August dieses gnadenreichen Jahres manch' Augsburger gedacht haben, und eS war nebenden circa 650 Studierenden der kgl. Studienanstalt St. Stephan ein stattlich Häuflein,das sich zur fröhlichen Fahrt am Bahnhöfe in Augsburg eingefünden, um das700jührige Jubiläum des Wittelsbacher Hauses zu feiern, wo dessen unscheinbare Wiegegestanden. Schon wartet das Dampfroß, das heute ein festlich Kleid angelegt, stolz dasbayerische Wappen trägt und gar schön anzusehen ist mit seinen grünen Kränzen undweiß-blauen Fähnchen. Die Einparquirung geht musterhaft von statten und ein schrillerPfiff, da fährt der lange Zug hinaus in den hellen Sommertag, in die schöne Gottes-Welt. Bald verschwinden die Häuser und Thürme der alten Reichsstadt, donnernd braustder Zug über die Lechbrücke und wir sind in Altbayern . Im hellen Sonnenschein lächeltdas alte Friedberg mit seinen trotzigen Mauern und Basteien hernieder, doch immerweiter rast der entfesselte Zug hinein in's liebliche Paarthal und nach nicht ganz drei-viertel Stunden liegt das grünumrahmte ehrwürdige Aichach vor uns. Der Zug hält.Auf dem Perron stehen zahlreich die Einwohner des Städtchens, an ihrer Spitze der Be-zirksamtmann und der Stadtpfarrer zur Begrüßung anwesend. Schnell formiren sich dieSchüler in Sechserreihen und nun wird stramm mit klingendem Spiel — die Anstalthat eigene Capelle — und wehenden Fahnen durch das freundliche Städtchen gezogen.
Stehlen wir uns ein wenig weg und besehen uns den altehrwürdigen Ort.Aichach ist so ziemlich regelmäßig gebaut, hat eine hübsche Hauptstraße, deren Pflastergut absticht von dem der frequentesten Straßen Augsburgs , weist ganz nette Häuser undnamentlich zwei hübsche Thore auf. Die Pfarrkirche darf die Gemeinde ihren Stolznennen. Sie ist rein gothisch und dreischisfig, hat sehr schöne Altäre, nur dürfte derHochaltar durch einen stylgerechten ersetzt werden. Aichach macht auf den Besucher denEindruck der Wohlhabenheit, und doch find manch' harte Stürme durch seine Thoregebraust. Aichach ist sehr alt, denn schon im Jahre 1126 befestigte Pfalzgraf OttoIV. von Wittelsbach die Stadt. Weiters ließ Ludwig der Gebnrtete in: Jahre 1418umfassende Befestigungsarbeiten machen, ^.nno 1632 wurde Aichach durch den schwedischenFcldmarschall Gustav Horn erobert, anno 1633 durch den kaiserlichen General Altringeraber ihnen wieder entrissen. Am 11. April nämlichen Jahres wurde die Stadt von denSchweden wieder erobert, geplündert und zum Theile niedergebrannt, ^.nno 1634 den14. Juni ergab sich die Besatzung und Bürgerschaft mit Accord an den zum Entsetzeder Stadt herbeigeeilten bayerischen General Johann von Werth , ^.rmo 1634 den24. Juni wurde Aichach von dem schwedischen General Gustav Horn neuerdings belagertund in einen Schutthaufen verwandelt. Weiter wirkte noch während des spanischen Erbfolgekrieges das Brandunglück vom 10. August 1704 empfindlich, auch der östereichischeErbfolgekrieg und die französischen Feldzüge haben der Stadt manche harte Wunde ge-schlagen und nur langsam erholte sich die vielgeprüfte. Doch lassen wir die trübenBilder der Vergangenheit und verlassen wir die von saftigen, grünen Wiesen umgürtete,von der Paar umschlängelte Stadt und hinaus zur Wiege der Wittelsbacher !
Gleich außerhalb der Stadt zweigt sich der Weg nach Oberwittelsbach von derLandstraße ab, ein auf einem kleinen Sockel sitzender Löwe, mit dem bayrischen Wappenin den Pranken, zeigt uns den Weg. Nun geht's den sanft ansteigenden Hügel hinaufdurch golden wogende Aehrenfelder. Blickt sich der Wanderer, oben am Saume desWaldes angelangt, noch einmal um, so thut sich ihm ein reizendes Panorama auf. Dasliebliche, grüne Paarthal liegt zu unsern Füßen, eingerahmt von den dunklen Wäldern,die sich allmählig in blauer Ferne verlieren. Manch blühendes Dörfchen ist zu sehen,manch' stattlicher Kirchthurm ragt in die reine Sommerluft hinein. Und nun sei gegrüßtdu schöner Tannenwald, der du das ersehnte Ziel birgst, der du schirmend mit deinenArmen die Stätte umfangen hältst, die jedem Bayer heilig ist. Wenige Minuten, undder altersgraue Thurm der Kirche von Oberwittelsbach grüßt durch den grünenSchlag. Wir find auf dem großen Rasenplatze, auf dem das bayrische Volk ein schlichtes,aber schönes Nationaldenkmal feinem erlauchten Fürstenhause errichtet. Sonst mag der