Die Fürstin war viel zu glücklich im Besitze ihres jungen Gatten, um nicht bereit-willigst seinen leisesten Wunsch zu erfüllen, und den Verkehr mit ihren alten russischenFreunden aufzugeben» Er hätte noch ganz andere Opfer von ihr fordern können undsie würde sie mit der grenzenlosen Hingebung eines liebenden Weibes gebracht haben.
Bald nach seiner Verheirathung erfaßte den Baron eine unwiderstehliche Wander-lust, es litt ihn nicht länger in Florenz , er mußte fort, und wie schwer es auch derFürstin fiel, sich von ihrer schönen Vaterstadt zu trennen, sie gab doch willig ihre Heimathauf und folgte ihm in die Fremde.
Die Reise ging zuerst in das südliche Frankreich, dann wurde in den Pyrenäen -Ländern Halt gemacht; aber auch dort litt es den Baron nicht lange und schon einigeWochen später befand sich das junge Ehepaar in Madrid .
Wohl war dieses unruhige Neiseleben nicht nach dem Geschmacke der Fürstin, aberaus Liebe zu ihrem Gatten ertrug sie es, ohne das leiseste Murren. Sie hatte Florenz bis auf kleine Ausflüge nach Rom und Venedig vorher nie verlassen, und empfand einewahrhaft krankhafte Sehnsucht nach ihrer Heimath, und doch verbarg sie dieselbe sorg-fältig vor ihrem Manne. Wurde doch die Leidenschaft für ihn mit der Zeit nichtschwächer, sondern stärker. Ihre Freunde hatten zwar behauptet, daß die so rasch ent-standene Flamme in ihren Herzen ebenso rasch erlöschen würde, aber das Gegentheilwar der Fall. Sie empfand für ihn eine Gluth, die all' ihre Empfindungen, ihr ganzesDasein beherrschte. Es war ihre Welt und sie brauchte nichts weiter als seinen Besitz.
Ueberall, wohin das schöne Paar kam, erregte es Aufsehen. Man gewahrte wohl,das; die Fürstin nur Augen für ihren Gatten hatte und mit wahrer Schwärmerei anihm hing; aber sie war ja noch immer eine schöne Frau und dort im Süden findengroße Leidenschaften weit leichter ein Verständniß. Niemand lächelte über die jetzigeFrau Baronin, die trotz ihrer dreiunddreißig Jahre kein Hehl daraus machte, daß sienoch das feurigste Herz im Busen trug. Jedes Wort, jeder Blick, ihr ganzes Be-nehmen verräth, wie glühend sie ihren Gatten liebte. Mit der ganzen Zwanglosigkeitder Südländerin zeigte sie immer und überall, daß sie nur in seiner Nähe glücklich warund jeder Athemzug ihm gehörte.
Ob der Baron noch ihre Empfindungen theilte? — Er war äußerlich die Auf-merksamkeit selbst gegen seine Gattin und behandelte sie mit der größten Zartheit; aberwenn sie sich all zu stürmisch an seine Brust warf und immer wieder von ihm dasBekenntniß forderte, ob er sie ebenfalls so heiß und glühend liebe, wie sie ihn, — dannzeigte sich schon zuweilen eine leise Unmuthswolke auf seiner sonst so glatten Stirn under hatte Mühe, mit der frühern Wärme zu betheuern, daß seine schwärmerische Liebefür seine Carlotta niemals ersterben werde.
Wenn auch für die Fürstin dies beständige Neiseleben etwas sehr Unbequemeshatte, so war sie doch glücklich, daß sich ihr Mann gegen alle Welt kühl und sorgfältigabschloß, um ihr allein zu gehören.
Auch in Madrid hielt es der Baron nicht lange aus; eine unerklärliche Unruheschien ihn von Ort zu Ort zu treiben. Im Fluge wurde Andalusien durchschweift und plötz-lich bekam er den Einfall, nach Paris zu gehen. Die Fürstin wäre am liebsten wieder inihr theures, unvergeßliches Florenz zurückgekehrt, aber sie wagte nicht zu widersprechen,obwohl sie kaum eine Empfindung des Widerwillens gerade gegen dieses Reiseziel unter-drücken konnte. Die böse Ahnung beschlich ihr Herz, daß sie im Strudel der Weltstadtvielleicht doch nicht so ausschließlich für einander zu leben vermochten, wie dies bisherder Fall gewesen war.
Auf seinen bisherigen Reisen hatte Baron Bloomhaus eine große Einfachheit anden Tag gelegt. Er trat zwar überall seinem Stande gemäß auf, aber er zeigte nichtdie mindesten verschwenderischen Neigungen und die Fürstin war auch über diese Eigen-schaft ihres Mannes entzückt. Sie hatte bereits eine Anwandlung von Geiz und dieSehnsucht, ihr ziemlich bedeutendes Vermögen noch ins unermeßliche zu vermehren.