Ausgabe 
(11.11.1896) 47
 
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Herr Dr. HockS,ehemaliger Arzt der Gesellschaft Nss-suZsries maritimes" so führt sich bekanntlich auchDr. Bataille" im ersten Satz der Vorrede zum Oiadlsein empfiehlt sich zu ärztlichen Konsultationen undbemerkt zum Schluß:Besondere Preise und Beding-ungen für die Herren Geistlichen sowie für die religiösenKongregationen und Genossenschaften". Ein sehr frommerMann, wie man sieht, und als solcher hat er sich auchin seiner ZeitschriftDer Arzt der christlichen Familie"gegeben schade, daß diese Frömmigkeit ihn nicht hin-derte, sowohl vorher als nachher als Freigeist undVoltaireaner aufzutreten.

Herr Hacks - Bataille, über den man jetzt wohldie Acten schließen kann, ist aber der BusenfreundLeo Taxil's . Wer es nicht ohnehin wußte, kann esschwarz auf weiß in Nr. 1 der üevrm mansualls(Januar 1894) lesen, der zur Neclame für den Oiublogegründeten, vonDr. Bataille" geleiteten tollen Monats-schrift. Dort bricht Taxil (mit Namcnsunterschrift) in14 enggedruckten Spalten eine Lanze für den wegenseines viabls angegriffenen vr. Bataille:Ich konntees nicht ablehnen, an der Seite meines Freundes zukämpfen. Bataille ist ein alter Jugend-Kameradvon mir, dessen Ehrenhaftigkeit ich stets geliebt, dessenritterlichen Charakter ich stets bewundert habe. Ueberihn habe ich in meinen Bekenntnissen eines ehemaligenFreidenkers geschrieben" folgt eine Erzählung, wienobel während seiner Verbannung in Genf sein FreundH., heute einer der bedeutendsten Aerzte vonMarseille, " sich gegen ihn benommen habe. Dannfügt er bei, dieser brave H., der später der weltberühmteDr. Bataille geworden sei, habe immer versucht, ihn aufden rechten Weg zu bringen und habe nie an seiner Be-kehrung verzweifelt! Weiter schildert er des Langen undBreiten, wie er von den Verlegern des Oialols gebetenworden sei, ein Auge auf die Veröffentlichung diesesTeufelsromans zu haben, wie er sich mit Bataille-Hacksbesprochen und ihm weitere Informationen verschafft habe;er sei nicht Mitarbeiter im eigentlichen Sinne gewesen;eS habeeine freundschaftliche Ueberwachung in theo-logischer Hinsicht und bezüglich der speciell freimaurerischenThatsachen" stattgefunden; aber das Buch des Dr. Ba-taills sei dessenabsolut persönliches" Werk. Merk-würdig: Dr. Hacks hat bekanntlich 1896 die Ehre, Dr.Bataille zu sein, in den bestimmtesten Wendungen abge-lehnt, während sein Freund Taxil 1894 das schnur-gerade Gegentheil versichert hat. Es ist traurig, wennzwei so intime Freunde in solcher Weise einander Lügenstrafen.

Die volle Complicität Taxil's mit vr. Hacks-Bataille, seine Mitverautwortlichkeir für den unterdem Namen Bataille verübten groben Schwindel ist damitzur Evidenz bewiesen. Zum Ucbcrfluß hat kürzlich HerrPierre Lautier, der leichtgläubigsten und urtheilslosesteneiner in dieser tollen Geschichte, ausgeplaudert, bei seinerfamosen Zusammenkunft mitDiana Vanghan" im PariserHotel Mirabeau, bei welcher der gefällige Dr. Batailledie Honneurs machte, sei auch Leo Taxil dabeigewesen!So Herr Lautier im Röster de Marie; ich finde das Citat,an dessen Richtigkeit ich zu zweifeln keinen Grund habe,im Mailänder Offervatore Cattolico vom 14./15. Ok-tober. Also bei dieser grotesken Komödie I)r. Batailleund Leo Taxil Arm in Arm! Sage mir, mit wem duumgehst, und ich sage dir, wer du bist.

