hat nun auch gesprochen! Ein voller Monat ist ver-gangen, seitdem man ihn auf dem antifreimaurerischenCongreß zu Trient wegen des Vaughan-Schwindels insVerhör nahm; seitdem hat man ihm in allen europäischenSprachen Dinge gesagt, die direct an seine „Ehre" gingen.Er aber schwieg. Jetzt endlich findet er sich bemüßigt,im Univers in einem vorn 28. Oktober datirten Schreibensich zu vertheidigen.
Umfang und Inhalt des Schreibens stehen in um-gekehrtem Verhältniß. Wortreiche Versicherungen, daßjeder Pfennig, der bei den Schriften der „Miß Vaughan"verdient wird, Zu guten Zwecken verwendet werde, Polemikgegen ein englisches Buch und gegen das Freimaurerblatt„Alpina", allerhand beweislose Behauptungen, und zurSache — im wesentlichen nichts. Hier aus dem end-losen Gerede diejenigen Sätze, die allenfalls in Betrachtkommen könnten.
Die Directorcn der guten Werke, welche von der unbe-dingten Uneigennützigkcit (der Miß Vaughon) Nutzen gezogenhaben, werden darüber Zeugniß ablegen können bei der röm-ischen Commission, welche der Tricnter Congreß eingesetzthat, um sich über die dreifache Frage ihrer Existenz, der Auf-richtigkeit ihrer Bekehrung und der Anlhcntie der von ihr ver-öffentlichten Documentc auszusprechen.
Die Freunde der Convertitin erwarten mit dem größtenVertrauen daö Urtheil der römischen Commission. Diese alleinhat die Besugniß, über die Thatsachen zu urtheilen und sichauszusprechen; denn cö gibt bestimmte Zeugen, welche Zeugnißablegen können und ablegen, welche aber, aus besondern Gründen,nicht in derLage sind, ihreNamen an dicOeffcnt-lichkeit kommen zu lassen(I).
Sie werden dann sehr erstaunt sein zu erfahren, daß MißVaughan bereits mehrere Jabre vor der Zeit gesehen wurdeund bekannt war, als ihr Name im „Teufel im 19. Jahr-hundert" gedruckt wurde. (Folgt eine absolut gleichgültigePolemik gegen die kölnische Nolkszciiung und Lr. .'. Finde!.)
„Geben wir der Sache auf den Grund," schreiben Sie überihren gestrigen Artikel. Der Grund der ganzen gegenwärtigenPolemik ist iolgcnde Hypothese: Ich bin es, der alles organisirthat und alles leitet, um mich herum eine Anzahl von Mit-schuldigen und Betrogenen; der ganze Palladismus soll ein Er-zeugnis meiner fruchtbaren Einbildungskraft sein; das Frei-maurer -Papstthum Pike's und feiner Nachfolger ist lediglich eineFabel; die Hoch-Freimaurerei oder der oberste Ritus, die ge-heimen Logen, in denen man den OccnltismuS treibt, wo mandie Hostien profanirt, der Satans-Cult in den Triangeln, allesdas existirt nicht. In England ist ein Buch von einem HerrnWhaire erschienen, der alles das behauptet. Sehr schön; aberwie entstand dieses Buch? Miß Vaughan hatte sich mit demErzbischof von Edinburgh in Beziehung gesetzt und die Schlupf-winkel der lucifcrianischen Rosenkrcnzer der Diöcese enthüllt;eine von Herrn Consiline, dem Advokaten des ErzbiSthums,geleitete Umersuchung hat festgestellt, vaß alles von der Con-vertitin Behauptete absolut genau war; der Haupt-Geheimtempcllag zwei Schritte vom erzbischöflichen Palais. Der Erzbischoi vonEdinburg hat Miß Vaugban seinen Segen geschickt. Anderer-seits waren die Roscnkrcuzer von England unv Schottland wüthend, was leicht zu begreifen ist. Das Buch Whaite's folgtesofort auf die Einhüllungen der angeblich erfundenen Ex-Frei-manrerin. Und wer ist Herr Whaite? Der englische Neber-setzcr des Rituals der hohen Magie, von Eliphas Levi , zumGebrauch der Rosenkrcnzer von Großbritannien .
