Ausgabe 
(22.10.1896) 43
 
Einzelbild herunterladen

haben die Mauer erwiesen, welche vielfach sogar reichlichdurch Mörtel verbunden war.

Die wenigen Aenderungen von dieser allgemeinenAnlage sind durch die abweichenden lokalen Bodenverhält-nisse leicht zu erklären.

Von eigentlichen Eingängen oder Ausgängen hatman, abgesehen von Wnsserdurchlässen, bis jetzt nur eineneinzigen in der Nähe von Dalkingen entdecken können,weil wohl gerade solche Stellen, wie auch Ohlenschlagersagt,am frühesten und am meisten der Zerstörung preis-gegeben waren".

An Fluß- und Thalübergängen nahm man frühermeistens Lücken im LimeS an. Allein in neuester Zeitwurde sowohl bei Gv.nzcnhavscn durch Herrn Dr. Eidam,sowie vor Kurzem bei Kipfenberg durch Herrn Guts-besitzer Winkelmann eine Verpfählung entdeckt, welche anStelle der Mauer durch das Thal geht. Auch Nestevon hölzernen Stegen sowie gepflasterte Furten durchdaS Flußbett sind bereits nachgewiesen.^)

Längs der ganzen Anlage lief nach allgemeinerAnnahme ein breiter, abgeholzter Streifen Landes, welcherfreien Ausblick gewährte und einen heranschleichendenFeind leicht entdecken ließ.

Thürme und Wachthäuser.

In steter Begleitung des Pfahles, namentlich aberauf günstiger gelegenen, wichtigeren Punkten finden wirdie sogenannten Wachtthürme, ^xeonta."dni'Zi".Sie dürsten durchschnittlich 400 800 m, also aufSignalweite, von einander entfernt sein und waren inNäticn in die Mauer selbst eingebaut, wahrend wir siesonst hinter dem Damme treffen.

Von ihrer einstigen Gestalt läßt sich anßer demmeist rechteckigen Grundrisse nur Weniges bestimmt er-kennen. Einigen Aufschluß dürften uns jedoch, wiebereits James Iates erwähnt, die Abbildungen ähnlicherBauten auf der Trajanssäule in Nom geben.

Es finden sich an diesem Monumente nämlich Thürme,welche mit den unsrigen in engster Beziehung stehen.

Die eine Abtheilung zeigt zwei Stockwerke, um dasobere läuft eine Gallerte, auf welcher eine brennendeFackel angebracht ist, die uns deutlich die Verwendungdieser Bauten zum Signaldienst erklärt. Die Bedachungist pyramidenförmig, die Mauern bestehen aus Steinen,das Ganze ist von einer Verpfählung umgeben.

Die anderen Gebäude sind einstöckig, sonst denvorigen ähnlich und charakterisiern sich besonders durchdas Fehlen der Gallerie als gewöhnliche Wachthäuser.

An solche Anlagen haben wir wohl bei unserenLimesthürmen zu denken. Der Raum mochte etwa für2 3 Mann hinreichen, welche sich jedenfalls in derschon von Vegetius^) angegebenen Weisebei Nachtdurch Feuer, bei Tag durch Rauch" mit ihren Kameradenverständigten.

Die Thürme besaßen, wie wir aus ihren Funda-menten schließen müssen, nur leichtes Mauerwcrk undeine bemeutsprechende, vielleicht 67 m betragende Höhe.

Die Steiubauten scheinen in der ersten Zeit meistensdurch hölzerne vertreten gewesen zu sein.

In größeren Entfernungen, besonders an gefähr-licheren Stellen des LimeS, zeigen sich öfters etwas stärkereUmwallungen, welche Ohlenschlager mit dem passendenNamenFeldwachen" bezeichnet.

-) Vergl. Marggraff:Die römische Reichsgrenzc."

^) Vergl. Vegetiuö: -ve rs wiltrari.« 1, III. 0. ä.

