Ausgabe 
(14.7.1880) 4
 
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Um ihrerseits den Rath ihres Gatten zu befolgen und sich in dem lustigen Paris auf eigne Hand zu vergnügen, dazu war die Fürstin zu bequem. Schon in Florenz hatte sie sich etwas zur Trägheit geneigt; das unruhige Wanderleben hatte vollends ihreKräfte rasch erschöpft; sie brauchte die Erholung, wie sie sich selber sagte und sie konntetagelang auf ihren: Ruhebette liegen, müßig zur Decke starren, oder aus Langeweile ineinem leichten französischen Roman blättern und wenn sie des Lesens müde wardann pflegte sie die schöne Vergangenheit zurückzurufen und von der Zukunft zu träumen,in der Gregor wieder schwärmerisch zu ihren Füßen ruhen würde.

Aus Bequemlichkeit hatte die Fürstin in Paris keine Bekanntschaften angeknüpftund auch ihr Gatte brachte niemals Gäste ins Haus, er schien es vorzuziehen, seineUnterhaltung wo anders zu suchen, als in seinem eigenen Salon.

Wie sehr sich auch die unglückliche Frau zu langweilen begann, sie fand nicht dieKraft, sich emporzureißen, um in der Gesellschaft diejenige Stellung einzunehmen, dieihr gebührte. Sie zog es vor, zu Hause das einsamste und traurigste Leben zu führen.

(Fortsetzung folgt.)

Hofnarren.

Zur Zeit unserer Vorväter, ehe noch Erziehung und Gesittung hinreichende Fort-schritte gemacht hatten, herrschte vorzüglich unter den vornehmen und gebildeten Classendie Sucht nach allerlei närrischen Possen und Zeitvertreiben, worüber mau sich indessennicht so verwundern darf, da es ihnen oft an Quellen besserer und vernünftigerer Unter-haltung gebrach. So war es damals Sitte, Zwerge und Niesen, Narren und Possen-reißer rc. zu halten. An den Höfen und in den Palästen der Großen durfte es andergleichen armseligen Wichten nicht fehlen; ihre Aufgabe war, die hohen Herrschaften,in deren Diensten sie standen, durch allerlei lächerliche Streiche, witzige Einfälle, alberneGeberden und Bewegungen, ausfallende Kleidung rc. zu belustigen. Bisweilen hattendie Lustigmacher oder Hofnarren wirkliche Bestallung und bekleideten Hof- und Mililär-posten. In Frankreich führten sie auch den Titel Hofpocten, Tischrüthe, kurzweiligeRäthe u. s. w-, und es lag ihnen die Pflicht ob, wenn es das Hofnmt erforderte, dasCeremonie! des Hofes zu reguliren. Addison und Home suchen den Ursprung derselbenin dem Stolze, Shaftsbury in dem Despotismus der Großen, indeß erscheint die obenangegebene Ursache dafür weit natürlicher. Eine alte Flugschrift, betitelt: ,,FVitn LliLario",von: Jahre 1599, giebt uns einen Begriff von den Anforderungen, die man an einensolchen Possenmeister machte.

Der leibhaftige Scherz muß in dem Spaßmacher verkörpert sein; wo möglich seier von stattlichem Wuchs, guten: Ansehen und prunkvoll gekleidet, in: Benehmen einwahrer Affe, nur ja kein Mensch. Sein ganzes Streben sei auf beißende Scherzegerichtet, dabei befleißige er sich altmodigcr Geberden und singe lustige Lieder undBalladen. Steigt ihn: der Wein zu Kopfe, so verziehe er das Maul, lache unmäßigbei der geringsten Veranlassung, tanze im Hause umher, setze über Tische und Stühle,nehme die Leute beim Kopfe, stürze sie über den Haufen und verübe allerlei dummeund alberne Streiche. Sitzt er bei Tische, so schneide er Gesichter und necke seine Nach-barn; man nehme sich ja in Acht vor ihm, denn seine Gesellschaft bringt Kleider, Beutelund Credit in Gefahr."

Uebrigens genossen die Witzmacher der Großen eine ziemliche Freiheit in ihrenSpäßen, wurden diese jedoch zu plump, so waren Peitschenhiebe ihr Lohn; in: All-gemeinen aber wurden sie trotz ihrer Keckheit mit großer Schonung behandelt.Einige",sagt Flügel,waren von grober Art, welche alles herausredeten, was ihnen einfiel,keinen Unterschied unter den Personen und Zeitei: machten, sich der gröbsten Possen,Unfläthereien und Zoten bedienten, und wenn auch manchmal ein witziger Einfall mitherauskam, so wurde er doch von hundert einfältigen und dummen verdrängt; Andere