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1t. Nachdem der Bischof Ihn und Volk gesegnet,Da ruft zur Pfalz des Kaisers Machtgebot.Was soll es h eut? Vermuthungen es regnet.Wie es im Leben sonst begegnet,
Wenn Ungewißheit schafft dem Geiste Noth.
15. Und als im Pfalzsaal sich der Kreis ge-schlossen;
Der für des Reiches Wohl und Wehe steht.Tritt ein der Kaiser majestätumflossenUnd grüßt voll Würde seine GroßenUnd ziert den Thron vom Neichspanierumweht.
25. Der Kaiser war gerührt im tiefsten Grunde,
Und eine Weile schwieg Er vor dem Tag.Auf ihrem Antlitz thront der Ernst derStunde
Und wie erbittend frohe KundeErheben sie das Haupt. — Der Kaisersprach:
26. „Ich rief herauf der alten Zeiten Ehren
Und sah mir die Geschlechter alle an.
Ich konnte meinem Geiste nimmer wehren.Ich fühlt' es mir am Herzen zehren.
Ich folgte Tag und Nächst nur ihrer Bahn.
16. ES leuchtet Ihm das blaue Aug' so helle.Es blicket ernst und doch so gnadenvoll.Und immer wieder sucht es Eine Stelle,Wie eines Freundes treue Seele.
Bon der es nimmermehr sich wenden soll.
17. Jetzt spricht der Kaiser vom erhab'nenThrone
Selbst tiefbewegt zur tiefbewegten Rund':Ihr Edlen all', die um des Reiches-KroneVersammelt sind aus jeder Zone,Vernehmt, was Euer Kaiser will zur Stund :
27. Ich prüfte mir die Söhne jener Ahnen;
— Ich that's mit freiem unbefang'nemSinn —
Ich wog mir ab die Zeiten und ihr Mahnen,Ich musterte mir meine Mannen,
Ich bat von oben Weisheit zu Gewinn:
28. Auf daß ich jenen Mann dem Reich bestelle
Und meinemBayerland zu Schirm undvort.Der würdig walte der erlauchten StelleUnd Reich und Kaiser niemals fehle.
So lang er lebt, und folg' an jeden Ort.
18. Nachdem berathen Ihr an manchen Tagen,
Mit diesem Haupt das Nöthige nachGebühr,Fand ich für gut, das Größte anzusagen,— Was enden dürfte viele Klagen —Dem Reich zu Nutz und Frommen für und für.
19. Ihr wißt, welch' schwere Zeit heraufge-
kommen.
Für meiner Bayern treues Volk und Land,Ihr habt der Nöthen viele selbst vernommen.Noch ist der Funke nicht verglommen.Der neu entzündet grausen Zwistes Brand.
80. Das dritte Mal hab' ich umsonst gerufen.Des heil'gen Reiches rechtbestallter Herr,An dieses Thrones hier ehrwürdige Stufen,Was gute Zeit sich fühlt, berufen.
Sich mir zu Trotz zu setzen und zur Wehr.
29. Soviel ich mochte prüfen, mochte schauen,
Und alle bis auf einen tadellos;
Am meisten mußt' ich immer Einem trauenUnd zuversichtlich auf ihn bauen,
Er ließ mir Geist und Herze nimmer los.
30. Du, älterer Otto wittelsbach'schen Blutes,
Gib hin dem jüngeren das Reichspanier!"Er staunt, der treue Hüter dieses Gutes,GehorchtmitSchmerz. „SeigutesMuthes",Der Kaiser spricht, „tritt vor und folge mir:
31. „In grauer Zeiten Ferne seh' ich ragen
Der großen Ahnen hehr und mächtig Haus.DerGeistmich mahnt, nur Einenvorzutragsn,Von jenem Luitpold will ich sagen.
Des deutschen Reiches Wehr', im Kampf-gebraus.
81. Nun da des Rechtes Formen sind gehalten.Wie es sich ziemt für diesen hohen Tag,Und Klagen alt' und neue widerhallten;
Da heißt die Pflicht, des Amts zu walten.Wie dieses Weh' des Reichs bald enden mag.
SS. So thu' ich kund: „Land Bayern ist nunLehen,
Das, frei, zurückfiel an des Reiches Macht.Da von dem Löwen, wie wir deutlich sehen,Genüge nicht dem Recht geschehen,
So ist der Wels erklärt in ew'ge Acht.
32. Du, hochgeborner Mann, kannst Dich wohl
messen
Mit jedem Wappen, jeglichem Geschlecht,Denn nimmer wirst das Eine Du vergessen,— Du darfst Dich kühnlich deß vermessen —Der große Karl Euch hielt ja blutgerecht.
33. Und lange Jahre sah das treue Bayern
Mit Lust und Stolz zu Euch als Herren aufUnd pries als liebe Vater oft die Scheyern Mit Liedern gerne und mit Leiern,
Bis Zeitenungunst stört den Herrscherlauf.
SS. Doch Bayern kann nicht länger mehr ent-behren,
Soll es verbluten nicht an Wunden viel.Des klugen Vaters und des starken Herren,Zu führen es in Weisheit und zu mehren.Was es geleiten mag zu schönerem Ziel.
31. Doch auch im Grafenstande grünte EhreUnd glänzte Ruhm dem edlen Schyrenhaus.Die meisten waren Säule uns und Wehre,Du bist ja selbst die beste Lehre,
Daß Blüth' und Frucht geh'n reich vomStamme auS.
81 , Die Zeit ist schwer, und Kraft in jedem Lande,Gerechtigkeit und Rath ist gar sehr noth.Es lWn sich durch Ungunst heil'ge Bande,—Was jedem Volkzur Pestund Schande—.Mrr führt in solchem Sturme BayernsBoot ?"
35. Drum ward Ihr werth des Dienstes auchgesunden.
Das Rsichspanier im Kampfe zu erhöh'»Und heilig Recht und Satzung aller StundenZu schützen.»nd zu schirmen gegen Wunden.Und wie ließ Wittelsbach das Banner weh'n ?