Ein Fälscher von Beruf, ein Pornograph, der Herzens-

freund des entlarvten Dr. Bataille und Mitarbeiter a«Oiulilö, ist heute der Kämpe der unauffindbarenMißVaughan". Einer der Verfasser oder Mitarbeiter desBuches, in dem die Miß zuerst an die Wand gemalt undihr Auftreten systematisch vorbereitet wurde, hat jetzt dieKutte abgeworfen und steht wieder vor aller Welt daals der Freidenker, der er immer gewesen ist; aber seinJugendkamerad" Taxil pilgert nach Trient , schimpftund schwört, und vergißt dabei die Antwort auf dieallereinfachsten Fragen, durch deren Beantwortung er dieExistenz der Miß beweisen soll. Einem italienischen Erz-bischof hat er, wie uns aus Rom mitgetheilt wird,auf'SCrucifix" zugeschworen, die Sache sei richtig. Gelegentlichsitzt er auch in Trient mit Herrn Künzle beim Bier undfordert namens der durch dieGeheimnisse der Hölle" inihren Autorrechten beeinträchtigtenMiß Vaughan" vonihm eine kleine Entschädigung von 20,000 Fcs. Nun,das ist nicht einmal soviel, als Herr Margiotta für diegroße Gunst verlangt hat, seineEnthüllungen" in'SDeutsche übersetzen zu dürfen, nämlich 50,000 FcS. DenVerblendeten, die ihn in Trient mii einem Hoch be-grüßten, hat er in seiner frivolen Manier eine Lectiongegeben mit der bekannten Warnung, man möge mit demBeifall bis zu seinem Tode warten. Wir sind soschließt die Köln . Volksztg. ihre Ausführungen so frei,diese Mahnung zu befolgen und bei unserer Meinung zubleiben, daß Taxil in Trient gethan hat, was er so vieleJahre gepflegt und gethan: er hat gelogen, und heute lügter weiter.

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Leo Taxil weigert sich, wie vorauszusehen war,der Aufforderung des Univers Folge zu geben, den Nach-weis für die nach seiner Angabe nur zu wohlthätigenZwecken geschehene Verwendung der Honorare aus denEnthüllungen" derMiß Vaughan" zu liefern. Selbst-redend! Seine eigenen Taschen werden schon nicht widerihn zeugen. Wir würden uns höchstens gewundert haben,wenn er seine Behauptung irgendwie bewiesen hätte. Inseiner neuesten Nummer übernimmt der Univers aus demNouvelliste de Lyon" einen Bericht, in welchem von einerzweiten Zusammenkunft zweier Ungenannter mit derderMiß Vaughan" die Rede ist. Die eine hat, wiebekannt, in Paris mit dem unglaublich leichtgläubigenHerrn Lautier stattgefunden, die zweite in Ville-franche. Das Lyoner Blatt glaubt nicht an dieExistenz der Vaughan:

Da wir den Geschäftsgeist derjenigen kennen, die siepatronisinen, kamen wir zu dem sehr natürlichen Schlosse, daß,wenn die Miß existirt hätte, ihre Barnums nicht verfehlthaben würden, sie bei Gelegenheit mit der dicken Trommel gegengutes Eintrittsgeld zu zeigen. Wir kennen indeß Leute, derenUngläubigkeit nicht von diesem Argument befriedigt wurdeund welche Leo Taxil und seinen anonymen Cumpan, den Dr.Bataille, baten, die Pricsterin des Palladisninö sehen zu dürfen.Sie erhielten zur Antwort, daß sie dieselbe sehen würden. Dieerste Scene dieser Komödie spielte in Paris , die zweite vordrei Monaten in Billefranche. Also zwei Persönlichkeiten,die wir nickt näher bezeichnen, deren Namen aber einige ka-tholische Kollegen in Paris angeben könnten, sprachen den Wunschaus, Diana Vaughan zu sehen. Da sie nickt in der Hauptstadtwohne, sagte Leo Taxil , müsse schon eine kleine Reise gemachtwerden, und die Neugierigen waren damit einverstanden. DasStelldichein wurde in Wllefranche nach Tag und Stunde fest-gesetzt. Warum gerade Villefrancke? Wer die VergangenheitLeo Taxil's kennt, wird diese Frage leickt beantworten können.Also um die bestimmte Zeit warteten die beiden Ungläubigenin einem Gasthofszimmer zu Villcfranche auf die geheimnißvolleLucifcrianerin. Die Tbüre öffnet sich, und zwei feingekleideteDamen treten ein. Die eine jung, hübsch, von fremdartiger