welcher 14 Jahre lang das Christenthum geschont hatte,schändet nun sein letztes Ncgicrungsjahr auch mit dieserGrausamkeit?) Es ist jene Verfolgung, welcher der be-rühmte Mitkonsu! und Verwandte deß Kaisers FlaviusClemens und dessen Gattin Domitilla, wahrscheinlich auchderen Kinder, ferner die Soldaten Nneus und Achilleus u. And. zum Opfer fielen. Auch die Marter des hl.Evangelisten Johannes, daß er in einen Kessel siedendenOeles getaucht und, als er unversehrt blieb, nach Pathmosverbannt wurde, fällt in dieselbe, ebenso die Berufungund Vernehmung der leiblichen Verwandten deS göttlichenHeilandes, worüber uns HegesippuS folgenden interessantenBericht gibt:?) „Zu damaliger Zeit waren noch aus derVerwandtschaft des Herrn die Enkel des Judas übrig,welcher dem Fleische nach Verwandter Jesu genanntwurde. Diese gaben sie an, daß sie aus dem GeschlechteDavids seien. Ein Evokaius führte sie daher zum KaiserDoruitian. Denn dieser fürchtete die Erscheinung Christiebenso wie Herodes . Er fragte sie, ob sie von Davidabstammten, und sie bestätigten es. Hierauf fragte ersie, wie viele Besitzungen sie hätten und wie groß ihrVermögen sei. Beide antworteten, sie besäßen nur9000 Denare, und hievon gehöre jedem die Hälfte.Allein, sagten sie, auch dieß hätten sie nicht in baaremGelde, sondern in dem Werthe eines Feldes, daS nur in99 Hufen bestände. Davon bezahlten sie die Abgabenund nährten sich selbst mit ihrer Hände Arbeit. Hieraufzeigten sie ihm ihre Hände und bewiesen durch die harteHaut und durch die Schwülen, die von der beständigenArbeit sich gebildet hatten, daß sie selbst arbeiten. UeberChristus und sein Reich befragt, von welcher Art es sei,und wo und wann es erscheinen würde, gaben sie dieAntwort, es sei kein weltliches und irdisches, sondern einhimmlisches und englisches das in der Vollendung derZeit erscheinen werde, dann, wenn er in Herrlichkeitkommen würde, zu richten die Lebendigen und die Todtenund einem Jeden nach seinen Werken zu vergelten. Aufdieses hin verurtheilte sie Domitian nicht, sondern ver-achtete sie als ganz geringe Leute. Er ließ sie daherfrei und befahl auch, die Verfolgung gegen die Kircheeinzustellen."
Domitian hatte nach diesem Vorgänge nicht mehrlange zu leben. Obwohl er in seinem Argwohn undMißtrauen so weit ging, daß er die Wände in seinemPalast mit spiegelndem Leuchtstein belegen ließ, so daßer immer wahrnehmen konnte, wer sich hinter seinemRücken befand und was da vorging, so war es dochVerschwörern gelungen, an ihn heranzukommen und ineinem unbewachten Augenblick, während er ein ihm vor-gehaltenes und vorgeblich sehr wichtiges Schriftstück las,ihm den Dolch in den Unterleib zu stoßen. Personendes kaiserlichen Hofgesindes waren die Thäter, als An-stifterin des Mordes wird seine eigene Gemahlin Do-mitia Longina bezeichnet, welche für ihr Leben fürchtete.ES war der 18. September 96, als der grausame Tyrannin seinem Blute zusammenbrach. Leichenträger derniedrigsten Volksklassen schassten den Todten auf ärm-licher Bahre nach einer Villa, wo Phyllis, seineAmme, die sterblichen Neste verbrannte.?) Auf Befehldes Senates wurden die ihm zu Lebzeiten gesetzten In-schriften und Bildsäulen mit seinen Ehrentiteln vernichtet,und da er keine Kinder hinterließ, gab ihm der Senat
st EusebiuS. KirchengcsK. III, eap. 17 u 18.
st Bei EusebiuS I. o. oaz>. 2V.
st Lal. Ncumont, Gcsch. der «Stadt Nom I, 428 f.
einen Nachfolger in der Person des auch die Christenwieder duldenden, mild regierenden Kaisers Nerva , von96—98. „Mit ihm, sagt TacituS , begann ein glücklichesJahrhundert, welches zwei bis dahin unvereinbare Dingemit einander verband, Principal und Freiheit." Zugleichbegann mit seiner Regierung die größte und glänzendsteZeit für die Stadt Nom?)
