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bei der Correctur des ersten Bandes und hat trotzdem„die Lüge Voltaire's weiter ausgesponuen". (S. 182bis 186.)
2. Zu dem infamen Schandroman 1^68 amoursssorstsv äs kis IX. hat er „wirklich die Idee geliefert,wenn ich ihn auch nicht selbst verfaßte. Wir unterschobendas Werk einem Geheimen Kämmerer Sr. Heiligkeit.Ich selbst schrieb einen Brief des angeblichen Kämmerers,welcher als Vorrede herauskam. Die Grundidee stammtvon mir. Der ganze Schmutz der lügnerischen Anek-doten, welche der Verfasser ausspann, wurde von mirgesammelt und mitgetheilt" (189 ff.). Dieses saubereCompagnie-Geschäft, welches an die unter dem NamenDr. Bataille vereinigten Compagnons deS viabls rmXIX. 81661s erinnert, spielt 1881.
3. Er erfand (202) eine apokryphe (päpstliche) Ex-comwunications-Bulle, die er aus Sterne's Trtstan Shandyabschrieb, es ist dieselbe schmutzige Fälschung, auf die nochvor einigen Jahren ein deutsches socialistisches Blatthineinfiel.
4. Eine kolossale „Mystifikation" hat er sich gegen-über dem Pariser ultra-socialistischen Blatt „La Bataille"(nomsn st oinsu?) gestattet, für das er, als „einer derPrivatsccretäre in der erzbischöflichen Kanzlei von Paris ",„alle Intriguen enthüllte, welche im erzbischöflichen Palastegesponnen werden". Der Streich gelang, und „auf demBureau des ,Anti-Clsrical' (den er redtgirte) lachte mansich jedesmal krumm, wenn ich wieder einen mit JeanSierre gezeichneten Brief auf die Post gab" (203 ff.).Weitere „schamlose Mystificationen". die er mit andernausheckte, zählt er S. 217 auf. Auch hier verfehlt ernicht beizufügen: „Man lachte sich buchstäblich krumm.Die Verfasser hatten die größte Freude darüber, daßsie dem Publikum solche Bären aufbanden, und sagtenlachend: Nur zul Die menschliche Dummheit hat keineGrenzen."
Der Verdacht liegt nahe, daß dieser selbe Taxilauch nach seiner „Bekehrung" Gelegenheiten fand undschuf, um sich wieder einmal „krumm zu lachen".
Die Einzelheiten, mit denen er seine „Bekehrung"erzählt, sind nichts weniger als geeignet, eine innereUmwandlung dieses Fälschers von Profession glaub-haft zu machen. Sie soll erfolgt sein, während er —mit der Fälschung der Acten des Processes gegen Jeanned'Arc beschäftigt war, urplötzlich, am 23. April 1885.Schleunigst am nächsten Morgen geht er beichten, be-kommt aber wegen eines Reservatfalles nicht die Absolution,die ihm vielmehr erst Anfang September zu Theil wird.Erst am 23. Juli, also nach genau einem Vierteljahr,stellt er sich auf der Redaction des Univers als Be-kehrter vor. In der Zwischenzeit reicht er (27. April)seine Entlassung als Sccretär der anti-klerikalen Ligaein, macht aber ganz andere Gründe geltend und erklärtsich bereit, „die laufenden Geschäfte, wie bisher, bis zuseiner Ersetzung zu erledigen", geht auch Ende Mai nochals Abgeordneter zum anti-klerikalen Congreß nach Rom lTrotz allem Geschwätz, mit welchem er diesen Schritt zuentschuldigen versucht, wird man das Erscheinen desreuigen Schäfleins in der römischen Wolfshöhle einiger-maßen befremdlich finden (S. 298 ff.).
Am 16. Mai 1885 veröffentlicht der reuige LeoTaxil einen Abschieds-Artikel in seiner „Nspubligue Auti-Clsricale" (S. 305), in welchem von seiner „Bekehrung"noch keine Rede ist. Wohl aber verwahrt er sich ent-rüstet gegen die Behauptung, er sei „pornograph-
ischer Schriftsteller, da man in keinem einzigenmeiner Werke auch nur einen Satz unsittlichen Inhaltsausfindig machen könne". Da sagt der geistige Urheberder t1wonr8 8sorst63, der (S. 201) bekennt, er habe eine„Schandschrift" 1^63 Iüvrs8 Lsorsts äs8 Lsminuirssherausgegeben!
