Ausgabe 
(11.11.1896) 47
 
Einzelbild herunterladen

Schönheit, die andere reifern Alters, ihre Hüterin. Nach dergegenseitigen Vorstellung plauderte man von Freimaurerei ,PalladismuS, Alles ging anfangs wie am Schnürchen. Wennauch nicht ganz klar, stimmten doch die Aeußerungen derjenigen,die sich Diana Daugban nannte, mit den Einhüllungen derZcbnpfcnnips-Brofchürcn übcrein. Aber nach und nach gericthdie Unterhaltung aus dem Geleise, die Rede nahm eine seltsameForm an, und der Accent, anfangs englisch, wurde Platt, währendgleichzeitig die falsche Palladisti», offenbar müde von der einge-lernten Lection und von der Rolle, die man sie spielen ließ,sich andern Gegenständen zuwandte, die, wenn auch an sichluciferianisch, doch nicht mehr dem Charakter entsprachen, dendie Erfinder der Diana Vaughan verliehen hatten. Die beidenPersönlichkeiten saßen aber in der Falle und waren düpirt.Vollständig erbaut nahmen sie den nächsten Rückzug nach Paris .Die zwei .... Frauenspersonen aber kehrten wieder auf dieTrottoirs von Lyon zurück, von wo sie gekommen waren.Mehr sagen wir nicht, um nicht einen unserer Pariser Kollegenzu berauben, der recht erbauliche Einzelheiten über die erstaun-liche Myslification der Taxil und Consorten besitzt und die-selben sicherlich auch veröffentlichen will zur Erbauung allzuleichtgläubiger Seelen.

* 4 -

4 -

Leo Taxil hat neuerlich ein zweites langes Schreibenan den Univers gerichtet, welches hauptsächlich Anklagengegen den Dr. Hacks enthält. Der Univers charakterisiertdenjenigen Theil dieses Schreibens, welchen er nicht fürnöthig hält abzudrucken, mit der Bemerkung, es sei Taxil'sArt, jedesmal, wenn man ihn nach den Beweisen für eineBehauptung frage, mit zehn neuen Behauptungen zukommen, deren jede beweisbednrftig sei. Leo Taxil be-schuldigt den Dr. Hacks, sich für 100,000 Francsan die Freimaurer verkauft zu haben(l). Dasist, sagt der Univers, ein nettes Sümmchen. Bisherwußte man noch nicht, daß die Freimaurer so gut be-zahlen. Vielleicht haben sie eine Anleihe bei der palla-distischen Kasse gemacht. In dem langen Schreiben Taxit'swird dann ausgeführt, daß Dr. Hacks keineswegs in irgendeinem seiner Schreiben der neuesten Zeit sage, daß irgendeine der von ihm gebrachtenEnthüllungen" in 1,6 viablsfalsch sei; dieses Werk enthalte denn auch keine Täuschung;ein großer Theil der darin enthaltenen wunderbaren That-sachen sei von Abonnenten mitgetheilt und erhärtet; dievon Dr. Hacks persönlich erzählten Thatsachen seien vonMissionaren bestätigt.Was einzig mit Gewißheit ausden Briefen des Or. Hacks hervorgeht, ist, daß er mitseinen alten Freunden bricht." Leo Taxil nenntdie Erklärungen in diesen Briefen, zumal in seinemSchreiben an die Kölnische Volkszeitung,unerwartet"undvon unerhörter Gottlosigkeit", nachdemHundertevon Priestern" diesenUnglückseligen" als einenaus-gezeichneten Christen" gekannt hätten. Seine altenFreunde hätten nach seinen Erklärungen sich gefragt, ober nicht plötzlich irre geworden sei.Es wäre hundert-mal besser, daß wir vor einem Wahnsimus-Anfalle (stattvor solchem Sturze) ständen". Dr. Hacks habe sich demFreunde (für 100,000 Frcs.l) hingegeben, umSpaltungunter den Vertheidigern der Kirche hervorzurufen, dieonti-freimaurerische Bewegung zu stören, im Augenblicke,wo der Trienter Cougreß den Grund gelegt hat zur Or-ganisation des Widerstandes". Die Miß Vaughan an-langend sagt Taxil, dieselbe werde der römischen Com-mission (die Namen der Mitglieder nennt Taxil nochimmer nicht, nur nennt er den bekannten Vorbereitungs-Ausschuß des Trienter Congresses (ihre Buchhändler-rechnungen vorlegen; auch werde die Entscheidung dieserCommission vor Jahresschluß erfolgen. Der Univers be-

