Hur schmerzlichen Enttäuschung seiner Gattin wurde der Baron rasch ein Anderer.Anfangs hatte er in der französischen Hauptstadt ebenfalls nur wenige Wochen bleibenwollen, er änderte jedoch bald seinen Sinn, miethete eine eigene Wohnung und richtetesie so glänzend ein, daß nicht zu zweifeln war, Bloomhaus werde hier endkch länger
Die Fürstin war anfangs über seinen Entschluß erfreut, wenigstens wurde siedadurch des ihr lästigen Wanderlebens überhoben, — doch schon nach kurzer Zeit zeigtensich die ersten Wolken an ihrem bisher so ungetrübten sonnigen Ehehimmel. Sie glaubtezu bemerken, daß ihr Gatte schon weniger zärtlich zu ihr war. Früher waren sie ganzunzertrennlich gewesen, sie hatte ihn überall hin begleiten müssen, jetzt suchte er schonallerlei Vorwände, um von seiner Gattin wenigstens auf einige Stunden loszukommenund wenn sie sich darüber beklagte, und in seinem Benehmen einen Mangel an Liebesah, entgegnete er ruhig: Diese geistreichen Franzosen spotten schon über uns; sie nennenuns die Turteltauben und wir dürfen doch nicht zum Gelächter der ohnehin so kritischenPariser werden! und ihre schwärmerische Antwort: Was haben wir nach der Welt zufragen, wenn wir uns alles sind! suchte er mit einer leeren Redensart abzufertigen.
Leider hatten die zärtlichen Bemühungen der Fürstin, ihren Mann wieder an sichzu fesseln, den entgegengesetzten Erfolg. Immer mehr entfernte sich der Baron vonseiner Frau, immer toller stürzte er sich in den Strudel rauschender Vergnügungen, diein nur zu reicher Fülle die französische Hauptstadt bietet. Es kam zwischen den beidenEheleuten zu sehr lebhaften Auftritten; bald überschüttete die leidenschaftliche Frau ihrenMann mit den heftigsten Vorwürfen, bald brach sie in einen Strom von Thränen ausund bat ihn auf ihren Knieen, zu ihr zurückzukehren, sie wieder so glühend und innigzu lieben, wie früher, wenn sie nicht wahnsinnig werden solle.
Der Baron zeigte bei solchen Gelegenheiten eine so vornehme Kälte, die jedeAndere, nur nicht diese heißblütige Frau, überzeugt hätte, daß in dem Herzen diesesMannes schon der Rauch verflogen, daß sie ihm bereits gleichgiltig geworden sei. l
Die Fürstin dagegen war zu stolz und zu verblendet, um an die Möglichkeit nurim Traum zu denken. Sie sah in dem Benehmen ihres Mannes nichts weiter als einestürmische, zu weit getriebene Lebenslust und das Verlangen, der Welt zu beweisen, daßer eigentlich nicht unter dein Pantoffel stehe. Sie machte deshalb von Neuem Anläufe,ihren Gatten wieder an sich zu fesseln, aber alle ihre Bemühungen hatten keinen Erfolg.Er ging immer rücksichtsloser seines Weges und sie bekam ihn oft tagelang nicht zusehen.
Unter dem Vorivande, daß er nicht zur Zielscheibe des Spottes der Pariser werdenwolle, hatte der Baron seine häuslichen Einrichtungen ganz nach modernem französischemMuster getroffen. Seine Zimmer waren völlig von denen seiner Gemahlin getrenntund so konnte er sich ganz zwanglos benehmen, wie es ihm nur beliebte. Wenn seineGattin sich darüber beklagte, entgegnete er stets mit vornehmen Lächeln: daß er ihr jadieselben Freiheiten gestatte, denn es gezieme sich nicht für Leute seines Standes einspießbürgerliches Eheleben zu führen.
Vergeblich waren die Bitten, die Beschwörungen, die bitteren Vorwürfe der Fürstin.Sie erinnerte ihn nur zu oft in ihrer leidenschaftlichen Weise, wie sie ihm Alles geopfertund nun auch fordern könne, von ihm ebenso glühend wieder geliebt zu werden, "wie sieihn liebe; er hatte dafür nur ein vornehmes, überlegenes Lächeln.
Bald war die Fürstin der Verzweiflung nahe, ihre heißen Gefüh'le wurden durchsein jetziges frostiges Benehmen nicht abgekühlt, im Gegentheil erwachte stürmischer alsje in ihr das Verlangen, die Liede ihres Gatten wieder zu gewinnen und jene Tagezurückrufen, in denen sie in seinen: Besitz so unendlich glücklich gewesen war. Noch hattesie keinen Argwohn einer etwaigen Untreue. Sie glaubte nur, daß in ihrem Manneplötzlich eine wilde Lebenslust erwacht sei, daß er sich einer Menge nobler Passionenhingäbe und schon zu ihr zurückkehren werde, wenn er sich ein wenig ausgetobt habe.