196 und 296.
Hundert Jahre nach dem Tode DomitianS und derzweiten großen Christenverfolgung finden wir als Bischofvon Rom und Oberhaupt der Kirche den hl. Viktor ver-zeichnet, in dessen Thätigkeit, wie Schwegler bemerkt,bereits „alle Faktoren des Papstthums beisammen sind"?)An seine Regierung knüpft sich der berühmt gewordeneStreit °) über die Zeit der Osterfestfeier zwischen Occidentund Orient. In ersterem feierte man Ostern am Sonn-tag, im Orient aber, vorzüglich in Kleinasien , wurde esimmer am 16. Nisan begangen, gleichgültig ob derselbeauf einen Sonntag oder Wochentag fiel; auch bezüglichder Fasten herrschte verschiedene Praxis: die einen ließensie bis zum Auferstchungsfeste dauern, die andern be-endeten sie bereits mit dem Todestage Christi. Viktorwar nun bestrebt, möglichste Einheit in diesem Punktin der Kirche herzustellen, und hielt um 196 eine Synode st,in welcher festgesetzt wurde, „daß daS Geheimniß der Auf-erstehung Christi an keinem andern als am Sonntaggefeiert werden und daß erst an diesem Tage das Oster-fasten beendet sein solle." Damit hatte Viktor einenwichtigen Schritt zur Herstellung in der Einheit derkirchlichen Festfeier, speciell deS Hauptfestes gethan. Diemeisten schlössen sich denn auch der römischen Praxis an,nur der kleinastatische Bischof Polykrntes von Ephesus Machte mit seinen Bischöfen, auf die Ueberlieferung derApostel Philippus und Jakobus sich stützend, verschiedeneEinwendungen, und der Streit zog sich noch etwas in dieLänge, bis im Jahre 325 auf dem Concil zu Nicäa dieoccidcutalische Anordnung allgemein und endgültig vor-geschrieben wurde.
Das Jahr 296 bringt den Tod und die Beisetzungin den Callixiuskatakomben des hl. Papstes Casus ?) Dieüber ihn cxistirenden Nachrichten werden stark angezweifelt.Er soll aus Dalmatien gebürtig und Neffe oder Groß-neffe des Kaisers Diokletian gewesen sein. Auf dessenVeranlassung erlitt er auch am 22. April des genanntenJahres das Martyrium, weil er nämlich seine Nichte, diehl. Susann«, eine gottgeweihte Jungfrau, in dem Vor-satz bestärkt hatte, in die ihr von Diokletian angetrageneVerchelichung mit Galerius Maximianus nicht einzu-willigen?) Sein Nachfolger war im nämlichen Jahreder hl. Marcellinus.
Diokletian verfolgte aber nicht nur die rechtgläubigenChristen, sondern er war überhaupt bestrebt, die Einheitder heidnischen Religion in seinem weiten Reiche aufrechtzu erhalten, oder vielmehr wieder herzustellen. Deßhalbwendete er sich besonders auch gegen den gefährlichenManichäismus, welcher als ein Versuch erscheint, denpersischen Dualismus von zwei ewigen gleichgeordnetenGrundwefen und ihren Reichen, dem Gott des Lichtes
st Ebenda 441.
st Bei Hergenrötber, KirLengescb. I. xaA. 301.st Vgl. EusebiuS, Kirckengcsch. V, cap. 26-28.st labe, ItsA. koiitik. iisx. 4.st Luinart, Lot» Llartzeruni (RcgcuSburg, Mauz 1659)xa§. 631.
st Kirckenlexikon, 2. Aufl., II, xa§. 1683.