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Sie Ihre Angaben der Wahrheit gemäß und ich zahle Ihnen auf der Stelle die zehn-tausend Francs aus.
Die kleinen Augen des Todtengräbers ruhten mit sehr mißtrauischen Blicken aufder Fremden. Wer bürgt mir denn dafür, daß Sie mir die zehntausend Francs zahlen,nachdem ich mich in die Falle gebracht habe? Der Baron versprach mir auch golden?Berge und wie hat er sein Wort gehalten?
Sie haben es mit keiner Betrügerin zu thun. Ich werbe mein Wort einlösen,verlassen Sie sich darauf! versicherte Enrichetta und legte zur größeren Betheuerung dieRechte auf ihre Brust, doch der Franzose war davon noch nicht überzeugt.
Verzeihen Sie, Madame, sagte er mit verlegenem Lächeln, denn er wollte einerDame gegenüber nicht ganz unhöflich sein, ich möchte Ihnen so gern glauben, aber eii;gebranntes Kind fürchtet das Feuer.
Die Italienerin sann einen Augenblick nach. Nun gut, sagte sie, plötzlich stehenbleibend, es wird sich für uns Beide ein Ausweg finden lassen. Können Sie schreiben?
Der Todtengräber richtete sich stolz in die Höhe. Vollkommen, wie ein Notar.In der Schule bewunderten die Lehrer meine vorzügliche Handschrift, denn Sie müssenwissen, Madame, ich habe eine ausgezeichnete Erziehung genossen. An der Wiege wurdemir nicht vorgesungen, daß ich einmal das Amt eines Todtengräbers antreten würde,denn ich bin von sehr guterFamilie; aber das Schicksal hat es anders gewollt! — undder plötzlich sehr lebhaft gewordene Mann senkte traurig den Kopf.
Dann schreiben Sie auf, was Sie mir soeben mitgetheilt haben, lassen Sie IhreUnterschrift von einem Notar beglaubigen und bringen Sie mir das Papier und ich zahleIhnen sofort die 10,000 Francs aus.
Das läßt sich weit eher hören, sagte der Todtengräber nach kurzem Sinnen. Aberhalt, rief er plötzlich, es geht doch nicht. Wenn ich mit meiner Beichte zu einem Notar-gehen soll, dann bin ich schon in seinen Händen, und wenn Sie mir schließlich die10,000 Francs doch nicht zahlen? ^
Ach, braucht denn der Notar den Inhalt des Papiers zu kennen, unterbrach ihnEnrichetta sogleich. Der Mann hat ja blos nöthig, Ihre Unterschrift zu beglaubigen,das genügt.
Sie haben Recht, Madame, entgegnete der Franzose. Ich sehe schon, daß Sieweit klüger find als ich. Und Sie meinen wirklich, daß ich mit vier Woochen fortkomme?
Keine Frage, erwiderte die Italienerin mit großer Entschiedenheit. Vielleichtgenügen schon vierzehn Tage, und bedenken Sie, daß Sie auf diese Weise aus allerVerlegenheit sind. Was haben dagegen vierzehn Tage oder vier Wochen zu bedeuten?
Das ist wahr, so rasch kann ich mir eine solche Summe nicht verdienen, besondersjetzt, seitdem mir der Baron doch entwischt ist. i
Es bleibt also bei unserer Abrede. Ich erwarte Sie morgen und Enrichetta nannteihm ihre Wohnung und bat den Mann zugleich um seine Adresse. Er zögerte nocheinen Augenblick, dann erfüllte er ihren Wunsch. Ich heiße Richard Mineur und wohnejetzt in Pantin , Gartenstraße Nr. 5.
Nun gut, Sie erhalten sofort Ihre 10,000 Francs, sobald Sie mir die Anzeigebringen. Verlassen Sie sich darauf. Ich will ewig verdammt sein, wenn ich mein Wortnicht halte, setzte sie hinzu und reichte ihm die Rechte.
Beide schüttelten sich die Hände und trennten sich dann.
(Fortsetzung folgt.)
Wittelsbacher Jubiläumsfeier
aus dem Burgplatz zu Obermittelsbach.
Wer wäre nicht gerne da, wo jugendlicher Frohsinn unter väterlicher Leitung dieschönsten Blüthen entfaltet? D'rum auf und nach dem Bahnhof! So mag sich am 5.