Ausgabe 
(21.11.1896) 49
 
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und dem Gott der Finsterniß, mit einem gnostiscki ge-faßten Christenthum zu einer Volksccligion zu vereinigen.Im Jahre 296 erließ er gegen diese Sekte, welche vielSchändliches enthalte, die Unzucht der Perser einführeund Unruhen erzeuge, ein strenges Edikt, welches dieHäupter sammt allen ihren Gütern zu verbrennen, ihreAnhänger zu enthaupten und deren Güter zu confiscirenbefahl. Trotz dieser Strenge richtete die Staatsgewaltnichts aus und vermehrten sich die Manichäer, bis dieKirche ungehindert auf den Kampfplatz treten konnteund mit ihrer siegreichen Macht auch diese Irrlehreüberwand?")

396.

Dieses Jahr erinnert uns an ein wichtiges Ereignißim Leben eines großen Heiligen und in der Geschichte derKirche. Paulinus von Nola deutet es an, wenn er anAugustin gelegentlich seiner Bischofswahl schreibt:DerHerr hat in seiner Güte sein Volk heimgesucht ... umdie Hoffart der Sünder, der Donatisten und Manichäerzu zerschmettern".

Augustin war am 15. November 354 zu Tagasteim nördlichen Afrika geboren, war in seiner Jugend9 Jahre lang dem Manichäismus verfallen, ein dessenLehren entsprechendes unglückliches Leben führend. Abersein nach Wahrheit forschender Geist, das Gebet, dieThränen und Mahnungen einer hl. Mutter und vorAllem die rufende und leitende Gnade Gottes brachtenihn wieder auf den rechten Weg. 387 empfing er vomgroßen Ambrosius die hl. Taufe und zeichnete sich nun injeder Beziehung, durch Wissenschaft und Heiligkeit aus.Bald zum Priester geweiht, wurde er im Jahre 395vom gleisen Valerius zum Coadjutor angenommen undnach dessen Tod, im Jahre 396, zu dessen Nachfolger alsBischof von Hippo gewählt. Die Bedeutung dieses Ereig-nisses zeichnet schön die Gräfin Hahn-Hahn mit folgen-den Worten:Das christliche Afrika stand auf dem Höhe-punkt seiner Entwicklung. Augustin war die geistigeSonne, die alle Keime zur Blüthe brachte; heilige Bischöfelehnten sich an ihn, fromme Priester blickten zu ihmempor, blühende Klöster gediehen unter seiner Fürsorge;zahlreiche Concilien, deren Seele er war, entwickeltenund bestimmten Lehrfragen und stellten Ordnung undZucht in der Kirche fest. Der Manichäismus, der Do-natismus, der Pelagianismus, drei furchtbare Häresien,waren zu Boden geschmettert. Unvcrtilgbar ist der Samedes Drachen, und in immer neuen Unformen bildet einLucifer sich aus. Aber das ist eben die wunderbareMacht der Kirche, daß sie eben auch immer wieder einenErzengel Michael erzeugt, der den Lucifer überwindet.Augustin war der St. Michael seiner Zeit."")

(Fortsetzung folgt.)

Recensionen und Notizen.

Das Leben der Aller seligsten Jungfrau Maria ,dem kathol. Volke dargestellt von k. Rohn er 0. 8. L.Vcnziger u. Comp. in Einsiedeln , 1895. In schönemLeinwandcinband mit Goldprcssung und Nothschiütt.Preis M. 2.50.

k. Die Verehrung der allcrseligsten Jungfrau Maria kannnicht groß genug, nicht zu verbreitet sein. DieHelferin derChristen" muß in der That beständig angerufen werden, solldie unheilvolle Zeit, die Thron und Altar zu stürzen droht,

*°) Hergenröther, Kirchengesch., 3. Aufl., I, xaZ. 211 ff.u. 414 f.

") Vgl. Einleitung Augustins Ausgewählten Schriften(Kempter Ausg.).