Die Castelle oder Lager.

Den eigentlichen Stütz- und Haltepunkt des Limesbilden jedoch erst seine Castelle, besser gesagt castra,feste Plätze, welche das Land beherrschten und als Ka-sernen für die Truppen dienten.

Von Lorch bis an den Rhein liegen die Grenzlagerfast alle unmittelbar am Limes , während sie in Nätirnoft, wie Psünz und andere, ziemlich weit hinter derMauer sich befinden.

v. Cohausen^) hatte daher nicht ganz Unrecht, wenner vor etwa 10 Jahren sagte, daß in Nätien die Lagerüberhaupt fehlen, wahrscheinlichin Folge der schon inTacitus erwähnten freundschaftlichen Beziehungen zu demdortigen Grenzvolke der Hermunduren! In der Thatgehört meiner Ansicht nach die Castelllinie Jrnsing,Pföring, Kösching , Pfünz, Weißenburg usw. zunächst zuder in dieser Richtung führenden Straße.

Lassen wir allerdings die Entstehung dieser Plätzemit der des Limes zusammenfallen, so wird die richtigeErklärung dieser Abstände Schwierigkeiten haben. Ohlen-schlager führt zwei Gründe für diese Dislokation an,einmal weil das Terrain am eigentlichen Limesznge fürdie Anlage einer Straße und somit auch für Castelleungünstig war, oder weil die dortigen Truppen auch ander Donau von Hienheim abwärts verwendet werdensollten.

Doch findet es Ohlenschlager auch für nicht un-möglich, ja sogar für wahrscheinlich,daß die Lagerkettehinter dem Vallum älter ist, als die künstliche Grenze,daß die Lager da aufgeschlagen wurden, wo die Ver-bindung günstig war, und daß bei späterer Feststellungund Anlage der Grenze die bereits vorhandenen Lageraufzugeben nicht für gut befunden wurde, weil die Ver-bindung am Limes schwierig und zu oft unterbrochengewesen wäre".

Diese letztere Annahme dürfte ganz besonderenGlauben verdienen, zumal sie, wie wir oben sahen, auchmit der Zeitfrage auf's beste harmonirt.

Unter den im Ganzen etwa auf 60 sich belaufendenLimcscastellen möchte ich neben den bereits erwähntennur noch auf die bekannteren hinweisen, wie Lorch ,Murrhardt, Oehringen, Miltenberg , Trennfurt, Sroß-krotzenburg, Butzbach, Saalburg und Ntcdcrbiebcr. DerRömer unterschied zwischen eastra äinrnu: leichter ge-bauten Marsch-, Sommer- oder NebungSlagern und dencastru Stativ», welche eine sorgfältigere Befestigungerhielten.

Zur Anlage wühlte man günstig und höher gelegenePunkte, doch nicht wie der Raubritter im Mittclaltersteile Felsenkuppen, was der römischen Kriegskunst wider-spricht, die sich weniger in Defensive verhält. Dabeihatte man, wie uns der römische MilitärschriftsicllerVegetins wiederholt berichtet, das zu beachten, daß einenie »erstechende gesunde und nahe Quelle vorhanden sei,das; im Winter das Futter und das Holz nicht aus-gehe, daß der Ort nicht Ueberschwemmnngen ausgesetztsei und daß er nicht durch eine höher gelegene Umgebungbeherrscht und gefährdet weröc?°)

v. Cobanscn:Der römische Erenzwall".

Oblcnschlagcr:Die römische Grenzmark in Bayern ."Seite 82.

2 °) Oavenänm, ne per nestaiem, ant mordosa in proximo,ant snlndris aqna. sie longins: Iiiews ns pabrilatio äerit nrwlig'nnin ns sndtitis tsmpsstatibns enmpns soleat iunmtari. . . . uv ex snperioribns weis misse, ab bostibns in omntela pervenient. Vegetlus: v. r. m. Itl 6. 8.