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dulden, daß durch Leichtgläubigkeit, durchSelbsttäuschung oder Trug die MajestätGottes und Seine Weltregierung verunehrt,oder ihr eigener Glaube an dieselbe, wennauch nur scheinbar, in den Augen der un-gläubigen Welt compromittirt werde."
Propstei «nd Pfarrei Litzlohe.*)
Es war ein Herzenswunsch des Frankfurter HistorikersFr. Böhmer, daß sich die katholische Geistlichkeit vor allemmit der Geschichte besassen möge, da ja in der Kenntnißder Vergangenheit die sicherste Waffe zur Vertheidigunggegen die böswilligen Angriffe der Gegenwart gegebensei. Unter diesem Gesichtspunkte begrüßen wir jede Pfarr-geschichte als werthvollen Beitrag zu einer Diöcesan-geschichte, weil nur auf dem Untergründe der einzelnenPfarreien eine vollständige Darstellung des kirchlichenLebens in der Vorzeit erzielt werden kann. PfarrerLehmeier hat sich der dankenswerthen Mühe unterzogen,den Spuren der Entwicklung seiner Pfarrei Litzlohe beiNeumarkt in der Oberpfalz bis in die entlegenste Periodenachzugehen. Er erzählt uns, daß Litzlohe von 700 bis1537 eine Propstei des Benediktinerstiftes St. Emmeranin Negensburg gewesen sei: gewiß ein anregendes Thema.Leider fließen die Quellen zur Erhärtung feiner Thesissehr spärlich; wird ja doch Lucilinaha d. h. kleinesWasser erst im Jahre 1031 in einem Nenteuverzeichnissevon St. Emmeran genannt. Was der Verfasser überdas Alter Litzlohe'S, das er bis in die Zeiten des heil.Nupertus Hinaufrücken möchte, vorbringt, geht über denGrad bloßer Vermuthung nicht hinaus. Daß der heil.Nupertus erst 696 nach Bayern gekommen sei, behauptenzwar Mabillon und Hansiz nebst zahlreichen neuerenForschern, wozu wir indessen Preger, der ein Lehrbuchder bayerischen Geschichte, und Vogel, der 1855 eineHciligenlegende geschrieben hat, nicht zu rechnen ver-mögen; aber gegen diese chronologische Annahme sprichtmit aller Entschiedenheit die sogen. Salzburger Ueber-lieferung, welche sich stützt auf die erste authentischeLebensbeschreibung des Apostels der Bayern . (Anthaller,Geschichte der Rupertusfrage, S. 149; Seefried, Dieeealasia, katana und das Zeitalter des heil. Nupertus,Beilage der Angsb. Postztg. 1892; Histor.-Pol. BlätterBd. 109 S. 573.) Ebenso bcstritten ist das Zeitalterdes heil. Emmeran selbst. (Kirchenlcxikon von Hergcn-röther-Kaulen IV, 450.) Mit höchster Wahrscheinlich-keit darf jedoch dem heil. Nupertus die Priorität zuge-sprochen werden; denn er kam zu einer Zeit nach Bayern ,als Herzog Thcodo und seine Großen noch Heiden warenund erst durch die Predigt des eifrigen Glaubensbotenfür das Christenthum gewonnen wurden (Kleimayrn,Juvavia, Anhang II; Kcinz, inäiaulus ^rnouis p. 27).Die zeitgeschichtliche Einreihung Nuperts wird wesentlicherschwert durch die Unsicherheit der Geschlcchtsabfolge deragilolfingischen Herzoge (Niezler, Bayer. Geschickte I, 78).Demnach steht das Alter Litzlohe'S aus dem beiläufigangenommenen Jahre 700 auf sehr schwachen Füßen.Das; Litzlohe wenigstens rm 12, Jahrhunderte bis zumJahre 1333 eine förmliche Propstei der reichbegabtenAbtei St. Emmeran in Regensburg gewesen sei (S. 51),ist urkundlich sehr schwach belegt. Nur ein einziger
*) Von Jakob Lehmeier, Kammcrer und Pfarrer. Druckder I. M. Lögl'scbcn Buchdrucker« in Neumarkt i. Q. 1896.M7 S. Preis 2 M.
