Ausgabe 
(22.10.1896) 43
 
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besitzt den Woll ton der Leidenschaft in rasch sich folgendenBildern, abgerissenen Sätzen, kurz hinausgestoßenen Worten.. . . Ein bedeutendes Drama, in dessen Problem ein tiefer Sinnenthalten ist; die Handlung ist schön und unaufhaltsam ge-steigert, die Charaktere stark und folgerichtig gekennzeichnet, daSGanze von mächtiger Wirkung." Nach solchem Urtheil vonberufener Seite sollte man meinen, unsere Hofbühne feiste sichereine Ehre darein, dieses wirklich kostbare Stück von geradezubezaubernder Schöne der Sprache und hochdramatischer Ge-staltung zuerst vor allen zur Aufführung zu bringen, nachdemeS allen Anforderungen an ein klassisches Drama in vollstemMaße entspricht und ausnehmend bühnenfähig aufgebaut er-scheint. Seltsamer Weise ist dem jedoch nicht so, sondern daSin München entstandene Stück muß zuerst in Leipzig die wclt-bedentenden Bretter beschreiten! Ein glänzender Ersolg mußihm sicher sein, weil gerade in dicscni Drama alles zusammen-wirkt, pocsievolle Sprache, logischer Aufbau, von Akt zu Aktwachsende Spannung, bühnentcchnische Glanzcsfekte rc.. um einkunstsinniges Publikum ganz von selbst zu enthusiaSmiren.Heinrich Raspe " kann sich kühn den besten klassischen Bühnen-werken würdig zur Seite stellen, dieses Drama ist die Schöpfungeines gottbcgnadcteu Dichtergenies. Was soll Raspe? DerDichter selbst sagt,er soll beweisen, wie ein stolz angelegterMensch, der keine Liebe unter Menschen findet, den die Beste,die Mutter, irregeleitet und den der einzige erwählte Freundelend betrogen bat, wie er in seinem Bestreben, Großes zuleisten, durch Widerstand immer härter gemacht werden kann,und wie, wenn der Widerstand ihm endlich seitens der Gottheitentgegentritt, er eher den verwegenen Kamps gegen die Gott-heit aufnimmt, alS von seinem vermeintlichen Rechte abläßt."Heinrich Raspe " erscheint unS als ein zweiterFranz Moor",wenn auch in weniger abstoßender Auffassung. Und wie inSchillcr'S Räubern steht diesem Egoisten die weiche Elisabeth,die Gemahlin Herzog Ludwigs, Landgrafen von Thüringen, gegen-über. Wunderschön ist das Lied der Elisabeth im ersten Auf-zug, vierte Scene, von packendster Wirkung die siebente Sceneim dritten Auszug, wo der Geist des im fernen Morgenlandverstorbenen Herzogs Ludwig sichtbar wird und seinen meineidigenBruder Raspe an seine Schwüre erinnert. Der erste Akt spieltauf der Marburg , der -weite auf der Wartburg. Zeit: dreizehntesJahrhundert. Die Legende von der heil. Elisabeth ist in ge-lungenster Weise in das Stück verwebt.

Sermionc. Wie der Gardesce zu den schönsten SeenEnrcpa'S zählt, so ist auch Sermione, die Halbinsel desselben,derAugapfel aller Inseln", wie sie Catullos genannt hat.Leider wurde sie trotz ihrer wunderbaren Lage in Mitte deSprächtigen Scc'S wenig besucht, da auch die Unterkunftsverhält-nisse primitive waren. Nun hat Herr Gennari ein Hotel inreizendster Lage mit billigen Preisen und jedem wünschenS-wcrthen Com-ort erbaut und damit den Besuch dieses schönen,historischen Bodens mit seinen warmen Schwefelquellen ermög-licht. In der Voraussicht, daß sich der Besuch rasch hebenwird, hat Herr I. Ullmann, der sich längere Zeit dort auf-hielt, einenFührer durch dic Halbinsel Serinionc"geschrieben, der an der Hand der Geschichte auf die natur-herrlichen und historischen Punkte der Insel aufmerksam machtund damit biographische Skizzen Catull's verbindet. Das mitIllustrationen versehene, hübsch gebundene Werrchen, das ansiS schon eine höchst interessante Lektüre bildet, ist bei C.Em inert in Arco erschient» viid zum Preise von M. 1,20durch alle Buchhandlungen zu beziehen.

Geschichte der heil. katholischen Kirche. Dem katbol.Volke erzählt von Franz SaleS Ve litt er. ZweiteAuflage. Frcibnrg, Herder. Preis 2.40 M., geb. 3 M.

Eine Kirchengeschichte mit Illustrationen und zwarmit 74 wohl gelungenen Abbildungen das ist eine Neuerungauf kathol. Seite, die freilich längst wünschenswert!) war, dieaber um so mehr anzuerkennen ist, als die Illustrationen dasBuch nicht zu einem bloßen Bilderbuche machen, sondern gutgewählt, mit Maß vcrwerthcr und durchgehend am rechten Platzeangebracht erscheinen. Ein Vorzug deS angezeigten WerkchenSliegt darin, daß es die Kulturgeschichte ausführlicher be-handelt, als cS sonst in ähnlichen Werken bisher geschah. DieserVersuch ist um so dankbarer zu begrüßen, als hiednrch auch derLeser aus dem Volke einen Uebcrblick gewinnt über die segens-reichen Früchte der Kirche auf dem Gebiete der Kunst undWissenschaft; zugleich gestalten sich die diesbezüglichen Abschnitte