Besonders in Erstaunen setzt mich der Umstand, daß die
*) Wir reproduciren diese Ausführungen der „Köln. Volks-zeitung". um unsre Leser über den Stand der Kontroverse aufdem Laufenden zu erhalten. Daß dem Leo Taxil mit demgrößten Mißtrauen zu begegnen ist, unterliegt wohl keinemZweifel. Andrerseits wäre eS sicher unrichtig, wenn manAlles a. priori als falsch verwerfen wollte, was über denOccultiSmus, PalladiSnius und sonstigen Geheimcult der Logengeschrieben worden ist. D. Red.
unerhörten Erklärungen des Dr. HackS mit ihrerhandgreiflich übertriebenen Anmerkung Ihnen nicht in einerganz andern, als der von Ihnen beliebten, Richtung zu denkengeben. Sie erblicken darin ganz einfach einen »Ilondlarel kaussuutoomxgAuio ä sog eompöros«. Vielleicht wird die römische Com-Mission darin etwas anderes finden, jedenfalls können Sie ver-sichert sein, daß wir ihr erbauliche Dmge schicken werden.
An diese zuständige Commission halten wir unS; sie wirdprüfen, was man von den heutigen Erklärungen des Dr. HackSfesthalten muß, und in welchem Umfang es festzuhalten ist-Die meisten alten Freunde kannten sein bedauerliches (d. h. ab-solut ungläubiges) Capitel über den -Costa llisratigue-, under schien es damals zu bedauern (bekanntlich ist das Buch CsCosto 1892 erschienen, unmittelbar bevor „vr. Bataille"den Unfug mit dem „Teufel im 19. Jahrhundert" begann),aber wir waren alle sehr erstaunt, durch den UniverS zu er-fahren, — allerdings folgt der Uiuvers dabei der KölnischenVolkszeitung und dem Nouvclliste du Nord — vr. Hacks seiallezeit „ein activer Freidenker" gewesen, er sei „Verfassermehrerer Werke von ausgeprägtem Anti-KlerikalismuS". (DieKölnische Vvlkszeitung hat ausschließlich von feinem Buch VsCosto gesprochen, das an „ausgeprägtem Anti-KlerikaliSmns"nickts zu wünschen übrig läßt.) Der Nouvclliste du Nord hättedoch eine Freidenker-Gesellschaft nennen sollen, die meinen altenFreund zu ihren Mitgliedern zählte, und einige anti-klericaleWerke, die ihn zum Verfasser oder wenigstens zum Mitarbeiterhaben.
Ich verkenne nicht den Ernst deS hauptsächlich gegen michgerichteten Angriffs. Ich weiß, daß ein Konvertit bis zu seinemTode verdächtigt werden kann. und die Kränkungen, mit denenIhr Blatt mich überschüttet, erscheinen mir als eine Prüfung,die ich tausendfach durch meine traurige Vergangenheit verdienthabe. Ich verlange nicht Ihre Achtung, wodl aber Ihre undIhrer Leser Gebete; ich bedarf derselben sehr in dieser Prüfung.
So Herr Taxil, unschuldig und fromm wie er ist.Wir haben seine Erklärung mehr als einmal gelesen, undsind enttäuscht. Wir hätten von dem mit allen Hundengehetzten Manne mehr erwartet, als einen Schwall vonRedensarten und unbewiesenen Behauptungen. Seineräthselhafte „Miß Vaughan" schwebt noch immer genauso in der Luft wie früher, an den höchst unbequemenGeständnissen seines Freundes Hacks drückt er sich leisevorbei, und dann schiebt er die ganze Geschichte auf dielange Bank der römischen Commission, die nach seinemWunsch mit Zeugen arbeiten soll, deren Namen derOeffentlichkeit verborgen bleiben. In seinen Bemerk-ungen zu der Taxil'schen Erklärung fragt Eugen Tavernierneugierig, wer denn eigentlich zu dieser Commission gehöre,fürchtet, sie werde zu einer gründlichen Prüfung der ganzenVaughan - Literatur ein oder zwei Jahre nöthig haben,und verlangt von dem Mandatar (Leo Taxil ) und demVerleger (Pierrct) der Vaughan'schen Schriften genaueRechnungslegung über die Verwendung der ausihnen vereinnahmten Summen. Wir unserseits möchtenschon heute einige Gründe vorbringen, weßhalb wir vonden beweislosen Betheuernngen des Herrn Taxil keinWort glauben. Wir werden dabei erheblich präcisersein als der wortreiche Vertheidiger der Miß, deren Ge-burt, Lebensumstände und Aufenthaltsort noch immer intiefes Dunkel gehüllt sind.
Vor seiner „Bekehrung" ist Herr Gabriel Jogand -Pagss alias Leo Taxil ein Fälscher von Beruf ge-wesen. Zeuge ist er selbst in den „Bekenntnissen einesehemaligen Freidenkers" (wir citiren nach der deutschenAusgabe, Freiburg und Paderborn 1888). Dort erzählter u. a. folgende Stücklein, die in die achtziger Jahre(frühestens ganz kurz vorher) fallen.
1. Er veranstaltet eine neue Ausgabe der gefälschten„Werke des Pfarrers Meslier". erkennt die FällÄuna