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^czüglich des Grundrisses einer solchen Verschanzungmüssen wir uns vor dem bekannten Fehler in achtnehmen, nämlich nach eine« bestimmten Schema allesübrige zu beurtheilen. So sagt schon Vcgetius: „Denlokalen Verhältnissen entsprechend, wird man dem Lagerentweder eine quadratische, runde, dreieckige oder länglicheForm geben; doch hält man die (Lager) für schöner,deren Länge die Breite um ein Drittel über-trifft."^)
Doch dürfen wir es mit den Theorien des Vege'-iusnicht zu ernst nehmen, andererseits sie aber auch rächt,wie es von Cohausen thut, für „nie befolgte Katheder-weisheit" erachten. Droysen ^) nimmt mit Recht an, daßin Rom allgemeine Normen, reglementarische Vorschriftenüber die Einrichtung eines Lagers erlassen waren, damitbei Beziehung desselben zur Vermeidung von Unordnungund Zeitverlust jeder sofort darin Bescheid wußte.
Ein solches 6u8trum war gewöhnlich in rechteckigerForm angelegt, während ältere Bauten, wie z. B. Wies-baden, mehr quadratische Umrisse zeigen.
Die eigentlichen aa8tru 8tutivu waren alle miteiner Mauer umgeben, welcher auf der Innenseite einestarke Ervanschüttung vorliegt, der sogenannte Wallgang.Die Mauer war mit den für das Schleudern von Ge-schossen praktischen Zinnen versehen und ungefähr sohoch, daß ein Mann, der sich hinter der Zinne befand,vollkommene Deckung hatte. Die Höhe der Mauer, vonder Grabenkrone an gerechnet, dürfte man nach neuestenAngaben und Forschungen im allgemeinen auf 3 mschützen?") Der Graben vor der Mauer entsprach un-gefähr dieser Höhe und war oft noch durch einen zweitenverstärkt. Von einer Verpfählung hat man bis jetzt nochnichts entdecken können. An den Ein- und Ausgängenwar natürlich keine Vertiefung vorhanden.
Unter diesen vier Thoren lag die portu xiaatoi-ia,stets dem Feinde zugekehrt, ihr gegenüber die xortuäeouinuuu.
Auf den Flanken des Rechteckes befanden sich diePrinzipalthore oder die xorba. prinvipalw ciextra. unddie xortu xrincixulia 8int8tru. Diese beiden letzterenwaren gewöhnlich durch einen mittleren Pfeiler in zweiEingänge getheilt, dienten der Besatzung als Nnsfalls-wege und waren nicht gerade in der Mitte, sondern ge-wöhnlich mehr in der Nähe der portu pruatoria, ange-bracht. Alle Thore aber waren mit Thürmen bewehrt,die hinsichtlich ihrer Gestalt wohl den oben besprochenenSignalthürmen ähnelten.
Oberhalb des Einganges prangte, wie vielfacheFunde zeigen, oft eine Inschrift in den bekanntenMajuskeln, großen Buchstaben, die aus Bronzeblech ge-schnitten und vergoldet waren.
Auch die Castellecken waren durch Thürme befestigtund der besseren Vertheidigung halber stark abgerundet?*)Außerdem finden sich mitunter auch sonst in die Mauereingebaute Thürme.
Die zwei Seitenthore sind durch die via. xrinoixmiis
Die Stelle beißt wörtlich: »Leo neoessitato loei volgnackraka., vol rotuncka, vol trtg'oinr, vol oblonZa. eastra oou-
sritues.kamen xnlobriora oreckuutnr, gnidus Ultra
lakitnckispatinm tortia xars lonKituütuis aäckitur.
-°) „Röm. Greazwall" S. 335.
2 °) „Die Polhbianische Lagerordnnng" S. 35.
Castell Saalburg bei Homburg i. T.
Bekanntlich kann eine scharfe Maucrccke nur unvoll-kommen durch Sckleudcru und Schießen gedeckt werden, bietetaber dem Feinde etnen um so günstigeren Angriffspunkt.
oder Hauptstraße, die beiden anderen durch die via. xraa-toria mit einander verbunden. Rings um das Lagergeht die via angularis.
