Ausgabe 
(4.8.1880) 10
 
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nicht, daß meine Geduld eine Grenze hat, daß ich solche Unverschämtheiten auch von

Dir nicht ertrage. . . , . ,

Es ist nur die Wahrheit. Wenn Sie sich nicht scheuen, Mit emer elenden Schau-spielerin sich zu verloben, dann können Sie auch mich heirathen, ohne Ihrer Würdeetwas zu vergeben, mein Herr Baron .

Sie sprach die letzten Worte ganz besonders zögernd und höhnisch aus, aber demBaron entging es, denn er war schon viel zu sehr über die unerhörte Anmaßung diesesGeschöpfes empört.

Willst Du, daß ich mich zum Gespött der ganzen Welt machen soll? WelchesHöllengelächtcr würden meine Freunde aufschlagen, wenn sie hörten, daß sich BaronBloomhaus mit dem Kammermädchen seiner ersten Frau verheiratet habe I

Und doch, Herr Baron, gibt es für Sie nur einen Ausweg» entgegnete sie mitfester Stimme und ihre Blicke schienen sich in sein Inneres bohren zu wollen. Ent-weder Sie heirathen mich oder

Oder, wiederholte der Baron unbefangen, der sich durchaus nicht den Anschein gebenwollte, als werde er durch diese Drohung eingeschüchtert.

Oder, ich erzähle dem Gericht, wie Ihre Frau aus der Welt gekommen ist.

Das könnte für Dich allein sehr unangenehme Folgen haben, war die ruhige

Antwort.

Sie irren, Herr Baron, entgegnete Enrichetta und ihr schmales Gesicht verzerrtesich höhnisch. Wir werden dann Beide miteinander ins Zuchthaus oder aufs Schaffstgehen.

Ich fürchte, das wird unmöglich sein, entgegnete der Baron, den Spott erwidernd.

Durchaus nicht. Ich werde ohne Weiteres bekennen, daß ich nur auf ihrenAntrieb die Fürstin vergiftet habe.

Baron Bloomhaus zuckte die Achseln. Man wird Dir wenig glauben, und Duscheinst ganz zu vergessen, daß Du durch dieses Bekenntniß vor allen Dingen Dich selberin die Tinte bringen dürftest.

Was frage ich darnach, wenn Sie nur mein Geschick theilen, entgegnete die Ita-lienerin mit finsterem Trotz.

Das wird unmöglich sein, war die kühle Entgegnung.

Doch nicht so unmöglich als Sie denken. Ich habe noch den Nest des Giftes,das Sie mir gegeben. Sie allein hatten ein Interesse daran, daß die Fürstin raschbeseitigt wurde, denn Sie fühlten sich nicht mehr sicher, seitdem Ihre Gemahlin in demBesitze eines für Sie bedenklichen Geheimnisses war.

Durch die Augen des Barons zuckte es und sein eben noch höhnisch lächelndesGesicht verfinsterte sich, dennoch sagte er kühl und ablehnend: Was schwatzest Du dafür Unsinnl

Enrichetta ließ sich von dem aufsteigenden Zorn des gnädigen Herrn, der ihr nichtentging, keineswegs einschüchtern und sie fuhr mit großer Sicherheit fort: Die Weltwürde staunen, wenn sie plötzlich das seltsame Geheimniß erführe und sie blicktedabei triumphirend in das bleicher werdende Antlitz.

Der Baron machte eine rasche Bewegung nach der Italienerin hin, vielleicht hatteer die Absicht, sich wie ein Tieger auf das Mädchen zu stürzen und es mit seinen Händenzu erwürgen, denn in seinen Augen loderte es unheimlich auf; aber er besann sich nocheinmal und sagte gleichgiltig: Ich möchte Dir rathen, es mit mir nicht zum Aeußerstsnzu treiben, Du könntest schließlich doch den Kürzeren ziehen.

Selbst diese nicht mißzuverstehende Drohung übte auf Enrichetta nicht die gehoffteWirkung. Sie lachte nur: Wollen Sie nicht wieder zum Gift ihre Zuflucht nehmen,sondern ganz einfach ihrem Opfer die Kehle zuschnüren, es ist das freilich -er kürzesteWeg, um sicher unter das Beil der Guillotine zu kommen.

So hatte die Italienerin seine Absicht errathen? Der Baron murmelte in russische?