gleitet dieseExplicationen" Leo Taxil's mit spöttischenBemerkungen. Dieselben zielten nur dahin, die Sach-lage zu verwirren und Zeit zu gewinnen. Wir finden, daßTaxil nur sein Lügenhandwerk mit unverminderterDreistigkeit fortsetzt, indem er jetzt sein Erstaunen und seinenSchmerz darüber kundgibt, daß seinBusenfreund" Dr.HackS mit einem Mal wieder aufgehört habe,guter Christ"zu sein. Niemand weiß besser, wie Leo Taxil , daß Ör.Hacks nie etwas anders war, als radicaler Frei-geist und Voltaireauer, der nur alsOr. Bataille", d. h.als Mitverfasser des Uiaftls au XIX siöels bei leicht-gläubigen französischen und italienischen Katholiken zeit-weise als neues Kirchenlicht gegolten, diese Rolle, weilsie seinen Zwecken diente, sich hat gefallen lassen undheuchlerisch mitgespielt hat. Leo Taxil weiß das, wiegesagt, ganz genau, da er selbst hinter demselbenOfen gesessen hat, nur daß er versuchte, die RollealsBekehrter " und Anti-Freimaurer noch etwas weiterzu spielen, während Dr. Hacks sich wieder so gibt, wieer immer war und insbesondere in seinem 1894 er»erschienenen Buche 1,6 6<zsts sich gegeben hat. Nunliegen sich also diese großenEnthüller" unter ein-ander in den Haaren; ob ernstlich oder scheinbar,läßt sich noch nicht genau erkennen. Erst geriethen Mar-giotta undMiß Vaughan" aneinander; jetzt Taxil undseinBusenfreund" Dr. Hacks.

* »

*

Das Neueste in Sachen Taxil ist eine Korrespondenz,welche aus Rom demUnivers" zugegangen ist von einerSeite, welche auch den Osservatore Cattolico in Mailand mit Nachrichten versorgt. Letzteres Blatt, das unlängstohne entsprechende nöthige Kritik eine längere Zuschriftgebracht hatte, in welcher gegen die Kölnische Volkszeitungund für Taxil-Vaughan Stellung genommen wurde, er-klärt jetzt selbst das Unternehmen Taxil's alsunwürdigeAusbeutung des guten Glaubens zum Besten gemeinerund vielleicht gottloser Interessen". In der Zuschriftdes Univers finden wir endlich die Zusammensetzung derzur Prüfung der Existenz der Vaughan eingesetzten Com-mission. Zu derselben gehören: Msgr. Lazzareschi,Titularbischof von Neucäsarea, Msgr. Vincent Sardi undMsgr. Nadiui-Tedeschi, beide zum Staatssecretariat ge-hörig, der Jesuitenpater Franco, Redacteur der CiviltäCattolica, der sicilianische Professor Vincenz Longo, einanti-freimaurerischer Schriftsteller und der Präsident undVice-Präsident der Anti-freimaurertschen Union: Alliataund Pacelli. Aus dem Munde des Vorsitzenden derCommission, des Msgr. Lazzareschi theilt nun derUnivers mit, in Trient sei man nach manchem Hin undHer übereingekommen, daß Leo Taxil seine Vaughan-Documente diesem damals dort anwesenden Bischof vor-legen solle. Taxil habe zugestimmt, Bischof Lazzareschisich am bestimmten Orte zur vereinbarten Zeit einge-funden.Wer aber ausblieb, war Taxil, und manhat ihn seitdem nicht mehr gesehen; man wird ihn auchnicht vor der römischen Commission sehen." So derrömische Korrespondent des Univers. Derjenige, welchervorgeschlagen hatte, daß Taxil dem Bischof Lazzareschidie Documente im Geheimen vorlege, war der obenge-nannte Vtceprüsident Pacelli.

Vcrantw. Redacteur: Ad. Haas in Augsburg. Druck ».Verlag des Lit. Instituts von Haas L Grabherr in Augsburg .