Man unterscheidet gewöhnlich zwischen einem Vorder-,Mittel- und Hinterlager. Der erste Theil war schon zuPolybius' Zeilen mit den Zelten und Lehmbüten des re-gulären Militärs besetzt, der mittlere enthält das ?raa-toriuni, das Bureau des Commandanten mit dem sa-calluw, dem Aufbewahrungsorte der Feldzeichen.
Rechts davon (wenn wir die porta xraetoria alsAusgangspunkt nehmen) befand sich gewöhnlich dasQuästorium, links das Forum, ein freier Platz für Ver-sammlungen und Ansprachen. Hier war ferner meistensder Ort für die Wohnungen der Tribunen und sonstigenhöheren Offiziere, für Magazine und Einrichtungen zukriegerischen Uebungen, das Nücklager bot wohl aucheinigen kleineren Abtheilungen Unterkunft und enthieltvornehmlich die Werkstätten, Brunnen, Bäder und heiz-baren Räume. Die letzteren sind sehr interessant undeiner genaueren Betrachtung würdig: Der Boden des be-treffenden Zimmers, welcher aus Steinplatten besteht,ruht auf regelmäßig geordneten Säulchen oder Pfciler-chen; auch die Wände sind von Canälen oder Kachelndurchzogen. Sollte nun der Raum geheizt werden, sozündete man in einem eigenen, mit den Canälen in Ver-bindung stehenden Kämmerchen ein Kohlenseuer an, dieheiße Luft strich durch die Pfeiler und Kacheln underwärmte so rasch den umschlossenen Raum.
Von diesen unterirdischen oder Hypokaustenheizungensind jedoch die oft damit verwechselten Bäder (dalirsa.)zu unterscheiden, welche nur ein Kaltwasscrbecken undeine Schwitzkammer besaßen, dagegen schon aus technischenGründen nicht mit Warmwasserbassins versehen werdenkonnten.
Was den Rauminhalt der Castells betrifft, so mochtederselbe durchschnittlich im Mobilfalle für 500 Mann aus-reichen, während natürlich für gewöhnlich die Besatzungviel geringer war. In Zahlen ausgedrückt, steigt dieGröße der Ausdehnung von 6000 <zru bis zu55r,000 gm.
Außerhalb eines jeden besseren Lagers findet sichgewöhnlich noch ein villenartiger Bau, der wohl aufGrund seiner hübscheren Einrichtungen und größerenBequemlichkeiten sowohl in der äußeren Anlage als auchin der inneren Ausstattung, wenn ich nicht irre, zuerstvon Conrady mit dem originellen Namen Offizierscafinobelegt wurde. Diese Gebäude dienten wohl als eineArt Gasthöfe oder Hotels für die Statthalter der Provinz,für hohe Beamte und selbst für die Kaiser, wenn sieauf ihren Inspektionsreisen das betreffende Lager be-suchten.^) (Schluß folgt.)
Recensionen und Notizen.
7 ^! „Heinrich Raspe ", Drama in 4 Auszügen von demStadtpfarrprcdiger zu Sk. Ludwig in München , Herru Dr.Franz Klasen, ist in zweiter, nenbearbcitetcr Auflage inBuchform erschienen. Es ist das erste Draina des entschiedenhochbegabten Autors, welches schon bei seinem ersten Erscheinenmit vollstem Rechte eine nickst gewöhnliche Aufmerksamkeit fandund in seiner verbesserten Edition erst recht finocn wird. Einerder bervorragendsten lebenden Dickster, Dr. Hermann v. Lingg,bezeichnete dieses klassische Erstlingswerk nlö „ein eigenartiges,seltsames Werk!" Man glaube sich bei dessen Ltudinm in dieZeit der mondbeglänztcn Zanbernacht jener Romantik versetzt,in der Eichendorff und Ticck Dramen schrieben. „Die Sprache
'") Vielfach sollen es auch bloße Bäder gewesen stim