nter^liktung8
zur
„Angslmrger Postzeitmig."
Nr. 5.
Samstag, 17. Juli
1880.
Der Mann, der dir nur dient um Geld,
Und nur gehorcht zum Schein,
Packt ein, sobald ein Regen fällt,
Lässt dich im Sturm allein.
Der Derr Daro„.
(Fortsetzung.)
Eines Tages, als sie wieder mißmuthig und in schmerzlicher, düsterer Stimmungauf ihrem Ruhebette lag, wurde ein Fremder gemeldet, — Doktor Bernard. Sie hatteseit Wochen keinen Gast in ihrem Hause gesehen und ein Arzt kam ihr wie gerufen.Sie fühlte sich nicht nnr seelisch, auch körperlich krank und gerade durch das Erscheinendieses Mannes kam es ihr zum Bewußtsein, wie furchtbar ihr Herz schon gelitten hatteund wie sehr sie bereits angegriffen war.
Ein Arzt ivar ihr höchst willkommen und vielleicht hatte ihr Mann bemerkt, daßsie leidend sei und ihr deshalb den Doktor geschickt. Hatte der Fremde nicht hinzu-gesetzt, daß er ein Freund ihres Gatten sei? Nach kurzem Schwanken entschloß sich des-halb die Fürstin den Gast zu empfangen. Doktor Bernard erschien und entfaltete dieganze Gewandtheit und Liebenswürdigkeit eines echten Franzosen. Er bedauerte sehr,seinen verehrten Freund nicht daheim zu treffen, denn er habe erst gestern durch einenglücklichen Zufall erfahren, daß der Herr Baron jetzt in Paris sei und sich beeilt, ihnsogleich aufzusuchen, um die angenehme Bekanntschaft zu erneuern, die sie damals inSorrent gemacht hätten. Mein Gatte wird es ebenfalls sehr beklagen, sagte die Fürstinverbindlich; eine dringende Angelegenheit hat ihn vor einer Viertelstunde weggerufen,aber ich hoffe, daß er bald zurückkehren wird und wenn Sie sich so lange mit meinerGesellschaft begnügen wollen — sie machte dabei eine einladende Handbewegung nachdem nächsten Stuhl hin.
Ich bin nicht stark genug, einer solch liebenswürdigen Einladung zu widerstehenund mit jener Zwanglosigkeit, die er sich als Arzt und Franzose angeeignet hatte, nahinDoktor Bernard Platz. Uebrigens freue ich mich, daß mein lieber Baron sich von demfurchtbaren Schlage endlich erholt und für seinen schmerzlichen Verlust einen so herr-lichen, alles überbietenden Ersatz gefunden hat. Seine klugen Augen reihten dabei nichtohne Bewunderung auf der üppigen Gestalt der Fürstin.
Sie verstand ihn nicht und so zeigte sie nur jenes gesellschaftliche Lächeln, daß sichnach allen Seiten hin deuten läßt.
Ja, Frau Baronin, ich habe ihren Herrn Gemahl in jenen schweren Stunden auf-richtig bewundert, fuhr der redselige Franzose fort. Diese hingebende Aufopferung, dieer mir damals für seinen armen Bruder gezeigt, hat mir für immer sein Herz erobert