Indessen haben wir diese vor 1885 liegenden Dingenicht nöthig, um Leo Taxil als Pornographen zu be-zeichnen. Vor uns liegt die zweite Auflage seines scheuß-lichen Buches I,u 6orruiition tin-äs-sisols, er-schienen 1894, zu einer Zeit, als Diana Vaughan be-reits durch „Or. Bataille" introductrt und die förmlicheJnscenirung des Vaughan-Schwindels in voller Vorbe-reitung war. Hier werden — natürlich ausschließlich zustreng „moralischen" Zwecken und mit einem großen Auf-wand von sittlicher Entrüstung — die Geheimnisse derPariser Bordelle im allgemeinen und der widernatürlichenUnzucht im besondern mit einer Sachkenntniß und einerliebevollen Vertiefung in den stinkenden Stoff geschildert,daß das Buch einen Ehrenplatz in der internationale«Abtritts - Literatur beanspruchen darf. Wenn der Ekel,welchen ein selbst flüchtiger Blick in diese Kloake hervor-ruft, überhaupt noch einer Steigerung fähig wäre, sowürde dies der Umstand zu Wege bringen, daß Taxilsich in frommen Redensarten ergeht und nicht verfehlt,dem hl. Vater seine Verbeugung zu machen. Man kannder Brüsseler radicalen Reforme nur recht geben, wennsie ihm neulich anläßlich seines Auftretens beim TrienterCongreß das Prädicat ertheilte: „Leo Taxil , dieser schlechtabgeputzte Freimaurer, welcher der infamste anti-klerikaleSchriftsteller war und nach seiner ,Bekehrung' gewissepornographische Ausgeburten in Weihwasser badete."Nebenbei bemerkt, verrathen auch die sogen. Memoirender Miß Vaughan das Bestreben, durch Nuditätsscenenund obscöne Anspielungen die Oede der unsäglich kindischen„Enthüllungen" und des „frommen" Gefasels zu beleben.Der Unterschied ist freilich vorhanden, daß das „Weih-wasser" hier stromweise fließt.
Wer hiernach über die „Vertrauenswürdigkeit" LeoTaxil's noch nicht ganz aufgeklärt sein sollte, dem müssendie letzten Zweifel angesichts seines Verhältnisses zu„vr. Bataille" schwinden. Wir wissen nicht, ob esnach den Geständnissen des Du. Charles Hacks — wirwiederholen, daß wir diesen für eine Nebenpersonbei der Fabrication des Oialils au XlX. sissis halten— noch einen halbwegs vernünftigen Menschen gibt, deran diese „Erzählungen eines Zeugen" glaubt. Mit un-bedingter Sicherheit ist ja festgestellt, daß der erklärteFreigeist und fanatische Kirchenhasser Hacks an diesemTeufelsroman mitarbeitete, und daß er sich als „Dr. Ba-taille" feiern ließ. Die vortrefflichen Aufsätze, die in denletzten Tagen Eugen Tavernier im Pariser „Univcrs"der wettern Entlarvung des „I)r. Bataille" widmete,haben noch einige bezeichnende Einzelheiten beigebracht.„Am 5. Mai 1893 hielt I)r. Hacks im Saale der SocistsBibliographique einen Vortrag, in welchem er feine Reisenund seinen Forschungszug durch die teuflischen Ritenschilderte. An diesem Abend bildeten Or. Hacks undDr. Bataille nur eine einzige untheilbare Person. UndDr. Hacks entwarf, unter dem Namen des Dr. Bataille,das ganze Programm der Enthüllungen, das sich währendmehrerer Jahre entwickeln sollte" (UniverS, 27. Oktober1896). Drei Tage später gräbt Tavernier (Univers von»30. Oktober) die prächtige Annonce aus, die im Angnst1894 aus einem der Liefsrungshcfte des Oiaffls prangte.