Ausgabe 
(4.8.1880) 10
 
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Dir steht das ganze Haus zur Verfügung und Du kannst Dich hier wie die Herrinfühlen.

Ich glaube auch darauf die größten Ansprüche zu haben, war ihre etwas betonteEntgegnung.

Der Baron nickte mit dem Kopse. Sei überzeugt, Du hast an mir stets einensehr gnädigen Herrn und Bloomhaus legte mit der Miene des wohlwollenden Gönnersfeine Hand auf ihre Schulter.

Sie zuckte heftig zusammen und trat einen Schritt zurück, suchte sich aber nocheinmal zu beherrschen und während ein Lächeln um ihre Lippen spielte, und ihre dunklenAugen zu ihm hinüberblitzten, fragt sie leise: Nur einen gnädigen Herrn? Ich dächtedoch, daß ich noch mehr verdient hätte. O, Herr Baron, wie viel hab' ich Ihnengeopfert, wie viel! und ich darf wohl hoffen, daß Sie dies nie vergessen werden.

Wie sollte ich das? Hast Du irgend einen Wunsch? Du weißt, ich bin nobel.

Länger konnte Enrichetta nicht an sich halten. Sie warf sich laut schluchzend andie Brust des Barons und ihn mit ihren Augen zärtlich umklammernd rief sie aus:Nicht wahr Gregorio, Du wirst mich nicht aufgeben? Du kannst es ja nicht! Habe ichdoch Dir zu Liebe alles gethan! O ich liebe Dich wahnsinnig, grenzenlos!

Der Baron geriet!) in die größte Verlegenheit. Einen solch' lebhaften Gefühls-ausdruck hatte er am wenigsten von dem klugen Mädchen erwartet und er mußte nunum jeden Preis das wunderliche Geschöpf zu beruhigen suchen. Enrichetta! Was fälltDir plößlich ein? Wenn uns Jemand sähe! und er bemühte sich, so rasch wie möglichvon der Umarmung des Kammermädchens los zu kommen.

Mag die ganze Welt uns sehen! fuhr sie in derselben Erregung fort: Ich liebeDich, Dich ganz allein! und Du darfst Niemand weiter gehören, denn ich habe Dichund Deine Liebe sehr theuer erkauft.

Nun wir bleiben bei einander, suchte er sie zu beschwichtigen. Du darfst michnicht verlassen, selbst wenn ich jetzt

Er konnte nicht vollenden, denn sie ließ ihn plötzlich los und ihre Arme sinken,und unterbrach ihn mit der heftig herausgestoßenen Frage: So, ist es wahr, Gregor,Du hast Dich mit einer Anderen verlobt und willst mich schändlich aufgeben?

Kind, rede vernünftig, ermähnte der Baron . Du sollst ja unter allen Umständenbei mir bleiben, das ist längst beschlossene Sache. Ich habe schon mit meiner Brautvon Dir gesprochen, Du wirst ihr sehr nützlich sein, und Du glaubst gar nicht, wiegutherzig, wie großmüthig sie ist. Du wirst bei ihr

Weiter kam der Baron nicht; er hatte anfangs stockend, zuletzt sehr lebhaft ge-sprochen und Enrichetta ihm in einer Art Erstarrung zugehört. So wahr seine Ver-lobung doch eine unumstößliche Thatsache und er hatte die Frechheit, ihr zuzumuthen,bei seiner neuen Gemahlin wieder als Kammermädchen zu dienen, während sie alleinalle Rechte hatte, daß er sie zur Baronin erhob.

Und das wagst Du mir wirklich zu bieten?> rief sie empört und ihre schwarzenAugen funkelten. Mir, der Du alles zu verdanken hast, die ich um Deinetwillen dasFurchtbarste gethan.

Still! befahl der Baron, dessen blasses Antlitz sich jetzt auch zu färben begannund der sich nach allen Seilen scheu umsah, als könnte Jemand diese Worte gehörthaben. Wie viel verlangst Du von mir, fordere Du so viel Du willst, Du sollst eshaben.

Nichts will ich, nur Dich allein: Was ich gethan, geschah aus Liebe zu Dir,nicht um schnödes Geld.

Sei endlich vernünftig, Enrichetta, ermähnte der Baron . Du konntest doch nichtverlangen, daß ich Dich heirathen soll?

Warum nicht? Bin ich denn schlechter als eine lüderliche Schauspielerin?

Enrichetta! rief jetzt der Baron heftig und erhob drohend die Hand. Vergiß