Name aus dem Jahre 1262 kann aufgeführt werden.Leider hat Lehmeier die Originalquellen Llonura. Doiouoder Mresaurus rwsoä. uoviss. von Pez nicht citirt;die Angaben der Bavaria oder auch Löwenthals sindoftmals nicht recht zuverlässig. Daß von 1333 an derjeweilige Pfarrer von Litzlohe, welcher dem Weltpriester-stande entnommen wurde, den Ehrentitel „Propst" (S. 8)geführt habe, klingt sehr unwahrscheinlich. Denn dieBezeichnung: Propst, xwaaiwsitus findet sich naturgemäßnur an Dom- oder Collegiatkirchen, wo mehrere Geist-liche in gewisser Unterordnung angestellt waren. Diebloßen Ehrenbenennungen, wie Propst, Geistlicher Rath,bei Seelsorgsgeistlichen gehören erst der Etiquette einerspäteren Periode an.
Litzlohe verehrt seit unvordenklichen Zeiten den KönigOswald von Nordhumbrien, welcher am 5. August 642auf dem Maserfelde im Kampfe gegen Penda, den Fürstender heidnischen Mercier, gefallen ist, als Kirchenpatron.Wenn man von den Pfarreien, welche dem hl. Martinvon Tours , dem hl. Remigius von Reims usw. geweihtsind, auf fränkische Colonisation zurückschließt (Grupp,Culturgeschichte des Mittelalters I, 196), so deutet derName Oswald sicherlich auf schottischen Ursprung hin.Beda berichtet nun in seiner englischen Kirchengeschichte(Iiistoria, seolesiustiaa Zentis ^nglorurn oä. Holäarlili. III, o. 3) ausdrücklich, daß Oswald, welcher inlangjähriger Verbannung durch schottische Priester fürdie Lehre des Kreuzes war gewonnen worden, nach An-tritt der Regierung über die Anglen Priester aus Schott-land sich erbeten habe, um dem Heidenthume den Todes-stoß zu versetzen. Bei der bekannten Wanderlust deririsch-schottischen Mönchs (Grupp, t. o. I, 182) ist wohlanzunehmen, daß einzelne auf ihren Missionsreisen auchin die waldreiche Gegend von Litzlohe gekommen seienund zu Ehren ihres hochgefciertrn königlichen Märtyrers,dessen Beda nur mit den höchsten Lobeserhebungen, wiei-6x eliristiaiussimus (II, 5), gedenkt, ein Kirchlein er-baut haben. Der Name Oswalds war nicht bloß inEngland wohl geehrt, sondern sein Ruhm drang auchüber das Meer nach Irland und Deutschland , erzähltschon Beda (1. o. III, 13).*) Wäre Litzlohe von Mönchendes Stiftes St. Emmeran zu Negensburg christianisirtworden, so hätten dieselben sicherlich ihren eigenen Patronauch zum Schutzhcrrn der Kirche in der neuen Besiedelungerwählt.
Daß die irisch-schottischen Mönche dem Benediktiner -orden angehört haben, wie Lehmeier S. 3 und öfter be-hauptet, dürfte sich kaum festhalten lassen. Allerdingsgab es seit der Entsendung des hl. Abtes Augustin durchPapst Gregor den Großen 596 Benediktiner in derHcptarchie, aber die wanderlustigen Söhne Irlands undSchottlands befolgten als Priester und Mönche die Regeldes hl. Patrick und des hl. Columba. Gerade gegen das
') Ueber Schottenspitäler in Frankreich spricht sich Kanon40 der Synode von Meaux 846 sehr lobend aus und fordertderen Wiederherstellung (Hefele, Conciliengesch. IV. 115; Past. -Bl Eiwsiätt VIII, 90). Das S. 3 erwähnre Dorf mit einerSr. Oswaidkircbe beiß! dermalen: Unrerickwaningen bei Wasscr-trndingen. Im Martyrologium von Ado wird Oswald nochnicht crwäbnt (eä. OeorAi, Hamas 1744 x. 379), dagegen beiLebner: Mittclalterl. Kirchenfeste und Katendarien, oft, z. B.S. 82, 112, 135. 154,164; auch fehlt er im üamberger Missaleaus dem Anfange des 11. Jahrh., das Sauerland im Hestor.Jahrh, der Görresgesellsch. Bd. VIII, 475—487 (1837) heraus-gegeben bar. Im Jahre 789 erhielt das Kloster Herford inWestfalen „des bl. Oöwclldi Heiligthnm". Kirchenlex. IX, 1145.
Lt. ^UL. II, 83.