gemacht werden, dersonst immer dunkel und schwer verständlich bleibt. Derin Kunstdingen weniger Unterrichtete wird sich an derGewandung der Propheten stoßen; sie wird ihm zu non-chalant sein, so daß er darüber ganz die gewaltige Kraft