bald ein Ende nehmen. Leo XIII. ruft deßhalb unaufhörlichder Christenheit zu:Empfehlet euch dem Schutze Mariens,nehmet zu ihr euere Zuflucht." Mit dem greisen Papste ver-einen sich die Stimmen der Bischöfe und Priester, um daS ganz-Volk zu größerer und innigerer Verehrung der himmlischenMutter zu führen. Maria wird aber erst dann gebührend ver-ehrt werden, wenn ihr heiligstes Leben, ihr Schatz von Tugenden,ihre unermeßliche Liebe zu den Menschen mehr bekannt ist. DieserAufgabe hat sich ?. Rohncr. der verdiente Schriftsteller, unter-zogen. In vorliegendem Büchlein bietet er dem kathol. Volkeeine Lebensbeschreibung der lieben Gottesmutter, von ihremEintrilte in die Welt bis zu ihrer Krönung im Himmel. DieSprache ist lcichtfaßlich, die Beispiele vortrefflich qcwäblt, undsind insbesondere alle Vorbilder des alten Bundes berücksichtigt.Der Werth dieses Büchleins wird erhöht durch 28 ganzseitigeBilder von Joseph Nstter von Führich. Approbationen vonvielen Kirchenfürsten garantiren für die Gediegenheit dieserArbeit. Möge das Büchlein in recht viele, viele Händefrommer Christen kommen, insbesondere aber unter den Mit-gliedern der Jungfrauen-Kongregationen große Verbreitungfinden, damit Maria , die Königin der Heiligen, immer mehrgeliebt, erkannt und verehrt werde und durw ihre mächtigeFürsprache uns helfe in allen zeitlichen und geistlichen An-liegen!

Vier Bücher von der Nachfolge Christi von Tboma»von Kempen. Bcnziger u. Comp., Einsiedeln , 1894.480 Seiten in Leinwand gebunden, Nothschnitt u. Gold-titel. M. 1,50.

k. Kaiser Friedrich trug bekanntlich die Nachfolge Christistets bei sich, und kein Tag verging, ohne daß er wenigstens einCapitel in ihr gelesen. Der wunderbare Jnbalt dieses goldenenBüchleins verdient mit vollem Rechte in den Händen allerMenschen zu sein. Gibt es doch keine Lebenslage, in der unSdie Nachfolge Christi nicht Rath und Trost gewähren würde.Gebildete und Ungebildete, Reiche und Arme, Jung und Altsollen sich mit dieser Perle der Literatur bekannt machen!Die Ausgabe III mit großem Druck aus Benzigcr's rühmlichstbekanntem Verlag ist wegen ihrer schönen Ausstattung besondersempfehlcnSwerth. Für Leute mit schwachen Augen kennen wirkeine geeignetere Ausgabe, zumal sie init einem schönen Stahl-stich geziert ist und die nothwendigsten Gebete enthält. Derbillige Preis wird zur weitesten Verbreitung gewiß viel bei-tragen, und machen mir insbesondere die Herren Geistlichen aufdieses Büchlein aufmerksam, indem es alten Leuten, die amBesuche der Predigt verhindert sind, einen Ersatz bietet durchdas Verzeichniß der geeigneten Capitel für die einzelnen Sonn-und Festtage. Je mehr die schlechte Lcctüre auch auf dem Landeverbreitet wird, desto mehr müssen wir für Verbreitung guterLiteratur sorgen, und ein besseres und geeigneteres Buch alsdie Nachfolge Christi wird um diesen billigen Preis nichtgefunden.

München . Seine geschichtliche, örtliche und monumentale Ent-wicklung unter den WittclSbachcrn. Von vr. I. Weiß.kgl. Sccrctär am Geh. Staatsarchiv. Verlag von A.Brnckmann, München .

* Diese niit 66 Illustrationen und einem Doppelstadtplanausgestattete Monographie bietet eine vortreffliche historischeDarstellung des Werdeganges unserer daher. Metropole. Prä-gnante Schilderung, geschickte Vertbcilnng des Stoffes und sicht-lich liebevolle Hingabe au dessen Bearbeitung zeichnen diesesStädtebuch aus. Selbstverständlich nimmt darin die Geschichteder alten und neuen Monumentalbauten und deren Schilderungeinen entsprechenden Raum in Anspruch. Den praktischenWerth des Buches erhobt im Anhang einFührer" unter demTitel:Rundgang durch die Stadt". Allen Freunden unseresschönen München können wir diesesStädiebild", das weitüber vielen andern derartigen Werkchen steht, nur bestensempfehlen.

Sanct Paulus, der Heidenapostel. Nach neuen Quellenund archäologischen Forschungen dargestellt von?. Phili-bert Sceböck, 0. 8. §r., Lektor der Theologie. Pader-born, Schöningh, 1897. VII, 240 S.

L.V. Der unermüdliche Tiroler Schriftsteller ist soeben miteinem Buche an die Oeffenilichkeit getreten, welches sicherlich beiVielen hohes Interesse erwecken wird. Der hochw. Herr Ver-fasser meint in seiner Bescheidenheit, auf den Beifall der Theo-logicprofessoren nicht rechnen zu können, und hittet nur ummilde Beurtheilung und eventuelle Belehrung. Er denkt sichals Leserkreisstudirende Theologen, in der praktischen Seel-