des Buches von selbst zu einer Apologie der Kirche. Ein andererVorzug deS Buches besteht nach deS Verfassers Worten darin,daß in der Darstellung der kirchengeschichtlichen Ereignisse dieeinschlägige Entwicklung der Weltgeschichte berücksichtigt wird.Dadurch will bewirkt werden, daß die Darstellung der kirchcn-gcichichtlichen Ereignisse festen Boden gewinnt und auch der inder Geschichte nicht bewanderte Leser dieselben besser ersaßt undbehält. Diese Meinung erscheint allerdings begründet; alleines entsteht die Frage, ob unter der hiednrch in manchen Ab-schnitten verursachten Zusammendränguiig von Ereig-nissen und Jahreszahlen aus engen Raum nicht der CharaktereinesVolksbuches" Schaden leidet und ob der in der Ge-schichte nicht bewanderte Leser bei dieser Häufung von Materialsich leichter zurecht findet. Bei seinem reichen, gediegenenInhalte und der prächtigen Ausstattung kann daS Buch iürden Familientisch, wie insbesondere für Schnlbibliothcken em-pfohlen werden; ebenso würde es ein ganz begehrenswerthesPrciöbnch bilden, wo eine Prciseveriheilnng in Uebung ist. Fürden in der Geschickte nicht bewanderten Leser, den ja der Ver-fasser berücksichtigen will, wäre entschieden wünschenswert!) alsBeigabe die Reihenfolge der deutschen Kaiser und der Päpste.DaS Buch wird seinen schönsten Erfolg darin haben, daß inden Lesern Lust und Verlangen angeregt wird, einzelne Partiender Kirchengeschichte genauer und gründlicher kennen zu lernen.Und daß zur Weckunz dieser Begierde wohl geeignet ist, istsein bestes Lob.

Der heil. Kilian, Regionarbischos und Märtyrer.Historisch-kritisch dargestellt von Franz Emmerich,bischöfl. geistl. Rath und Regens im Chilianeum zuWürzbnrq. 8°. S. XII. 136. Würzburg 1836, Göb-r.Preis M. 1.50.

A Vorliegende Schrift bringt im ersten Theile die ein»schlängen Dokumente: einen genauen Text der xrwsio minorund niagor 3. Liliani; eine verkürzte yassio; die metrisch be-arbeitete vita. 8. Liliani von Johannes von Lnterbech; zweiReden über den Heiligen aus dem 12. Jahrh.; die Angaben derMartyrologien des NhabanuS MaurnS und Notier Balbnlus;das alte herrliche Würzburger KilianSoisicium. Die Abhand-lungen im zweiten Tbeile besprechen die wichtigsten Fragen,welche sich aus den yasoionoZ ergeben. Ueber deren Ursprungund Werth bringt der Verfasser mehrfach bisher Unbekanntes.Ueberall werden möglichst die Quellen nach dem Wortlaut an-geführt. Der Zweck-der Schrift darf wohl als durchweg er-reicht bezeichnet werden, und erwarten wir nur bei dem inAussicht gestelltenLeben deS hl. Burkardns" eine sorgfältigereDurchsicht der Druckbogen.

Der Pfeifer von Dnsenbach. Eine LiebeSmär and dem

Elsaß von Enst. Ad. Müller. München , Seitz u.

Schauer. 1806. 8°. VII, 103 S.

Unsere Liebe Frau von Dnsenbach" (bei Rappoltö-Weiler) war einst die Schntzpatronin aller elsässischen Musikantenund die Herren von Nappoltstcin besaßen als Lehen die Schirm-herrschaft über diesevarenden Litte", »men sie die Aussöhnungmit der Kirche bewirkten: sie waren dieKönige" allerPfeifer"vom Hancnstcin an bis -um Hagcnancr Forst. Ihr Ami übteein Vertreter, den die Spielleute am Glanztage ihrer der hl.Maria von Dnsenbach geweihten Bruderschaft wählten, amsogen.Pscifcrtag" alljährlich bis in die Zeit der französischen Revolution zu NappoltSweilcr an Maria Geburt. Das cin-kömmliche Pfeifer-Lehen ging im 17. Jahrhundert nach deinTore deS letzten Nappoltstcincrs au das Pfalz -zwei-btückische HauS über und Prinz Max, der nachmaß KönigMax I. von Bayern , ließ 1785 die Statuten der Pseiser-Brndcrichast znm lctztenmale abdrucken (Näheres bei RathgeberDie Herrschaft Nappoltstein). Diese merkwürdige geschichtlicheInstitution bildet den Untergrund und Nabmen iür Mnller'sromantische LiebeSmär deS Pfeilers von Dnsenbach. Das all-gemein Menschliche an dem Sujet der Dichtung, die GeschichtedesSie konnten beisammen nicht kommen", ist nun geradenichts Neues, originell ist auch die Knnstsorm des SangeSnicht, sie lehnt sich an bekannte Vorbilder an. Allein der Stoffist doch mit Anmuth und Stimmung durchdrungen und seinepoetische Fassung nicht ohne Geschick ausgestaltet. Geschmack-voller Einband und hübscher Zierratb im Innern und ein sym-pathischer Vorsprach an Martin Greis schmücken das demHerzog Karl Theodor zugeeignete Büchlein.

Vereint!». Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck u. Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .