Ausgabe 
(17.7.1880) 5
 
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Unsere Geduld verlierend, pochen wir auf's Neue ausdauernd an den Pfortenund endlich hören wir Rufe, nicht mehr von oben, sondern von unten. Nach einigerZeit beginnt bei verschlossenen Pforten das Parlamentiren, welches in arabischer Sprachezwischen einem der griechischen Mönche und meinem Dragoman geführt wird: wer undwieviele wir sind, von wo wir kommen, was unser Ziel und Zweck, ob wir ein Em-pfehlungsschreiben des griechischen Patriarchen von Jerusalem haben, denn ohne einemsolchen wird Niemand eingelassen. Nachdem alle Fragen befriedigend beantwortet sind,wendet sich endlich der schwere Verschluß und knarrt die mächtige Thür und wir werdeneingelassen. Wir gelangen in einen engen Gang, in welchem ungefähr ein halbhundertStufen zu einer Thür abwärts führen, die der vorsichtige Pförtner ebenfalls abgeschlossenhatte. Von dieser führen wieder Stufen in einen gepflasterten Hof, in dessen Mitte einebekuppeltc Kapelle steht, und von diesem Hof noch eine Treppe hinab zum Divan, demeinem Refektorium ähnlichen Gastzimmer. Unsere Pferde und ihre Begleiter sehen wirnicht mehr, denn diese wurden bei der oberen Pforte eingelassen, die auf einer höhernTerrasse zu den Ställen führt,

Während der Bruder Pförtner in der angrenzenden Küche Feuer macht, um mitHilfe Sidi's aus dem von Naphael mitgebrachten Material unser Abendmahl zu bereiten,besichtigen wir unter der Führung eines andern Mönchs noch bei Lampenlicht das Kloster,denn morgen wollen wir gleich mit Tagesanbruch unsern Weg fortsetzen. Die kuppel -überdeckte Kapelle ist wie alle griechischen Heiligthümer und die christlichen Kirchen imOrient überhaupt, mehr reich als geschmackvoll ausgestattet. Ihr Stolz, welcher sie zueinem der Hauptheiligthümer der griechischen Kirche macht, ist das Grab des heiligenSabbas; dieses Grab ist aber leer, denn der Heilige wurde noch zur Zeit der Kreuzzügenach Venedig überführt. Der heilige Sabbas, nach dem sich der alte griechische .Mönchs-Orden der Sabaiten benannte, war nicht nur wegen seines heiligen Lebenswandels,sondern insbesondere auch wegen seiner theologischen Kämpfe gegen die Monophysiten,eine der Hauptgestalten der griechischen Kirche.

(Schluß folgt.)

M i s c - l l - 11.

(Einst und jetzt.) Stadtbeleuchtung ist überflüssig. In lk., einer kleinen Stadt,wurde beim Magistrate die Frage der Stadtbeleuchtung verhandelt. Unter Anderen er-hob sich auch ein Senator mit folgendem Argument:Wozu Beleuchtung! Wenn esdunkel wird, gehen ehrliche und ordentliche Bürger nach Hause, und für die Lumpen undSpitzbuben werden wir doch keine Lampen anzünden!"

Eine Dame kam zum Fürsten und redete ihn folgendermaßen an: Dame:EuerDurchlaucht, mein Mann mißhandelt mich." Fürst:Das geht mich nichts an."Dame:Er schimpft auch über Sie." Fürst:Das geht Sie nichts an."

(Unmöglich.) Gast: Das ist doch eine lüderliche Wirthschaft! in dem Kaffeeschwimmen noch die halben Bühnen herum." Wirth:Sehr merkwürdig! das kanneigentlich nicht vorkommen, weil wir zu unserem Kaffee keine Bohnen nehmen."

Zu Zürich kündigte der Buchhändler HeideggerArndt's wahres Christenthum" alsoan:Da bei dem Buchhändler Bttrkli das wahre Christenthum nicht mehr zu findenist, so wird man es bei mir finden."

-Nicht wahr, Johann, ich werbe schon recht alt?" fragte ein Herr seinen Dienerals er ihn eben frisirte, worauf dieser antwortete:Es geht halt schon nicht anders;ich bin ein noch älterer Esel, als Ew. Gnaden."

Ein Bauer, der zum ersten Male in einer Oper war, sagte:Ne, .was das für!<eine Singerei war! Und da war sogar Eine, die konnte es so schlecht, die mußte Alleszweimal singen."

Kür die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag des^ Literarischcn Instilus von Dr. M. Hulttcr.