Ausgabe 
(14.7.1880) 4
 
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im Gegentheil waren witzige, sinnreiche Kopse, wie Bousquet und Angela in Frankreich ,schlaue Hofleute von der feinsten Art. Sie näherten sich ,in ihren Reden und Hand-lungen niemals der Grobheit, sie befleißigten sich der Höflichkeit und des Wohlstandesin allen Sachen, waren roll lustiger Reden, artiger Erzählungen, kurzweiliger Gespräche,lächerlicher Sprichwörter, und ihr Umgang war so angenehm, daß man sie lieb habenmußte. Andere waren blos Tellerlecker, Schmarotzer und Schmeichler, die sich ver-spotten ließen, blos um ihren hungrigen Bauch zu füllen. Manche Fürsten haben aucheinfältige Blödsinnige, melancholische Leute und Andere als Hofnarren gebraucht. Ja,die häßlichsten Zwerge rhachitische Ungeheuer, krumm und schief gewachsene Menschensind als Hofnarren gebraucht worden."

Tracht und Abzeichen der Hofnarren waren sehr abenteuerlich. Der Kopf warbescheren und mit einer Narrenkappe, Gugel , Kugel, Kogel oder Koggel benannt, undbisweilen einem Turbane ähnlich, geziert, welche später mit drei Eselsohren und dannund wann mit einem Hahnenkamm bereichert wurde. Den Hals umgab ein großer aus-gezackter Kragen, die übrige Kleidung bestand in einer mit großen Knöpfen-versehenenbunten Jacke und engen Beinkleidern. Die Schuhe hatten lange Spitzen. Unter denJnsignien, welche ein Narr führte, spielte der Narrenkolben (Marotte) eine Hauptrolle,und war ursprünglich wohl nichts anders, als der Blüthenstengel des Rohrkolbens(IFim), eines in Sümpfen sehr gemeinen Schilfgewächses. Er führte auch den NamenNarren-Scepter, wurde in der Folge von Leder gemacht und erhielt nach und nach dieForm einer Herkules-Keule, oder eines Komus-Stabes mit einem Riemen, so daß ihnder Possenreißer an der Hand oder am Arm hängen lassen konnte. Dies war dieWaffe, womit er andere neckte und sich vertheidigte. Schellen wurden vorzüglichin der letzten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts ein Abzeichen des Narrenstaates.Die Spitzen der Eselsohren an der Kappe, der Gürtel, die Schuh-Spitzen mußtenSchellenträger abgeben, und, um das Geklingel zu vermehren, verdrängten sie sogar dieKnöpfe und sigurirten außerdem an den Schienbeinen, Ellenbogen, am Gürtel u. s. w.Erasmus von Rotterdam meint, man habe den Narren deswegen eine so seltsame Trachtgegeben, damit sie von Niemand beleidigt würden, wenn sie etwas Närrisches sagtenoder thäten, was einem unzurechnungsfähigen Menschen nicht ungestraft hingehen möchte;die Schellen wären mithin gleichsam eine Warnungsglocke.

Die Sitte, Hofnarren zu halten,' war so allgemein, daß selbst ausgezeichnete, hoch-gelehrte Männer sich damit versahen. So findet man auf einem alten Kupferstiche, denberühmten Thomas Moore und seine Familie darstellend, auch einen Hofnarren ab-gebildet, gleichsam als unentbehrliches Familienglied.

Dr. Lamprechter, Rath bei Carl V. , pflegte zu sagen:Ein jeder Fürst mußzween Narren haben, einen, den er vexirt, den andern, der ihn vexirt.

Peter der Große unterhielt sehr viele Hofnarren, die in verschiedene Classen oderRangabtheilungen geschieden waren, die eine Classe enthielt blödsinnige alberne Menschen,die aus Mitleid gefüttert wurden; eitzer zweiten waren Bediente einverleibt, die sich inder Verwaltung ihres Postens wirkliche Narrheiten haben zu Schulden kommen lassen;eine dritte begriff solche Subjekte, die sich, um einer verdienten Bestrafung zu entgehen,närrisch gestellt; eine vierte endlich bestand aus Menschen, die auf Reisen geschickt worden,aber als Ignoranten zurückgekehrt waren.

Die Geschichte der Narren würde hinreichenden Stoff zu einem interessanten Werkedarbieten. H, M.

M i s e - l l e n.

. (Gutes Recept für Bierbrauer.) Der Geschichtschreiber Buchanan standm dem Rufe, ein Hexenmeister zu sein. Maggy, eine Ale-Brauerin (Ale ssprich ehlPd. ,. Bier aus Weizenmalz mit wenig Hopfenextract) in Schottland , bat ihn um Rath,