Ausgabe 
(4.8.1880) 10
 
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38 . Ich kenn' Dich, edler Pfalzgraf, mcht vonheute.

Als Knaben spielten wir im Staufenschloß,Seit 30 Jahren seh' ich Dich zur Seite,

In Friedenslust, im blut'gen StreiteDu theiltest unentwegt mein Schicksalslos.

37. Das künden hundert Zeugen, stets beredte.Ob sie nun Sprache haben oder nicht:Aus vielen Rom, die weltberühmte Stätte,Und jene schroffe FelsenketteBei Bern, am Paß der Etsch , sie trüget nicht.

38. Ja, wo es gilt, uns weisen Rath zu spendenUnd Lebensnoth der Treue Probe heischt:Ich kann vertrauensvoll mich an Dich wenden, Und immer führt's zu guten EndenIn Glück und Unglück hast Du nie getäuscht.

3v. Wie Sonnengold glänzt Deine Mannentreue,Ein glüh'nüer Diamant der FreundschaftDienst.

Nicht kennt Dein Herz des Eigennutzes Reue,Es quillt ohn' Unterlaß aus's neue

Aus gradem Sinn dem Reich ein schönGewinnst.

<0. So hieltest Du stetstreu zu Deinem GotteZum Kaiser und zum Reiche allezeit.

Warst Schutz den Schwachen, wärest Grimmdem Spotte,Verderben stets der Feindesrotte:

Mit allen Kräften kurz der Pflichtgeweiht.

41. Du hast ein voll Verdienst um uns erworben,Um diese hier und um das ganze Reich.

Bist Trost und Bürge, daß nicht abgestorben.Daß noch nicht in der Welt verdorben

Der deutschen Treue Wurzel, Stamm undZweig."

12. Und wie zum Zeichen, daß sein Wort gesunde.Sieht Er mit Frageblick im Kreis umher.

Doch ob auch späht Er lange in die Runde,Und forscht nach Miene und nach Munde:

Er schaut Zufriedenheit im edlen Heer.

43.Da Ihr zustimmend, Edle, habt gebilligt.Was ich zum Pfalzgraf sprach und auchzu Euch:

Da Ihr in meines Herzens Wunsch gewilligt.Durch Widerrem ihn nicht mißbilligt.

So sei denn kund Euch und dem ganzenReich;

44. Von dieser Stund' an Petrus ' Ehrentage,

Da man eintausendhundertachtzig zählt.Verstumm' in Bayern alle Noth und Klage!

Kraft Rechts ich Kaiser Friedrich sage:Mit Wittelsbach sei Bayern neuvermählt!

45. Laß' nieder Dich, mein Herzog, nimm dies'

Zeichen

Der herzoglichen Würde hier zu HandUnd schwör' zu Gott, vom Kaiser nie zuweichen.

So lang des Lebens Tage reichen,

Und mir zu folgen stets zur See, zu Land."

46. Nachdem der Lehenseid in Form geschworen.

Fuhr noch der Kaiser in der Rede fort:So bist auf ewig Du dem Land erkorenUnd nie sei deinem Stamm verlorenDie Herzogskrone! Dies ist Kaiserwort.

47. Es blüh' Dein Haus bis in die fernsten

Zeiten

Und strebe glücklich nach der Ehren Zier!Mög' es zum höchsten Glänze vorwärtsschreiten

Dies soll Dir dieser Tag bedeuten!Und mächt'ge Sproßen schauen für und für!"

48. So sprach der Kaiser und umarmt den Treuen,

Und eine Thräne seine Wange netzt,

Den alten Bund in großer Stund' zu neuen.Zu Sporn und Ehre auch den Freien,Die Wittelsbachs Erhebung nicht verletzt.

49. Da tönt es mächtig durch die weiten Hallen,

Es wächst zum Donner an aus aller Mund:Es lebe Wittelsbach!" Es hat gefallenDem Zerrn und Kaiser, hier vor AllenZu ehren ihn mit Krön' und ew'gem Bund.

50. Es schallt im Saale, schallt auf allen Straßen:

Es lebe Wittelsbach für immerdar,

Der nie den Kaiser und das Reich verlassen.Sein Glanz er möge nie erblassenUnd blüh'n sein Stamm bis zu dem ewigenJahr!"

51. Und als der Kaiser Alles gut gewendet

Und ließdie Stadt und ginq zu neuerPslicht:Er liebe Worte noch den Edlen spendet.Den: Freund gar viele, und dann endet:Ja Wtttelsbach und Bayern läßt sichnicht!"

Negensburg, V.

Der Herr Daro.

Novelle von Ludwig Habicht .

(Fortsetzung.)

Sie wollen heute ein großes Fest geben, wie ich höre, begann Enrichetta sogleich,und ich wundere mich, Herr Baron, daß Sie mir davon noch nichts mitgetheilt haben.Ich hätte mich so gerne nützlich gemacht.

Wirklich? rief der Baron lebhaft, das freut mich, Du bist also doch klug undVernünftig Kind; und glaube mir, das soll Dein Schaden nicht sein,, er faßte dabeileicht ihr Kinn, wie Jemand, der seine treue Dienerin belobt.

Das haben Sie mir schon früher gesagt und noch weit mehr, entgegncte sie ruhig.Und hab' uch nicht Wort gehalten? fragte der Baron mit selbstzufriedenem Lächeln.